Sicher ist vor allem, dass es immer mehr werden. Alles andere, was man über Studenten vermutete, ist heute oder spätestens morgen mit Vorsicht zu geniessen. Dass sie sich vor allem mit den klassischen Wissenschaften beschäftigen, in der Nacht von Wittgenstein träumen, einander lateinisch guten Appetit wünschen, ist eine längst überholte Vorstellung. Altphilologen und Philosophinnen bilden heute eine Minderheit an der Universität. Nicht nur von den Naturwissenschaften haben sie Konkurrenz bekommen, sondern auch von der Wirtschaftspädagogik, der Afrikanistik und dem internationalen Weinmanagement. Es gibt kaum mehr etwas, das sich heute nicht studieren liesse. Und es wird nicht mehr lange dauern, und alle werden sich in ihrem Leben – und sei es nur für die Dauer eines Fortbildungskurses in Speditionslogistik – einmal Student nennen dürfen. Oder Studentin. Die Frauen gehen nicht nur seit langem zur Uni, sie stellen in der Schweiz in Studienrichtungen wie Medizin, Jurisprudenz oder Theologie an vielen Orten bereits die Mehrheit.
Mit den Veränderungen an der Universität wird auch dem klassischen Studentenwitz die Basis entzogen («Was war Jesus von Beruf? – Student. Er wohnte mit 30 Jahren noch bei den Eltern, hatte lange Haare, und wenn er etwas tat, dann war es ein Wunder»). Neben dem Studium zu arbeiten, ist heute der Normalfall, und die letzten Revolutionäre, die von der Uni abgingen, sind heute Professoren. Selbst die Bezeichnung «Studenten» beginnt zu erodieren und wird an den Universitäten und Fachhochschulen mehr und mehr durch das geschlechtsneutrale «Studierende» ersetzt.
Manche werden wehmütig beim Gedanken, dass mit diesem Umschwung die Traditionen, die das Bild des Studenten ausmachten, definitiv verloren gehen. Doch ihr Verschwinden ist vor allem ein Zeichen dafür, dass ein Studium nicht mehr nur einem kleinen Zirkel vorbehalten ist, dass die Universitäten sich geöffnet haben, dass alle ihre Chance bekommen. Es werden immer mehr, und das ist gut so.