NZZ Folio 09/93 - Thema: Arbeit   Inhaltsverzeichnis

Patent angemeldet -- The Sound of Music oder Eine kleine Nachtmusik

Von Daniel Weber

DASS NICHT NUR VÖGEL und Menschen singen, sondern beispielsweise auch Telegramme und Sägen, wussten wir zwar. Eine Leserzuschrift hat uns nun aber auf eine Erfindung aufmerksam gemacht, die selbst unsere kühnsten Vorstellungen übertrifft: das singende Präservativ. Das im November 1992 erteilte US-Patent Cl. 128-844 (Int. Cl. A61F 6/04) scheint wie gerufen, Pariser-Muffeln den Marsch zu blasen. Die Besonderheit des singenden Dinges steckt im Nocken, der unter anderem einen Mikrochip, eine Batterie und einen Schalter enthält. Die musical unit funktioniert piezoelektrisch, das heisst durch den Druck, der beim Beischlaf auf den Präservativnocken wirkt und ihn zum Klingen bringt.

Die Musik ertönt wahlweise kurz, als Ouverture, oder als Begleitung während der ganzen Dauer des Koitus. Als passende Melodie schlägt die Patentschrift Beethovens «Ode an die Freude» vor. Für weniger stürmische Geniesser empfehlen wir unsererseits die schlichte Innigkeit des Andante grazioso aus Brahms Klaviertrio in c-Moll; für Lendenlahme vielleicht «Let it be» oder, rhythmisch etwas eindringlicher, «I can't get no satisfaction». Zahlreiche Möglichkeiten eröffnen sich auch dem Opernfreund, von «Don Giovanni» - «Andiam, andiam, mio bene, a ristorar le pene, d'un innocente amor» - bis zum «Rosenkavalier»: «Wie du warst, wie du bist - das weiss niemand, das ahnt keiner.» Oder vielleicht etwas aus der «Zauberflöte»?




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