Keiner hat mit diesem Titel so viel Geld gemacht wie er. Mister Schweiz Renzo Blumenthal wirbt für Coop Naturaplan, Limonade, Kraftfutter, Bio-Raclette und Unterhosen; er lässt kein Fotoshooting aus, und er ist sich auch nicht zu schade, eine Viehschau im unteren Toggenburg mit seiner Anwesenheit zu beehren. Schliesslich ist er selber Bauer. Einer allerdings, der auch etwas von Marketing versteht.
Bevor er zum Mister Schweiz gekürt wurde, wirkte Renzo Blumenthal aus Vella GR bereits als Geschäftsführer der La Talina Lumnezia GmbH, einer Vermarktungsorganisation, die die Produkte der Biobauern aus der Bündner Talschaft feilbietet. Das tut er noch immer, und mit wachsendem Erfolg. «Das Lugnez ist eine Randregion, wir müssen nach neuen Wegen suchen, um die Wertschöpfung im Tal zu behalten», sagt Blumenthal. «Wenn meine Popularität, meine Kontakte dabei behilflich sind, soll uns das recht sein.»
Zu den Erzeugnissen, die zum grossen Teil über das Internet (www.lumnezia.ch) abgesetzt werden, zählen Rind-, Lamm- und Gitzifleisch, Trockenfleisch, Speck, Honig und Konfitüre. Selbstverständlich gehören auch Würste zum Sortiment, zweierlei Trockenwürste, für die der Mister Schweiz persönlich verantwortlich zeichnet.
Renzo Blumenthal kann sich noch gut erinnern, wie sich einst die Grossmutter in der Küche an die Arbeit machte, wie sie mit scharfem Messer das Fleisch präparierte, durch den Wolf drehte, mit Pfeffer und Salz, nicht selten auch mit Zimt, Nelken und einem gehörigen Schuss Rotwein würzte und wie er selber mithalf, die Fleischmasse in Därme zu füllen. Da gab es zum einen die Andutgel («Andotschel»), eine Art Salsiz aus Rind- und Schweinfleisch, zum andern die Ligonigia («Ligonidscha») nera, eine deftige Hauswurst aus Fleisch, Leber und Schweineblut, die man damals nicht nur getrocknet, sondern gleich nach dem Wursten auch gekocht verzehrte. «Ein Festessen war das», schwärmt Blumenthal.
Heute sind die Blumenthalschen Würste zwar nicht mehr hausgemacht; sie werden vom Metzger gefertigt. Das Rezept jedoch entspricht der Familientradition, und das Fleisch stammt ausschliesslich vom eigenen Hof. Dort ist auch eine Trockenkammer, wo Würste, Speck und Bündnerfleisch auf 1244 m ü. M. ihrer optimalen Genussreife entgegenschlummern.
Oft und gern macht sich der Mister-Schweiz-Bauer hinter seinen Wurstvorrat. Auch wenn er mittlerweile zur Cervelasprominenz gehört, hat es ihm der «Andotschel», der hauseigene Salsiz, besonders angetan. Ob diese Wurst gar schön macht? Das möchte Renzo Blumenthal nicht gerade behaupten. Wohlschmeckend ist sie aber zweifellos.