Die Hochzeit. Noch im späten Mittelalter wurde bei weitem nicht zu jeder Hochzeit geheiratet. Denn unter «Hochzeit» verstand man eine hohe, festliche Zeit und somit vor allem ein geistliches Fest. Die vier Hochzeiten des Jahres waren Ostern, Pfingsten, Allerheiligen und Weihnachten. Erst im Laufe der Zeit verengte sich die Bedeutung des Wortes zur heutigen, und wer heute Hochzeit sagt, meint immer eine Vermählungsfeier. Es sei denn, er sei Setzer alter Schule, denn in dieser bald ausgestorbenen Gilde verstand man unter «Hochzeit» auch ein doppelt gesetztes Wort.
Hochzeiten sind meistens teuer und selten lustig, beides aus demselben Grund: wegen der beiden Verwandtschaften, die in auf- und absteigender Linie möglichst vollzählig eingeladen, verpflegt und unterhalten werden wollen und müssen. Die präsenile Grosstante Hedwig und der postpubertierende Enkel Kevin am gleichen Fest, das kann in den seltensten Fällen sehr heiter werden. In schierer Verzweiflung bleibt alleingeladenen Hochzeitsgästen nicht viel anderes übrig, als sich mit gleichaltrigen und -gesinnten aber nicht unbedingt -geschlechtlichen zusammenzutun. Was der Volksmund mit der Weisheit kommentiert «Es ist keine Hochzeit ausgericht't, wo nicht eine zweite ward ausgedicht't.» Selbstverständlich gab's genau dieses Phänomen auch bei den alten Römern schon, doch ihre Version tönt etwas intellektueller: «Nuptiae nuptiarum sunt occasiones.»
Billiger zu stehen als ein grosses Fest samt Kirche, Kutschenfahrt, Gelage, Zauberkünstler und Tanzkapelle kommt eine «stille Hochzeit», das heisst eine im engsten Familienkreise. Und fast gratis ist eine «blinde Hochzeit», worunter man im letzten Jahrhundert eine Heirat armer Leute ohne jegliche Feier verstand.
Neben der grünen Hochzeit, die gerne als der schönste Tag im Leben bezeichnet, aber selten so erlebt wird, gibt es auch noch weitere Hochzeiten aus den verschiedensten Materialien. Die papierne wird nach einem Jahr gefeiert, die kupferne nach sieben, die hölzerne nach zehn Jahren. Dann wird's zunehmend edler mit der silbernen nach 25, der goldenen nach 50 und der diamantenen Hochzeit nach 60 gemeinsamen Ehejahren. Nur sehr wenigen ist es vergönnt, nach 65 Jahren das Fest der eisernen Hochzeit zu feiern, und für die steinerne nach 70 muss man wirklich steinalt werden.
Schwierig vorauszusehen ist selbst für versierte Statistiker und Prognostiker beispielsweise die Häufigkeit diamantener Hochzeiten am Ende des zweiten Drittels des nächsten Jahrhunderts. Denn diese wird beeinflusst von teils gegenläufigen Tendenzen. Steht sie doch im brisanten Spannungsfeld zwischen steigender Lebenserwartung, steigendem Heiratsalter und steigender Scheidungsrate. Ganz zu schweigen von all den vielen Faktoren, die diese drei Grössen wechselseitig prägen.
Der Brautschleier. Der Brautschleier dient heute fast nur noch als Schmuck und als Merkmal, welches die Braut von den anderen weiblichen Hochzeitsgästen unterscheidet. Zusammen natürlich mit dem weissen Kleid, welches eigentlich die Jungfräulichkeit der Braut symbolisiert, aber wirklich nur eigentlich. Früher wurde der Brautschleier am Schluss der Hochzeitsfeier zerrissen und unter die Gäste geworfen. Wenn ein Mädchen einen Teil des Schleiers auffing, so verhiess dies, dass es noch im gleichen Jahr heiraten würde. Den letzten Tanz vor dem Verteilen des Brautschleiers bezeichnete man als «abtanzen»; ein Ausdruck, der heute fast nur noch von Ravern an ihren lärmigen Parties gebraucht wird.
