Erneut hat der Verband der Schweizer Metzgermeister sein Füllhorn ausgeschüttet, für besonders gelungene Würste, Schinken, Pasteten und Schwartenmagen Hunderte von Gold-, Silber- und Bronzemedaillen verteilt. Höchste Meriten verdienten sich im offiziösen Wettstreit eine ganze Reihe von Fleischhandwerkern, die in diesen Spalten bereits vorgestellt worden sind: Hösli aus Glarus, Eggs aus Reckingen, Pfistner aus Hallau, Scheiwiller aus Neu St. Johann, die Gröblis aus Dietfurt, die Famiglia Buffoni aus Illnau. Ein weiterer, der im offiziellen Wurstwettkampf für Furore sorgte, ist René Dahinden aus Hasle. Mit seiner Jubiläumswurst holte er sich gar das Punktemaximum.
Dahinden ist dort hinten im Entlebuch zu Hause, wo die Schweiz noch urtümlich ist – in einem Biosphärenreservat, wo die Natur noch respektiert und die Menschen so bodenständig sind, dass sie Würste über alles schätzen. «Der Entlebucher isst mehr Wurst als Entrecôte», weiss Dahinden, «das ist unsere Tradition.» Was nicht heissen will, dass sich die Wurst von selbst verkauft; sie muss auch gut sein.
Der Metzger aus Hasle schlachtet noch selber und wurstet fast täglich. Das Sortiment ist weit gespannt. Dreieinhalb Tonnen Wurst gehen in der kleinen Dorfmetzg jährlich über den Ladentisch. Klassiker wie Bratwürste, Cervelas und Wienerli, aber auch Spezialitäten wie die Biosphären-Wurst (eine magere Trockenwurst mit Fleisch aus der Region) oder die Kümmelwurst (einst eine sogenannte Grümpelwurst, in der allerlei Innereien wie Herz oder Lunge versteckt wurden, heute eine würzig-kernige Komposition von Rindfleisch, Gnagi und Speck).
Ebenfalls ein Verkaufsschlager ist die Jubiläumswurst, eine Art Lyoner, also eine Aufschnittwurst, die Dahinden 1988 zum 20-Jahr-Jubiläum der vom Vater gegründeten Metzgerei erstmals herstellte. Die Aufschnittwurst besteht in ihrem Innern aus fein geblitztem Kalbfleisch und Speck, gewürzt mit Pfeffer, Macis und Aromat, ihr Äusseres ist ein oranger Kunststoffdarm, den Dahinden exklusiv für diese Wurst produzieren und bedrucken lässt.
Ein Augenschmaus ist das grelle Gewand nicht. Aber was zählt, ist der Inhalt: Zart und mild und wunderbar fleischig, überzeugt die Jubiläumswurst auf den ersten Biss. Wer einmal von ihr gekostet hat, kommt nicht mehr so leicht von ihr los. Was als einmalige Aktion gedacht war, ist längst zu einem Klassiker geworden.
Für einen Wurstsalat zum Beispiel, so Dahinden, gebe es nichts Besseres als seine Jubiläumswurst. Das findet offenbar auch ein Stammkunde im fernen Morcote TI, der sich für diesen Zweck regelmässig die Spezialität aus Hasle LU in die Sonnenstube schicken lässt.