NZZ Folio 02/00 - Thema: Im Netz   Inhaltsverzeichnis

Zahlen bitte -- Die kalendarische Ausnahme von der Ausnahme

Von Herbert Cerutti

DAS ENDLOSE THEATER um den Millenniumswechsel hat eine andere Kalendermarotte in den Hintergrund gedrängt: Das Jahr 2000 ist ein Schaltjahr. Bei jeder Jahreszahl, die sich ohne Rest durch vier teilen lässt, wird der 29. Februar eingeschoben. Wenn die Jahreszahl gleichzeitig ein voller Hunderter ist, tritt diese Regel jedoch ausser Kraft. Das Jahr 2000 dürfte also kein Schaltjahr sein -, wäre da nicht Regel Nummer drei, nach der Jahre mit Jahreszahlen, die sich durch 400 teilen lassen, wieder zu Schaltjahren werden. Warum so kompliziert?

Die Himmelsmechanik kümmert sich nicht um unseren Wunsch nach mathematischer Einfachheit. Es gibt Tag und Nacht, weil sich die Erde um ihre Achse dreht. Und die Jahreszeiten, weil die Erde eine Rundtour um die Sonne macht. Da Erdumdrehung und Sonnenumrundung aber zwei eigenständige, voneinander unabhängige Rotationen sind, wäre es ein grosser Zufall, wenn nach exakt einem astronomischen Jahr auch eine volle Anzahl Erdrotationen stattgefunden hätte. Tatsächlich dauert ein Jahr (von Frühlingsbeginn zu Frühlingsbeginn) 365,2422 Erdentage. Nach vier Jahren eilt unser Kalender also dem Sonnenjahr um 0,9688 Tage voraus. Der Schalttag kompensiert nun diesen Vorsprung - allerdings um 0,0312 Tage zuviel. So ergäbe sich nach vierhundert Jahren oder hundert Schalttagen ein Kalenderfehler von 3,12 Tagen. Indem man in allen Hunderterjahren mit Ausnahme der Vierhunderter den Schalttag auslässt, lässt sich der Kalender nun (fast) ins Lot bringen.

Der Ungleichtakt von Tag und Jahr hat bereits Julius Cäsar gestört; mit der Einführung eines Schalttages alle vier Jahre sanierte er den chaotisch gewordenen 365-Tage-Kalender der Ägypter. Da die Julianischen Jahre mit ihren 365,25 Tagen aber zu lang waren, hinkte der Kalender im späten Mittelalter den wahren Jahreszeiten schliesslich um 10 Tage hinterher. Mit Hilfe einer internationalen Kommission von Mathematikern und Astronomen rückte Papst Gregor XIII. die Sache zurecht: Er liess auf den 4. Oktober 1582 direkt den 15. Oktober folgen und schuf mit dem Schaltjahrzyklus von 400 Jahren längerfristig Ordnung. Es bleibt künftigen Kaisern oder Päpsten überlassen, in etwa 3000 Jahren jenen Tag zu stiften, der wegen des Gregorianischen Mankos von 0,12 Tagen pro 400 Jahre fehlen wird.


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