|
|
NZZ Folio 10/09 - Thema: Die Zeitung Inhaltsverzeichnis
Nachrichten zum Fürchten
© www.bcc.co.uk
|
| Die Website von BBC Persian am 2. Juli 2009: Neda Agha Soltans Tod ist neben Michael Jacksons Tod das Topthema in allen sozialen Netzwerken. |
|
 |
Als im Juni 2009 die Menschen in Iran auf die Strassen gingen, waren es zum ersten Mal die Bürger selbst, die im grossen Stil live über eine Krise berichteten.
Von Anja Jardine
Der Tod der jungen Frau dauert keine Minute. Man sieht sie die Strasse entlanglaufen, im nächsten Moment geht sie zu Boden, zwei Männer beugen sich über sie, panische Schreie: «Hab keine Angst, Neda!», «Oh, mein Gott!», «Bleib bei uns!». Zuletzt eine Nahaufnahme ihres Gesichts, die weit geöffneten Augen, dann kippt ihr Blick weg. Nur wenige Stunden nach ihrem Tod gingen die Bilder, aufgenommen mit der Kamera eines Mobiltelefons und auf Youtube gestellt von einem zufälligen Augenzeugen, um die Welt. Fernsehsender übernahmen sie in ihre Programme, Zeitungen und Nachrichtendienste montierten sie auf ihre Websites. Neda Agha Soltan wurde mit ihrem Tod zur Symbolfigur der Proteste in Iran. Kein Zweifel: Es war die Stunde der Bürgerjournalisten.
Als die Menschen im Juni 2009 in Teheran auf die Strasse gingen, weil sie sich um ihre Wahl betrogen sahen, schränkte die Regierung die Pressefreiheit sofort ein. Journalisten wurden verhaftet, Zeitungen der Opposition dichtgemacht, Agenturen stillgelegt, Korrespondenten unter Hausarrest gestellt oder des Landes verwiesen – nicht unüblich in einem autoritären Regime zu Krisenzeiten. Das Neue jedoch war, dass trotz den mundtot gemachten Journalisten permanent eine Flut aktueller Informationen direkt aus dem Zentrum des Geschehens an die Weltöffentlichkeit gelangte. Das Volk höchstpersönlich dokumentierte seinen Aufstand.
Es schien, als würde jeder der Demonstranten unermüdlich Lageberichte, Fotos oder Videosequenzen über sein Mobiltelefon ins World Wide Web einspeisen. So legten sie Zeugnis ab von prügelnden Uniformierten, brennenden Autos, flüchtenden Passanten. Bei Facebook und Twitter, die bis dato in dem Ruf standen, dem Austausch privater Banalitäten zu dienen, liefen die Server heiss. Auf Wunsch des amerikanischen Aussenministeriums verschob Twitter geplante Wartungsarbeiten, um den Informationsfluss aus Iran nicht zu unterbrechen. Die Tweets genannten Kurznachrichten, die per SMS ins Netz eingegeben werden können, glichen in der Summe einer breitangelegten Liveberichterstattung von der Front. «iranelektion» avancierte – bis zu dem Tod von Michael Jackson am 25. Juni – zum meistfrequentierten Schlagwort in Twitter. Die Profis in Fernsehanstalten und Printmedien reagierten, indem auch sie die Amateurfilmchen auf ihre Websites montierten und in Windeseile Life-Blogs einrichteten, in denen sie der Unmengen an Material Herr zu werden versuchten. Doch wie liessen sich diese Bild-, Ton- und Textschnipselchen sortieren, einordnen und bewerten? – Mal war von 5000 Demonstranten die Rede, mal von zwei Millionen. Mal wurde von Massakern an Zivilisten berichtet, mal von steinewerfenden Bürgern. Gab es Tote? Wenn ja, wie viele? Wurden die Menschen tatsächlich im Gefängnis gefoltert, wie mehrfach behauptet? Schnell war klar: Voraussetzung für ein Minimum an Orientierung sind erstens sehr gute Sprachkenntnisse, zweitens sehr gute Ortskenntnisse. Und drittens – und daran mangelte es allerorts – handwerkliches Rüstzeug im Umgang mit derlei Informationen.
