NZZ Folio 05/96 - Thema: Entführt!   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Übers Klopfen von Teppichen und Kindern

Von Joni Müller

DIE DROHUNG, «wenn du um acht nicht zu Hause bist, gibt's mit dem Teppichklopfer», ist kaum mehr gängige Erziehungspraxis. Sie würde nur schon deshalb ihren Zweck verfehlen, weil Kinder ohne profunde historische Kenntnisse heute gar nicht mehr wissen, was ein Teppichklopfer ist, und erst recht nicht, wie er tut. Dies ist gut so, und es wäre falsch, dem Teppichklopfer auch nur eine einzige Träne nachzuweinen.

Schwierig zu beantworten ist die Frage, ob der Teppichklopfer Opfer der antiautoritären Erziehung oder des Staubsaugers geworden ist. Jedenfalls fällt sein Niedergang zusammen mit dem Siegeszug des Staubsaugers, welcher damals fast gleichviel Staub aufgewirbelt hat wie das Buch über Summerhill. Denn bei den Geräten der Frühzeit hielten sich saugen und blasen ungefähr die Waage, weshalb «Staubzirkulator» der treffendere Name gewesen wäre.

Ob sich die Spannteppiche so breit machen konnten, weil's den Staubsauger gab, oder ob des Staubsaugers Erfolg auf dem Boden des Spannteppichs gewachsen ist, ist eine in Fachkreisen noch nicht beantwortete Streitfrage. Gesichert ist nur, dass der Teppichklopfer spätestens Mitte der siebziger Jahre ausgedient hatte. Geblieben ist jedoch mancherorts die Teppichklopfstange, über welche früher die Teppiche zur ruppigen Reinigung geworfen wurden. Sie heisst heute Turnstange und ist auch zum Aufhängen von Schaukeln geeignet.

Ab und zu taucht der Teppichklopfer noch in Witzzeichnungen auf. In jenen biederen nämlich, wo auch das Wallholz beliebte Waffe der Frau ist. Am allmählichen Verschwinden von diesem ist jedoch weder die Emanzipation noch der Staubsauger schuld, sondern einzig der gebrauchsfertig ausgewallte Teig als solcher. (jm.)


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