Doch solchem Hochzeitsbrauchtum geht's hierzulande heutzutage wie fast aller Folklore ziemlich übel, ja es liegt fast schon in den letzten Zügen. Obwohl kaum ein anderes Ereignis früher so tief und vielfältig eingebettet war in ein breites Spektrum von zum Teil sehr eigenartigen Sitten und Gebräuchen. Manche sollten der Fruchtbarkeit des jungen Paares förderlich sein, andere böse Geister vertreiben, und viele waren blosser Ulk. Ein paar läppische Spielchen und einige dumme Streiche, zu denen das gestresste Brautpaar obendrein noch gute Miene machen muss, bilden heute die kümmerlichen Reste einer jahrhundertealten Volkskultur.
Selbstverständlich trägt daran einmal mehr das Fernsehen im allgemeinen und Linda de Mol im speziellen die Hauptschuld. Denn mit ihrer überaus beliebten und trotzdem abgesetzten Sendung «Traumhochzeit» hat sie dem deutschsprachigen Publikum jahrelang vorgegaukelt, zur Hochzeit gehöre erstens ein einfältiges Ratespiel, zweitens Minigolfspielen um einen Roller der Marke «Aprilia» und drittens ein Dutzend weisser Tauben, das hektisch flatternd auf die geschätzten Gäste defäkiert.
In alter Zeit waren die Hochzeitsscherze noch lustiger oder zumindest deftiger. Da gab's beispielsweise den Brautteller, eine glasierte Präsentationsplatte, auf welcher man der Braut Geschenke anbot. Wenn sie die Präsente nahm, legte sie damit ein obszönes Bild frei und einen ebensolchen Spruch. «Lass das Greifen oben sein, führe lieber unten ein», konnte sie dann etwa lesen, oder: «O Jammer, bist schon schwanger.»
Entsprechend funktionierte auch der Brautbecher, der mit Rotwein gefüllt und von der Braut ausgetrunken wurde. Hier kam ein Knabe mit erigiertem Penis zum Vorschein, der «Hänschen im Keller» genannt wurde. Möglicherweise wären manche, die den Niedergang des Brauchtums wortreich beklagen, gar nicht so begeistert, wenn davon viel mehr als der Brautschleier bis in unsere Zeit erhalten geblieben wäre.
Der und die Heirat. Die Heirat ist ein schwieriges Kapitel, nicht zuletzt auch in etymologischer Hinsicht. Stärker als bei Ehe oder Hochzeit schwingt noch heute die Bedeutung «einen Hausstand gründen» mit, und dies mit gutem Grund, denn Heirat hiess ursprünglich auch «Hausbesorgung».
Der einfachere Teil des Wortes Heirat ist der zweite, den wir auch vom Hausrat, vom Vorrat und vom Unrat her kennen. Lauter ursprüngliche Komposita, deren «-rat» zwar mit jenem des Stadt- und Bundesrates durchaus verwandt und verschwägert ist. Aber recht weitläufig, weshalb hier darauf nicht näher eingegangen sei.
Eine der verschiedenen alten Bedeutungen von «Rat» war etwa «der Gesamtbedarf an Nahrung, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Dingen». Für Ähnliches steht «-rat» auch in den erwähnten unpolitischen Wörtern. Sie alle sind männlich, weshalb es nicht verwundert, dass Martin Luther auch für Heirat noch durchwegs die maskuline Form verwendet, die bis ins 17. Jahrhundert und sogar noch später durchaus üblich war.
Schwieriger und auch etwas heikler ist der erste Teil des Wortes Heirat. Er lässt sich zurückführen auf «geheien» oder «keien», das in der Hochsprache zwar verschwunden, in der Schweizer Mundart jedoch noch sehr lebendig ist, wenn auch mit weitgehend geänderter Bedeutung. Im «Deutschen Wörterbuch» der Brüder Grimm, das keine Märchen erzählt, sondern sprachwissenschaftliche Fakten, finden sich etwa zehn Spalten zum Wort «geheien», das eindeutig zweideutige Bedeutung hat. Sie gehören zum Interessantesten, was man über Sprachwandel lesen kann, und machen erst noch Spass. Lustig zu lesen auch, wie die Autoren schwanken zwischen Abscheu und Faszination über «ein altes wort mit überaus merkwürdiger geschichte, (mit) bedeutungen, die, so weit sie zum theil aus einander liegen, sich an dem faden des einen wortes und begriffes aufgereiht haben, theilweis unerquicklich bis ins ekelhaft abscheuliche, aber tief eingewachsen in die sprache, und auch wieder zum harmlosen zurückgekehrt.»