Es sprach sich herum, dass in London eine Redaktion sass, die für diese Aufgabe gerüstet schien: BBC Persian, kurz PTV genannt, wurde von vornherein als ein Nachrichtendienst konzipiert, der über Radio, Fernsehen, Internet, Mobiltelefon und andere Handgeräte zu empfangen ist. PTV ist mit allen Technologien ausgestattet, die eine Interaktion mit dem Zuschauer ermöglichen. Das Programm ist auf persisch und wird in Iran, Afghanistan, Tadschikistan und rund um den Globus empfangen.
Besonders populär ist die Sendung «Nowbat-e Shoma» (Sie sind dran!), gewissermassen eine Talkrunde mit dem Publikum. Die Moderatorin steht in einem volldigitalen Studio und diskutiert mit Zuschauern aus Teheran, New York oder London über Telefon, Skype, SMS, E-Mail oder Blogs aktuelle politische oder gesellschaftliche Themen. Während des Wahlkampfes in Iran gab es zehn Minuten nach den offiziellen Fernsehduellen der Präsidentschaftskandidaten im Staatsfernsehen eine Sondersendung auf PTV. Da konnten die Bürger die Duelle diskutieren.
«Eine Sensation für Bürger eines Landes, in dem es keine Meinungsfreiheit gibt», sagt Sina Motalebi, der «Head of Output» von PTV. Motalebi weiss, wovon er spricht. Er hat als Journalist für eine Oppositionszeitung in Teheran gearbeitet und jahrelang einen politischen Blog geführt, bevor er 2003 verhaftet und in Isolationshaft gesteckt wurde. Nach seiner Entlassung suchte er Asyl in Holland, bevor BBC ihn nach London holte.
Ein Grossteil der 250 Journalisten, die in Grossraumbüros in dem ehrwürdigen BBC-Gebäude an der Regent Street sitzen, sind aus Iran. Fast alle haben in Teheran gelebt, im Journalismus gearbeitet und sind mit modernen Technologien vertraut. Es sind junge Menschen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig wie Sanam Dalatshahi, die sich als erster weiblicher Blogger Irans einen Namen gemacht und selbst ein digitales Magazin gegründet hat.
PTV hat zehn dieser Journalisten speziell für den Umgang mit dem sogenannten User Generated Context, also dem vom Nutzer gelieferten Inhalt, geschult. Das UGC-Team ist ein Spezialtrupp der journalistischen Recherche, einer, der nicht selbst hinausgeht, sondern das ins Haus gelieferte Material der Zuschauer verifiziert. In den Tagen nach der Wahl war die Flut der Bilder so gross, dass Verstärkung vom UGC-Hub des Mutterhauses von BBC angefordert werden musste. Statt 8 Stunden am Tag sendete PTV 16 Stunden. Die Redaktoren gingen nur noch zum Kleiderwechsel nach Hause. Sanam Dalatshahi verfolgte den Wortwechsel auf mehr als 300 Blogs, davon 40 von Ahmadinejads Anhängern. 10 000 Mails und SMS am Tag trafen ein, ungezählte Anrufe und etwa 6 Videoclips pro Minute. Es war wie ein gigantisches Puzzle.
Welche Bildsequenzen gehören zur selben Demonstration? Stimmt das Tageslicht mit der angegebenen Zeit überein? Wie viele Menschen sind tatsächlich auf dem Platz, wenn man die Bilder aus drei Blickwinkeln kombiniert? Ist das tatsächlich die angegebene Strassenkreuzung? Da müsste ein Kiosk stehen, wo ist der? Gibt es andere Bilder von der Prügelszene? Von wo kommen die Motorräder? Laufen die Menschen davon, weil sie Steine geworfen haben oder weil sie verprügelt wurden? – Manchmal fügen sich die Bildsequenzen plötzlich zu einem Schicksal, wie das jener Frau, deren Gesicht immer wieder auf Clips von den Demonstranten vor dem Erin-Gefängnis auftaucht, wo sie – sein Foto hocherhoben – um die Freilassung ihres Sohnes kämpft. Dann eines Morgens gibt es ein minutenlanges Video, in dem sich dieselbe Frau schreiend auf eine ins Leichentuch gehüllte Gestalt wirft, ausser sich vor Schmerz.
