NZZ Folio 11/09 - Thema: Family Business   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Eigentum verpflichtet

© Museum Langmatt, Stiftung Lang...
Heinrich Sulzer-Steiner (mit weissem Backenbart) im Kreise seiner Familie. Linktext
Familienunternehmen meistern die Krise besser als andere Firmen. Die traditionellen Werte, die sie vertreten, sind wieder gefragt.

Von Andreas Heller

Auch Familienunternehmen leiden unter der Krise, manche, wie der deutsche Automobilzulieferer Schaeffler, sind gar in eine bedrohliche Schieflage geraten. Die überwiegende Zahl der Firmen, die von ihren Eigentümern gelenkt werden, schlagen sich in der globalen Rezession aber ganz wacker. Ohne in Panik zu geraten, passen sie sich den Verhältnissen an, und dank den in guten Jahren angehäuften Finanzpolstern sind die meisten in der Lage, auch heftigere Einbrüche abzufedern. Familienunternehmen, in der Schweiz immer noch 88 Prozent aller Betriebe, sind das Fundament der Wirtschaft. Sie lassen sich nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Und sie werden letztlich auch dafür besorgt sein, dass es irgendwann mit der Konjunktur wieder aufwärtsgehen wird.

«Familienunternehmen sind en vogue», sagt Thomas Zellweger, Direktor des Center of Family Business an der Universität St. Gallen. «Sie gelten als verlässlich, sie denken langfristig und haben in der Regel eine solide Ertrags- und Kapitalbasis.» Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie des Vermögensverwalters Barclay Wealth. Mit ihrer Stabilität und ihrer starken Identität seien Familienunternehmen in der Krise robuster als börsenkotierte Firmen, heisst es da.

Klassische Familienunternehmen sind das Gegenstück zur anonymen Gilde der Finanzinvestoren, Private-Equity- und Hedge-Fund-Manager, die mit fremdem Geld spekulieren und meist nur auf schnellen Profit aus sind. Familien­unternehmen denken nicht nur an den Shareholder-Value. Für sie ist Eigentum noch Verpflichtung. Sie sind am Ort ihrer Tätigkeit verwurzelt, mit der lokalen Gemeinschaft verbunden als Arbeitgeber, Lieferant, Kunde. Dementsprechend können sie sich nicht so leicht aus der Verantwortung stehlen.

In diesem Heft porträtieren wir Familienunternehmen, vom alteingesessenen Industriellenclan bis zum kleinen Lädeli um die Ecke. Nicht alle sind gleich erfolgreich. Aber was sie verbindet, sind gemeinsame Werte wie Traditionsbewusstheit und Gemeinsinn – ja sogar Bescheidenheit. Was bis vor kurzem in der ­Managementlehre als antiquiert verpönt war, gilt plötzlich wieder als Tugend.

Andreas Heller ist NZZ-Folio-Redaktor.


Leserbriefe:

Zu Editorial -- Eigentum verpflichtet - NZZ-Folio Family Business (11/09)

Sehr aufmerksam habe ich diese Nummer gelesen. Weil ich nun selbst seit über 30 Jahren mein Theaterunternehmen als Familienunternehmen führe und leite. Ich freute ich mich sehr über die sensiblen Betrachtungen und die Würdigungen der immensen gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung von Familienunternehmen. Sie sind der Humus einer Wirtschaftskultur und darüber hinaus sind sie meistens der Garant für nachhaltige Werte, die gepflegt und weitergereicht werden. Die Besinnung auf diese grosse Kultur ist sehr lobenswert und wichtig und zeigt, dass hinter diesen Unternehmerinnen und Unternehmern viel mehr als Gewinnsucht steht; sie ist auch eine Kultur der verantwortungsvolllen Wertschöpfung von Gütern und ein Hort der intelligenten Forschung und Entwicklung.Sie ist im tiefsten Sinne eine menschliche Kultur mit all ihren Hochs und Tiefs und spiegelt den Untergrund des Zustandes einer sozialen Gemeinschaft mit einer grosser Verantwortungsbereitschaft. Der Staat muss grosse Sorge zu dieser Kultur tragen, sie ist Mitgarant für demokratische Freiheiten und Pflichten. Man müsste öfter darüber schreiben und daran erinnern, wie wichtig der Stellenwert dieser Unternehmungskultur ist.
Federico Emanuel Pfaffen, Theaterunternehmer




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