Wie ja «Heirat» zum Beispiel zeigt. Das Wort, «das von haus aus durchaus rein» gewesen sei, basiert auf einer erschlossenen indogermanischen Wurzel «kei-» (=liegen), lautete althochdeutsch «kehigan» und hiess koitieren bzw. neuhochdeutsch «bumsen» oder «vögeln». Die Grimms betonen allerdings: «Jener sinn war nicht das ursprüngliche, nicht die hauptsache, erst die folge, wie bei gatten.» Näheres dazu siehe dort.
Die Hochzeitsnacht. Erstaunlicherweise ist «Hochzeitsnacht» ein sehr neues Wort, neuer beispielsweise als «Dampfschiff», «Eisenbahnnetz» oder «Lustmord» und erst in unserem Jahrhundert belegt. Zuvor war ausschliesslich der Ausdruck «Brautnacht» gebräuchlich, der allerdings nicht unbedingt genau das gleiche meinte. Denn Brautnacht heisst die Nacht, in der die Ehe vollzogen wird, und die muss keineswegs dem Hochzeitstag folgen. In gewissen Regionen Deutschlands hat der Volksglaube sogar den Beischlaf in der Hochzeitsnacht verboten, weil er als zu gefährlich galt. Dieser Glaube geht zurück auf das Buch Tobias, in dem der böse Geist Asmodi die Männer in der Hochzeitsnacht tötet; drum wurden solche enthaltsamen Nächte Tobiasnächte genannt. Im Mittelalter schliefen Brautführer und Brautjungfern mancherorts die ersten drei Nächte im gleichen Bett mit dem Brautpaar, um das Schlimmste zu verhindern. Ein heutzutage ziemlich unüblicher Brauch, doch auch ohne dies wird die Hochzeitsnacht oft nicht ganz so fröhlich, wie männiglich meint. Etwa dann, wenn Scherzbolde das Schlafzimmer zugenagelt, ausgeräumt oder bis unter die Decke mit Hobelspänen aufgefüllt haben.
Die Ehe. Das Wort «Ehe» geht zurück auf das altdeutsche «ewa», was nichts mit der Stammutter Eva zu tun hat, sondern ein ewig geltendes Gesetz bezeichnete und sowohl lautlich als auch inhaltlich ans lateinische «aevum» (Ewigkeit) erinnert.
Im engeren heutigen Sinne wurde das Wort erstmals etwa ums Jahr 1000 von einem St. Galler verwendet. Nämlich von Notker Labeo, dem Leiter der dortigen Klosterschule, an den heute noch eine Haltestelle des Trognerbähnlis namens Notkersegg erinnert.
Diese Bedeutung setzte sich mehr und mehr durch und verdrängte die ursprüngliche, wobei man unter «Ehe» eher den Bund vor Gott, den geheiligten Stand verstand oder zumindest den Bund fürs Leben. Der weltliche und weitaus volkstümlichere Begriff blieb weiterhin «der Heirat». Etwas weniger heilig und ebenfalls ziemlich weltlich wird die Ehe in der Wendung «die Ehe vollziehen». Sie ist einerseits ein Euphemismus und geht andererseits zurück auf das germanische Recht, nach welchem nicht die Trauung, sondern der erste Beischlaf der Brautleute die Legalisierung der Heirat darstellte.
Der Gatte und die Gattin. Als «Gatte» wurde ursprünglich nicht nur der Ehemann, sondern auch die Ehefrau bezeichnet, «Gattin» ist eine jüngere Form, und der Plural «die Gatten» meint heute noch Mann und Frau zusammen. Im Mittelhochdeutschen hatte «gaten» die Bedeutung «genau zusammenpassen», «sich ineinanderfügen» und «vereinigen», und zwar sowohl im abstrakteren als auch im durchaus konkreten bzw. unanständigen Sinne. Das Wort «gat» meinte eine Öffnung, ein Loch oder eine Höhle, was an das englische «gate» erinnert, das wie unser Tor sowohl die Öffnung als auch deren Verschluss bezeichnet.