Die Aufgabe bestand nicht nur darin, die Teilchen zu winzigen Bildausschnitten zusammenzufügen, sondern jene zu identifizieren, die gar nicht ins Bild gehörten. Da war zum Beispiel der Filmclip einer schwangeren Frau, die brutal in den Bauch getreten wurde, Bilder von so verstörender Gewalt, dass ihr Anblick kaum zu ertragen war. Dennoch zwang sich Sanam Dalatshahi, immer wieder hinzuschauen auf der Suche nach Hinweisen zur Umgebung. Sie sandte den Clip an befreundete Blogger, und es stellte sich heraus, dass er vor Jahren schon einmal im Zusammenhang mit Unruhen im Gazastreifen aufgetaucht war. Manipulationsversuche wurden von allen Seiten unternommen. Doch diesmal konnte sich der Clip im Bilderstrom nicht behaupten.
«Diese Tage waren die Feuerprobe für uns», sagt Sina Motalebi, «wir wurden sehr genau beobachtet.» Vor allem, nachdem das Regime in Iran behauptet hatte, PTV habe die Unruhen angezettelt. «Dabei haben wir alles getan, um auch die Anhänger Ahmadinejads ins Programm zu holen. Ironischerweise war es das Regime selbst, das alle Kontakte unterbunden hat.» Für ihn, so Motalebi, bestehe die grösste Leistung darin, dass sein Team sich nicht von den Emotionen habe mitreissen lassen. «Wir haben uns immer um Objektivität bemüht.» Und trotz endlosen Überstunden und emotionaler Erschöpfung hätten alle klaglos gearbeitet.
«Wir hatten das Gefühl, wir machen eine wirklich wichtige Arbeit. Wir geben dem Volk eine Stimme.» Und er fügt hinzu: «Ich glaube, im Journalismus gehört denen die Zukunft, die imstande sind, diese Art von Informationen zu filtern, zu überprüfen und einzuordnen.»
Eine Einschätzung, mit der Motalebi nicht allein steht. Nicht nur Fernseh- und Radiostationen installieren Newsrooms dieser Art, auch die Zeitungen suchen verzweifelt nach Wegen, um ihre Leser wenigstens als Nutzer halten zu können, wild entschlossen zu digitaler Interaktion. War es in den Golfkriegen ab 1991 die Liveberichterstattung von CNN, die die Medienarbeit verändert hat, so sind es heute die Nachrichtenfluten der Bürgerjournalisten.
«Der Korrespondent, der das Geschehen beobachtet, die Zeitung liest und zweimal die Woche eine Analyse der Innenpolitik des Landes schickt, ist ein Auslaufmodell», sagt Martin Woker, Chef der NZZ-Auslandredaktion. Das Internet ermögliche nicht nur die Beobachtung peripherer Konflikte, in die es sich nicht lohne, Korrespondenten zu schicken, sondern es sei eine unabdingbare Informationsquelle. Zumal dann, wenn das Geschehen zum Teil dort stattfinde wie in Iran. Zum ersten Mal stützte sich ein Protest derart auf digitale Kommunikationsmittel.
