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NZZ Folio 12/08 - Thema: Geschwister Inhaltsverzeichnis
«Es ist dreiviertel anstrengend»
Schüler einer fünften Klasse und einer berufsvorbereitenden Schule erzählen, wie es ist, Brüder und Schwestern zu haben oder Einzelkind zu sein.
Mein Bruder ist niedlich, wenn er Angst hat
Mein Bruder Louis, sprich «Lui», ist knapp vier Jahre alt, hat blonde Haare, braune Augen und ist ungefähr 90 Zentimeter hoch. Louis ist sehr temperamentvoll, kriegt er mal nicht, was er will, bekommt er einen Wutanfall und beginnt zu schlagen (was zwar noch kein Problem ist, aber eins werden könnte), bis er sich beruhigt und dann nur noch weint. Louis Lieblingsspiele sind: Kämpfen, Indianerspielen und Kämpfen. Mit Louis irgendwo hinzugehen, ist ein rechter Stress. Er ist ein Schwein, hebt alles auf, Schnüre, rostige Metallgegenstände, manchmal auch nicht ganz ausgetrunkene Flaschen, und als ob das nicht genug wäre, ist er auch noch ein Zappelphilipp. Er kann nie mal etwas allein tun. Das Einzige, was mit ihm klappt, ist, in den Wald zu gehen. Louis kann aber auch niedlich sein, aber nur, wenn er total erschöpft ist, Angst hat, traurig ist oder schläft.
Linus, 11
Ich muss meinen Brüdern gehorchen
Ich habe zwei Brüder – Ardeshir, der 19 ist, und Arber, 15. Ich hatte schon immer eine gute Beziehung zu meinen Brüdern, obwohl ich das einzige Mädchen bin. Ich muss im Haushalt alles machen. Wenn ich mit meinen Eltern streite, beschützen mich meine Brüder, vor allem der ältere. Mein grosser Bruder ist nicht nur mein Bruder, er ist auch mein «Aufpasser», er beschützt mich, verbietet mir aber auch viele Sachen, wie zum Beispiel, in den Ausgang zu gehen. Nur am Wochenende darf ich mit Freundinnen etwas trinken, um acht Uhr oder halb elf Uhr muss ich zu Hause sein, obwohl es erst nach zehn Uhr richtig losgeht. Ich höre es jeden Tag: «Dein Bruder will nur das Beste für dich.» Ich verstehe ihn, man ist nicht mehr so sicher auf der Strasse. Er hilft mir bei den Schularbeiten. Ich kann über alles mit ihm reden, einfach über eines nicht: über Männer. Aber ich finde, das ist auch normal. Am liebsten habe ich, wenn die Leute sagen: «Arberi, du gleichst deinem älterem Bruder», da könnte ich aufspringen vor Freude.
Arberi, 16
Sie benimmt sich, als wäre sie meine Mutter
Ich habe zwei Geschwister, Johanna und Dimitri. Ich finde, es hat viele Vorteile, eine grosse Schwester zu haben. Zum Beispiel hilft sie mir bei den Hausaufgaben oder empfiehlt mir Bücher. Sie kann einem viel Neues zeigen. Aber ich habe auch sehr viel Streit mit ihr. Manchmal bin ich neidisch, wenn sie Sachen bekommt, weil sie schon älter ist. Zum Beispiel einen Fotoapparat. Sie ärgert mich manchmal damit, und das macht mich wütend. Teilweise nerve ich sie auch. Ich streite weniger mit meinem Bruder als mit meiner Schwester. Ich bin stolz, wenn sie etwas von mir cool findet. Früher hatte ich manchmal Angst in der Nacht und durfte in ihrem Zimmer schlafen. Manchmal benimmt sie sich, als wäre sie meine Mutter, und das nervt.
Lena, 11
Ich bin der Liebling meiner Mutter
Ich bin der Kleinste, das heisst, dass ich vor allen Respekt haben muss. Ich bin 16, Orhan 18, Adnan 22, Aferdita 25. Adnan und Aferdita sind schon verheiratet. Ich bin der Liebling meiner Mutter, ich denke, das liegt daran, dass mein Onkel auch Ali hiess. Er ist mit 22 Jahren gestorben, deswegen bekam ich den Namen Ali. Es hat auch Nachteile, wenn man der Kleinste ist. Man hat nie recht. Manchmal habe ich den Verdacht, dass sie das ausnutzen. Das Schöne ist: Wenn es ums Teilen geht, bekomme ich immer mehr ab. Ich bin sehr froh, dass ich in dieser Familie bin, und auch, dass ich diese Geschwister habe, weil sie immer da sind, wenn ich Hilfe brauche.
