NZZ Folio 02/00 - Thema: Im Netz   Inhaltsverzeichnis

Zum Thema -- Seid umschlungen

Von Daniel Weber

Angefangen hat es mit vier Rechnern. Sie wurden im Oktober 1969 in den USA über Telefonleitungen zu einem Netzlein verbunden, das man Arpanet nannte und das ausser ein paar Militärs und ein paar Forscher niemanden sonderlich interessierte. Aus dem Arpanet entwickelte sich mit der Zeit das grenzüberschreitende Internet, aber erst 1992, als Tim Berners-Lee am Cern in Genf das World Wide Web erfand, begann der weltumspannende Siegeszug des Netzes aller Netze. 1993 gab es 100 Websites, 1996 einige hunderttausend, 1999 Hunderte von Millionen.

Weder Telefon, Radio, Fernsehen noch der PC haben sich auch nur annähernd so schnell verbreitet wie das Internet. Und alles, was mit dem Internet zu tun hat, wächst munter weiter: die Zahl der Nutzer und der Anbieter; die Leitungskapazität und die Datenmenge; der Umsatz von E-Commerce und der Marktwert von Internetunternehmen; und natürlich auch die Menge des Unsinns, der durch den Cyberspace geistert.

Diese stürmische Entwicklung lässt die Optimisten in Jubel ausbrechen und die Pessimisten in Wehklagen. Von Gleichberechtigung und Harmonie im globalen Dorf schwärmen die einen, vor Wirklichkeitsverlust und Vereinsamung in einer simulierten Welt warnen die andern. Aber nicht das Internet erobert die Welt; die Welt erobert das Internet. Nüchtern betrachtet, verdanken wir dem Netz Errungenschaften, die niemand missen möchte: leichten Zugang zu Information und ungeahnte Möglichkeiten der Kommunikation beispielsweise. Es beschert uns jedoch auch Probleme, deren Ausmass sich erst abzeichnet. Eines der gravierendsten ist die Verletzung der Privatsphäre: Im Netz ist man Datenjägern ausgeliefert, von denen man nichts ahnt.

Von beidem berichtet dieses Heft. Es dokumentiert ein Stück Alltag der Generation @ - einer Generation, zu der Männer wie Frauen gehören, Jugendliche und Senioren, gut und weniger gut Ausgebildete. Zur Generation @ gehören stündlich mehr Menschen, die dafür sorgen, dass das Netz nicht länger Verheissung oder Bedrohung bleibt, sondern zur Selbstverständlichkeit wird. Noch ist es richtig, zu sagen: Seid umschlungen, Millionen. In zehn Jahren werden wir Surferinnen und Surfer eine Milliarde sein.




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