Weniger anstössig und trotzdem interessant ist die Herkunft des Wortes «Gemahl» das einstmals ebenfalls für beide Geschlechter galt. «Mahal» hiess der Versammlungsort, sozusagen das germanische Pendent zum Forum und zur Kurie. Verhandelt und versprochen wurde dort auch die Vermählung. Wer heute von seiner Gemahlin spricht oder von seinem Gemahl, ist entweder altmodisch, seltsam oder ironisch. «Meine Frau» oder «mein Mann» sind die üblichen Bezeichnungen für den Ehepartner, oft sogar reduziert auf das substantivierte Possessivpronomen. «Meine» und «Meiner» ist oft zu hören, aber in gebildeteren Kreisen doch eher verpönt.
Wird «meine» durch den bestimmten Artikel ersetzt, so heisst dies in der Schweiz kurz und bündig und ziemlich rüde «Pfrau». Am dringendsten jedoch ist abzuraten von mehr oder weniger spassigen Umschreibungen wie «die bessere Hälfte» oder «die Regierung». Schlimmer als solches sind höchstens noch Bezeichnungen wie «Lebenspartner» oder gar «Lebensabschnittspartner» (Lap). Ihre Verwendung ist ein Trennungsgrund und das Streben nach ihrer Vermeidung einer der guten Gründe zum Heiraten.
Die Schwiegermutter. Grundsätzlich und wertfrei betrachtet, gibt es zwei verschiedene Arten von Schwiegermüttern: die Mutter der Gattin in ihrem Verhältnis zum Mann einerseits und die Mutter des Gatten in Beziehung zur Frau andererseits. Von weiblichen und männlichen Schwiegermüttern zu reden brächte nur scheinbar Klarheit und zudem Streit. Und wer wollte sich schon mit den Schwiegermüttern anlegen. Für beide wird also der gleiche Ausdruck verwendet, und beide sind ungefähr gleich unbeliebt. Das war schon immer so, auch damals, als noch die ursprüngliche und heute veraltete Form «die Schwieger» ohne angehängte «Mutter» üblich war.
Das zeigen wenig schmeichelhafte Sprichwörter wie etwa folgende: «Die best Schwieger ist, die einen grünen Rock anhat» (also unter dem Gras liegt). Dieselbe Aussage gibt's in manchen Varianten, noch etwas weniger charmant ausgedrückt beispielsweise in folgender: «Schwieger und Schweinsbraten sind kalt gut.» Dass meistens und vor allem die Schwiegermutter der Frau gemeint war, lässt sich ablesen an Sprüchen wie «Die Schwieger denkt zu keiner Frist, dass sie Schnur gewesen ist.» Was es mit der Schnur auf sich hat, ist im Kapitel zur Schwiegertochter nachzulesen.
Besonders in bäuerlichen Verhältnissen, wo die junge Frau des Sohnes auf dessen Hof zog und von ihrer Schwiegermutter -Tigermutter - oft übel kujoniert wurde, haben solche Redensarten sicher zumindest teilweise ihren realen und eher traurigen Hintergrund.
Auch heute noch ist die Schwiegermutter eine gern, oft und mit bleibendem Erfolg bemühte Witzfigur. Kaum ein Marktschreier, der seinen Gemüsehobel, seine Saftpresse oder sein Fleckenwundermittel ohne Seitenhieb auf sie an den Mann und an die Frau bringt. Und kaum ein Carchauffeur, der seine Hochzeitsgesellschaft auf der Fahrt von der Kirche in den Landgasthof nicht mit mehr oder weniger anzüglichen Schwiegermutterwitzen erheitert. In solchen Fällen ist's oft auch der Mann, der sich über den allzu häufigen Besuch der Schwiegermutter aufregt. Weil er ja schliesslich, wie man weiss, immer nur das eine will und sie ihm nicht zuletzt dabei im Wege ist. Aber auch, weil sie Partei ergreift im immerwährenden gnadenlosen Geschlechterkampf und sich natürlich mit ihrer Tochter solidarisiert. Woraus sich dann Scherzfragen ergeben wie die folgende: «Was ist flüssiger als Wasser? - Die Schwiegermutter; die ist überflüssig.» Nicht besonders lustig zwar, aber besonders typisch.
