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NZZ Folio 01/98 - Thema: Der Boss   Inhaltsverzeichnis

E-Mail -- Wehe, wenn Setup upset ist: die Rache ist sein!

Von Franz Zauner

DAS WICHTIGSTE PROGRAMM aller Zeiten? Setup natürlich. Setup ist die Mutter jeder Installation, der Ursprung. Setup macht, dass die Bytes eines neuen Programms sicher auf die Festplatte kommen. Es hilft den tausendfüsslerischen Versammlungen der schwarzen Käfer, die man integrierte Schaltkreise nennt, im Gehäuse heimisch zu werden. Ohne Setup wären Computer unbewohnbare Siliziumklumpen, tot und kalt. Trotzdem zählt es zu den Programmen, die nie besprochen werden.

Dabei ist Setup voll geheimnisvoller Features. Schon sein Name klingt, als wär's ein vergessener Pharao aus irgendeiner dunklen altägyptischen Dynastie. Um nichts weniger rätselhaft ist Setups Walten. Es spricht von sich immer in der dritten Person: «Setup konnte Zieldatei in c:\temp nicht finden.» Im Zorn versteigt sich Setup zu Sätzen, die wie Flüche klingen: «Setup fehlgeschlagen =-8.» Mitunter kündet Setup von unaussprechlichen Leiden: «Setup: Rundll-Error.»

Spätestens dann ist Setup gekränkt, und nur ein Opfer kann es wieder versöhnen. Am liebsten frisst Setup Zeit. Keiner, der je fortging, um schnell einen SCSI-Controller, einen Secondary Slave oder ein Motherboard zu installieren, ist so bald wieder zurückgekehrt. Zwar gibt es «Plug and Play», aber das ist eine Jenseitsvorstellung. Im Diesseits heisst es: «Plug and Pray». Die digitalen Geister - Betriebssystem, Hardware, Treiber und natürlich Setup - lassen sich nicht so einfach zähmen. Aufwühlende Leidensgeschichten in den Fachzeitschriften beweisen, dass sich am Schema «Schraubenzieher! - Zange! - Hilfe!» wenig geändert hat.

Im Internet kann die Gemeinde wenigstens zusammenstehen, wenn Setup wegen einer fehlenden Datei - «Setup: vkl041gr.dll not found» - wieder einmal böse wird. Ein Mausklick, und die Datei ist da. Auch ist man bei Software, die aus dem Netz kommt, nicht länger gezwungen, einen erklecklichen Teil seines Lebens damit zu verbringen, Setup eilfertig mit 36 Installationsdisketten zu dienen. Doch Setup, einmal vernetzt, schlägt zurück. Ehe man sich's versieht, hat es eine Datenpyramide aus 1445 Files in 812 Directories errichtet und ist auch schon dabei ertappt worden, bei der Gelegenheit Festplatten zu plündern wie Grabkammern und aparte Informationen an sinistre Hintermänner weiterzuleiten. Bei Setup ist eben nichts klar, ausser dass es Rätsel aufgibt. Wahrscheinlich ist Setup eine Sphinx.


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