Früher ging das so: des Winters fuhr man in die Berge, schnallte sich die Skier an, liess sich vom Lift den Berg hochschleppen, genoss die Luft und die Sonne, glitt elegant oder auch nicht über den Schnee, fiel hin, rappelte sich auf und hat am am Ende einen tollen Tag gehabt.
Alles falsch! Primitive Einstellung! Es fehlt das durchtrainierte Bewusstsein!
Geahnt hatten wir es ja schon. Doch nun gibt es Erleuchtung. Sie kostet lumpige Fr. 19.80, hat die Form eines Buchs und spricht vom «Inner Ski». Was nichts anderes besagt als «Mentaltraining», das man machen muss, um «Piste und Alltag neu (zu) erleben».
Früher galt es, «in» zu sein. Inzwischen es man «inner» sein. Das Skifahren, das Managen, das Staubsaugen und erst recht die Kiste zu zweit. Nun ist das Problem - in unserer sonst problemarmen Zeit -, dass unsereinem, der unerleuchtet durch den Alltag stolpert, gesagt werden muss, wo es mental noch fehlt. Man kann nur sagen: allenthalben!
Beweis sind die Ratgeberbücher, die nach neuster Zählung auf dem Stand von runden tausend Titeln angekommen sind. Was «hält ein Paar zusammen», wenn «der Mann schnarcht» und die Frau gelesen hat, dass «Rache sinnvoll» ist? Warum habe ich nicht schon längst mein «Kreativitäts-Training» für einen «sinnliche Alltag» gemacht, wo es doch «Für jeden einen Weg» gibt?
Am besten fange ich an mit der «Musikalischen Hausapotheke» und komme über Baldrian in Fis-Dur zu «Mehr Liebe für den Mann». Überhaupt, um den Mann muss man sich ernstlich sorgen. Mürbe vom Kampf gegen die bewegte Frau, will er wieder aufgebaut sein: «Mann, bist du gut», sagt ihm einer von Mann zu Mann, und in Band 2 seines Opus magnum: «Mann, leb dich aus!». «Nicht Herrscher, aber kräftig» will ihn ein Soziologe, und «Schluss mit dem Beziehungskrampf» fordert einer, der so grün aussieht, als habe er mit dem Krampf noch gar nicht richtig angefangen. «Rettet die Männer!», fasst eine Dame schliesslich zusammen und sagt endlich, was wirklich los ist: «Frauen machen kaputt.» Wer wollte dem noch widersprechen?
Und der «Schamane in uns» sagt nur noch leise «Hugh».