Der Schwiegervater. Über den Schwiegervater und über seinen Vorgänger, den Schwäher, gibt es nicht viel zu berichten. Er sorgt weder für Eintracht noch für Zwietracht und kommt deshalb in Sprichwörtern, Redensarten und Witzen so gut wie gar nicht vor. Auch ihn gibt es natürlich in zwei Varianten, als Mannes- und als Frauenvater, deren Rollen sich früher vor allem im Ausmass der finanziellen Verpflichtungen für die Hochzeitsfeier unterschieden. Meist wurde der Brautvater eindringlicher zur Kasse gebeten, doch solche Usanzen verwischen sich heute immer mehr. Was geblieben ist und in keiner Hochzeitsrede fehlen darf, ist die Wendung «Tochter verloren, Sohn gewonnen» samt launigen Abwandlungen.
Die Schwiegertochter. Das ursprüngliche Wort für Schwiegertochter hiess «Schnur» und ist heute veraltet. Es wird höchstens noch in gewissen Sprichwörtern und Mundarten verwendet und wäre wohl schon viel früher verschwunden, wenn es Luther nicht in seiner Bibelübersetzung verwendet hätte. Ähnliches gilt übrigens für den Eidam, den Vorgänger des Tochtermanns bzw. des Schwiegersohns. Anders als der Schnur begegnen wir dem Eidam heute wenigstens noch hie und da in Kreuzworträtseln, wo er sich beispielsweise als senkrechter alter Schwiegersohn zum waagrechten Aufgussgetränk mit drei Buchstaben bewährt.
Die Schnur im Sinne von Schwiegertochter geht übrigens auf die genau gleichen Wurzeln zurück wie die Schnur zum Binden. Der Ausdruck war ursprünglich wohl eine Metapher, welche die Schwiegertochter als das Band auffasste, welches die beiden Sippen der Ehepartner miteinander verbindet.
Der Heiratsschwindler. Der Heiratsschwindler ist eine der immer seltener werdenden Personenbezeichnungen, die man ohne gleichzeitige Nennung des weiblichen Pendants verwenden darf. Dies ist nach übereinstimmender Ansicht der meisten Experten und Expertinnen durchaus politisch korrekt, wie man ja etwa auch nicht zwingend immer von Halsabschneidern und Halsabschneiderinnen sprechen muss bzw. von Halsabschneidenden. Die Frauen sind in solchen und ähnlichen Fällen mitgemeint und sogar damit einverstanden.
Anders als der Gigolo geht der Heiratsschwindler aufs Ganze, vor allem aufs ganze Geld. In den letzten Jahren ist es um ihn zwar etwas ruhiger geworden, was jedoch keineswegs zum Schluss verleiten sollte, dass nicht auch heute noch geheiratsschwindelt würde. Vorsicht ist also weiterhin am Platz, von Entwarnung kann leider noch keine Rede sein.
Das Ja-Wort. Das Ja-Wort ist eigentlich gar nicht das Wort «Ja», mit dem Braut und Bräutigam dem Standesbeamten oder dem Pfarrer auf seine nicht ganz unerwartete Frage mit mehr oder weniger belegter Stimme antworten. Vielmehr meint es die Einwilligung der Braut, überhaupt Braut zu werden, und wird nicht etwa gesprochen, sondern gegeben, wie jedes andere Einverständnis auch. Heute jedoch, wo Männer sogar stricken, backen und sich spüren können, können sie auch Ja-Wörter geben. Deshalb stört sich fast niemand daran, wenn in aparter Schwülstigkeit geschrieben wird: Martin und Claudia haben sich in der berühmten dreischiffigen Rundpfeilerbasilika von Romainmôtier das Jawort gegeben.
Der Ehebruch. Von Ehebruch, Ehebrechern und Ehebrecherinnen ist in der Bibel mehr als 50mal die Rede; am bekanntesten ist sicher die Stelle, wo er erstmals erwähnt und gleichzeitig verboten wird. Richtig geraten, 2.Mose 20, 14. Sogar im Strafgesetzbuch war der Ehebruch bis vor ganz kurzem noch anzutreffen, wo er unter Art. 214 ein eher anachronistisches Dasein fristete.
Die Scheidung. Die Scheidung ist das Gegenteil der Hochzeit und wird anders als diese weder in der Kirche noch auf dem Standesamt vollzogen, sondern vor Gericht.
Joni Müller, Journalist, lebt in Zürich.