Ali, 16
Xaver bleibt stur
Ich habe einen Bruder. Er heisst Xaver und ist 2 Jahre älter als ich. Es gibt gute und schlechte Sachen an ihm. Gut ist, dass man nicht alleine ist, wenn man in den Ferien ist, sondern immer jemanden hat. Auch noch gut ist, dass er nicht einfach so in mein Zimmer reinkommt, ohne dass ich es ihm erlaubt habe. Aber es gibt auch schlechte Sachen, und zwar letzte Woche wollte ich fernsehen, weil er schon eine halbe Stunde am Fernsehen war und ich noch nicht. Aber er blieb stur und hat mich nicht rangelassen. Ich fragte meine Mutter, aber die war am Kochen. Darum konnte ich erst nach dem Essen fernsehen. Aber eigentlich ist es nicht so schlimm, einen grossen Bruder zu haben. Am liebsten hätte ich eine kleine Schwester, die nicht nervt.
Flurina, 11
Mein Bruder und ich sind perfekt füreinander
Ich hatte immer die beste Beziehung mit meinem Bruder Kudret, der ein Jahr älter ist. Mein anderer Bruder und meine Schwester sind 19 und 21. Ich und Kudret waren schon von klein an ein Team, alles, was er gemacht hat, habe ich auch gemacht. Egal, was passiert ist und was passieren wird, wir sind ein Herz und eine Seele. Mein Vater war immer stolz auf uns und hat uns verwöhnt, weil wir die Kleinsten sind. Doch jetzt hat sich die Lage verändert. Mein Bruder hat seit sieben Monaten eine Freundin. Jetzt haben wir nicht immer perfekte Momente miteinander, er hat seine Probleme und ich meine, und deswegen nerven wir uns wegen der kleinsten Kleinigkeiten. Doch ich liebe ihn und würde alles für ihn tun. Ich und er sind einfach perfekt miteinander, und ich hoffe, es bleibt so, bis wir sterben!
Medina, 15
Mein Bruder sollte gut schleichen können
Manchmal wünsche ich mir einen Bruder oder eine Schwester, dieser Bruder oder diese Schwester müsste so 9 oder 10 Jahre alt sein, denn dann wäre ich älter und klüger. Ich mag es, ein bisschen älter zu sein. Er oder sie müsste meine Hobbies teilen, nämlich ein Phantasy-Freak und Mittelalter-Lieberhaber sein, oder jedenfalls gut schleichen können. Das Gute daran, ein Einzelkind zu sein, ist, dass man nicht immer alles teilen muss. Und vor allem hat man seine Mutter und seinen Vater immer für sich allein. Das Schlechte daran ist, dass man nicht immer ein Kind zum Spielen hat. Trotzdem bin ich froh, ein Einzelkind zu sein.
Oskar, 11
Wir streiten im Kickbox-Style
Mein Bruder Suji ist der Älteste. Es ist dreiviertel anstrengend mit einem Bruder, der 7 Jahre älter ist. Wir streiten meistens im Kickbox-Style. Am Wochenende geht er fast immer in den Ausgang. Meistens geht er um acht Uhr los und kommt erst um Mitternacht, um ein oder zwei Uhr morgens nach Hause. Er spielt Fussball wie ich, aber er will aufhören, weil er starke Rückenschmerzen hat, und mit Tennis anfangen. Ich habe noch einen anderen Bruder. Er ist in der 10.?Klasse und geht oft in den Ausgang. Er ist sehr sportlich. Er ist sehr nett zu mir, aber auch aggressiv.
Nitharsan, 11
Mein Wunschgeschwister
Ich hätte gerne eine ältere Schwester. Sie sollte witzig und nett sein. Mein Wunschgeschwister dürfte mich nicht herumkommandieren. Sie sollte nicht tussig sein. Ich fände es toll, wenn sie blondes, gewelltes Haar und hellblaue Augen hätte. Wenn sie mit ihren Freundinnen zusammen ist, sollte sie nicht fies zu mir sein. Sie sollte auch Geheimnisse für sich behalten können.
Milena, 10
In der Ukraine war es normal als Einzelkind
Ich habe keine Geschwister, und ich weiss nicht, ob es mit einer Schwester oder einem Bruder besser wäre. Aber ich denke schon, weil mir manchmal langweilig ist. Zu meinen Eltern habe ich eine gute Beziehung. Ob man als Einzelkind verwöhnt ist oder nicht, kann ich nicht genau sagen, aber ich denke, das stimmt schon ein bisschen. Man bekommt mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld. Ich bin in der Ukraine aufgewachsen, dort war es irgendwie normal für mich, ein Einzelkind zu sein. Nur wenige meiner Freunde hatten Geschwister. Aber jetzt in der Schweiz wäre es schön, jemanden zu haben, der in der gleichen Situation ist wie ich.
Igor, 17
In die Limmat werfen!
Ich habe zwei Brüder, Oskar und Basil. Oskar ist 9 Jahre alt und Basil 6. Basil hat schreiben gelernt und ist deswegen superstolz. Oskar hatte letzten Monat einen Unfall mit dem Trottinett und lag danach im Spital, aber zum Glück war es nichts Schlimmes. Manchmal denke ich, es ist schön, dass ich Geschwister habe, auch wenn ich nicht so gut mit ihnen auskomme. Manchmal wäre ich auch gern ein Einzelkind. Aber wenn ich ehrlich bin, könnte ich mir den Alltag ohne Schreien und Streiten gar nicht vorstellen. Ich habe meine Brüder so lieb, wie eine Schwester ihre Brüder lieb hat. Manchmal sage ich, ich hätte gerne noch ein Geschwister, aber dieses Mal ein Mädchen. Wenn es ein Knabe wird, werfe ich ihn in die Limmat!
