NZZ Folio 08/03 - Thema: Wir Affen   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Circus! Circus!

Von Andreas Dietrich

Alfred Reichle, Sie sind seit 18 Jahren Präsident des Clubs der Circus-, Variété- und Artistenfreunde der Schweiz. Worum geht es beim CVA?

Gegründet wurde der Club 1961, zur Zeit des Variétésterbens, das man verhindern wollte – leider vergebens.

Welche Sorte Variétés waren das?

Keine anzüglichen! Das waren schöne Programme mit Essen, Trinken und Artistenshows. Interessanterweise erleben sie heute ein Comeback; besonders in Deutschland gibt es wieder ein paar hochstehende Variétés.

Inzwischen vereinigt Ihr Verein vor allem Zirkusfans?

«Fanclub» hören wir nicht so gern, das tönt etwas abwertend. Wir sehen uns als Freunde des Zirkus. Wir möchten, dass man ihn als Kulturgut anerkennt und ernster nimmt.

Woraus besteht das Vereinsleben?

Sehr gut kommen Reisen an, Besuche in den Winterquartieren oder Börsen, wo allerlei Artikel wie Kostüme, Klappstühle und Programmhefte angeboten werden. Ausserdem erhalten die Mitglieder, über sechshundert in der Schweiz und etwa hundert im Ausland, sechsmal jährlich unser Magazin «Manege» mit Interviews, Hintergrundberichten, Besprechungen.

Reagiert die Branche auf die Kritiken?

Das ist so eine Sache. Zum Teil werden sie nicht so ernst genommen – aber schreiben wir ein Jahr lang nichts, ist man betupft. Und was immer man schreibt: Der eigene Zirkus kommt zu schlecht weg und der andere zu gut. Aber damit können wir leben und die Zirkusleute auch.

Hatten Sie schon Ärger im Verein?

Es gibt leider immer wieder mal sogenannte Zirkusfreunde, die sich danebenbenehmen. Die meinen, wenn sie Mitglied sind, könnten sie sich alles erlauben und um Plakate oder Gratiseintritte betteln. Da sind wir von der Clubleitung strikt dagegen.

Wie oft gehen Sie in den Zirkus?

Dreissig- bis fünfzigmal im Jahr. Um ein Zirkusprogramm seriös einschätzen zu können, muss man es mehrmals gesehen haben. Das bin ich als Clubpräsident meinem Amt schuldig.

www.circusfreunde.ch


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