Olga, 11
Ich kenne meine Halbgeschwister nicht
Ich habe einen Halbbruder und eine Halbschwester. Mit der Halbschwester habe ich nie Kontakt gehabt, weil sie vor meiner Geburt den Kontakt mit meiner gesamten Familie abgebrochen hat. Zu dem Halbbruder habe ich den Kontakt vor 8 Jahren verloren, weil er nicht mehr mit meinem Vater auskam. Beide sind schon über 20 Jahre alt. Meine Halbschwester hat bereits zwei Kinder, die ich aber leider noch nie gesehen habe. Für mich war es erst in den letzten zwei Jahren schwer, ohne Bruder aufzuwachsen, weil mir erst dann bewusst wurde, dass ich einen hätte. Sobald ich ein wenig älter bin, werde ich versuchen, den Kontakt wiederherzustellen.
Kevin, 15
Lena ist 25 Minuten älter
Ich habe zwei Schwestern, eine zwei Jahre ältere und eine Zwillingsschwester. Meine Zwillingsschwester heisst Lena und ist 25 Minuten älter als ich. Wir streiten uns oft, aber wir verstehen uns auch sehr gut. Wie sehen uns nicht ähnlich, bis auf die Haarfarbe. Sie hat eine Brille, blonde Haare, eine Spange und eine etwas spitzige Nase. Ich finde es ein bisschen dumm, dass wir am selben Tag Geburtstag haben. Ich mag sie sehr, aber sie kümmert sich ein bisschen viel um mich. «Zieh das heute nicht an! Mach das nicht! Pass auf!» Das nervt schon. Meine ältere Schwester heisst Johanna, sie ist 14 Jahre alt. Sie hat braune Haare. Johanna gleicht mir überhaupt nicht. Sie ist im Gymnasium. Zurzeit hat sie ziemlich viel Stress wegen der Hausaufgaben, in den Prüfungen ist ihre Durchschnittsnote 5,25. Johanna und Lena streiten sich öfter als ich mit Lena oder Johanna. Ich könnte nicht sagen, wen von den beiden ich lieber habe, denn sie sind beide gleich. Wenn ich zwei Brüder hätte, gäbe es sicher mehr Chaos.
Dimitri, 11
Sarah und Selina
Ich wünsche mir Zwillinge, am liebsten hätte ich zwei Mädchen. Sie sollten vier Jahre alt sein. Sie würden nie mit mir streiten. Aber miteinander manchmal schon. Sie würden Sarah und Selina heissen und wären in der Schule meistens nett. Sie würden auch sehr viel reden. Aber nicht das Zimmer mit mir teilen. Sie hätten am 8. November 2004 Geburtstag.
Joana, 10
Manchmal nervt Sophie
Meine Schwester heisst Sophie und ist 13 Jahre alt. Sie spielt Fussball im Club. Sophie ist mein einziges Geschwister. Zu Hause hat jeder ein Zimmer. Sophie geht ins Gymnasium. Sophie hat blonde Haare. Manchmal nervt sie. Sie ist zweieinhalb Jahre älter als ich. Wenn es mir langweilig ist, spielt sie meistens ein Spiel mit mir, und das ist der Vorteil, wenn man kein Einzelkind ist. Wenn wir einen Ausflug machen zum Beispiel, macht es viel mehr Spass, wenn Sophie auch mitkommt.
Max, 10
Ich bin dankbar
Ich habe drei Geschwister, alle sind älter als ich, aber sie sind nett. Mein Bruder ist neun Jahre älter, meine Schwester zehn Jahre und meine andere Schwester zwölf Jahre älter. Ich bin froh, dass ich der kleinste und der jüngste bin. Ich bin meinem Bruder sehr dankbar, dass er mir bei jeder Sache in der Schule und auch sonst überall hilft. Aber auch die Schwestern haben mir geholfen. Sie haben mich immer zuerst in die Schule gebracht und sind dann selbst zur Arbeit gegangen.
Endrit, 11
Hahn im Korb
Ich habe drei Schwestern.
Hauptname: Melina Alter: 8 Jahre Charakter: nervig, aber auch nett Haarfarbe: orange-braun Augenfarbe: blau Hobby: Theaterspielen
Hauptname: Symi Alter: 5 Jahre Charakter: ungeduldig, fröhlich Haarfarbe: blond Augenfarbe: braun
Hauptname: Thalia Alter: 0 Jahre Charakter: mürrisch und Engelchen Haarfarbe: schwarz Augenfarbe: blau Hobbies: Trinken, Schlafen, Stuhlen
Ich bin froh, dass ich kein Einzelkind bin. Ich werde viel als «Hahn im Korb» bezeichnet. Ich finde es lustig, wenn meine Schwester mir fuchsteufelswild hinterherrennt. Und es ist schön, das Baby zu halten.
Alexis, 11
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