«Uns muss der Spagat gelingen zwischen der Berichterstattung über Hotspots und der klassischen Auslandsberichterstattung, die Hintergrund und Analyse bietet», sagt Woker. «Zudem wollen wir an der Chronistenpflicht festhalten: Wenn man in fünfzig Jahren die NZZ von heute zur Hand nimmt, muss man erfahren können, was in der Welt passiert ist. – All das bei schwindenden Mitteln.» Korrespondenten kosten sehr viel Geld, und da auch die NZZ das Netz immer grobmaschiger knüpfen muss, werden die Zuständigkeitsbereiche der Kollegen grösser. Über Iran zum Beispiel berichtete der Nahostkorrespondent Victor Kocher, der in Limassol auf Zypern stationiert war, zuständig für die gesamte Golfregion von Iran bis Libyen.
«Nah dran, aber einen Schritt davor, das ist die Distanz, die ich bewusst einnehme, grundsätzlich», sagt Victor Kocher. Er kennt die Region seit 1972, verfolgte das politische Leben dort schon vor der Revolution. Kocher hat gute Freunde in Iran. «Für mich ist es als Korrespondent unabdingbar, mit einer Herzfaser mit dem Land verbunden zu sein, mitzufühlen, mitzuleiden.»
«Während der Unruhen habe ich die meiste Zeit im Internet oder am Radio verbracht», sagt Kocher, «PTV erbringt eine grossartige Dienstleistung, und da ich Persisch spreche, kann ich sie nutzen. Das gibt mir den Raum zur Reflexion.» Denn auch für die Tageszeitung gilt: «Wenn so etwas passiert, muss was ins Blatt!» Seine Aufgabe sei es, «to make sense of it» – aus den Ereignissen schlau werden, ihnen eine Bedeutung geben.
Um das tun zu können, müsse man wissen, wie die Republik funktioniert, die seit ihrer Gründung um den richtigen Kurs zwischen den göttlichen Satzungen des Islams einerseits und dem Volkswillen andererseits ringt. Was bedeutet es, wenn etwa Revolutionsführer Khamenei im Freitagsgebet das Ende der Kundgebungen verlangt? Wer sind die Drahtzieher der Volksbewegung? Wie genau fordern sie den Apparat heraus? Gibt es eine ernst zu nehmende Spaltung im Regime? Man müsse wissen, was Ahmadinejad, Rafsanjani, Mussawi und andere Galionsfiguren in den letzten Jahren getan hätten, wie sie zueinander stünden, um ihre Gesten und Worte decodieren zu können. «Während andere die Toten zählen», sagt Kocher, «versuche ich, die Fäden im Marionettentheater zu entdecken. Nicht jede Aufregung mitzumachen, das ist die Stärke der Zeitung.» Zum Tod von Neda Agha Soltan gab es eine kurze Agenturmeldung im Blatt und wenige Meldungen online. Viktor Kocher hat Neda in keinem der rund 15 Artikel, die er während der Unruhen verfasst hat, erwähnt.
Tote zählen. Mit anderen Worten: Die Reduzierung der Auslandsberichterstattung auf Brennpunkte, das ist es, was der Nahostkorrespondent Ulrich Tilgner dem Fernsehen, aber auch allen anderen Medien vorwirft. Und tatsächlich ist die Zahl der Krisen, Kriege und Katastrophen, über die berichtet wird, massiv gestiegen, obwohl die Zahl der Kriege seit den 1990er Jahren gesunken ist, wie der Human Security Report 2005 zeigt. Wurde Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre über 80 solcher Anlässe berichtet, stieg die Zahl in den Jahren 2000 bis 2005 auf 850. «Aus ‹Nachrichten›, einst altdeutsch zum ‹Danach Richten› definiert, sind Nachrichten zum Fürchten geworden», sagt Georg Ruhrmann, Medienwissenschafter von der Universität Jena.
Wie Fallschirmspringer fallen die Journalisten ins Land ein, sobald eine Krise Quote verspricht. Oft kommen sie nicht allein, sondern aus Kosten- und Sicherheitsgründen im Schlepptau von Militärs, Politikern oder Hilfsorganisationen. «Und wie selbstverständlich beziehen sie die ersten Notunterkünfte», sagt Ulrich Tilgner. Die NGO liessen sie gewähren, weil auch sie auf PR hofften, um ihre Einsatzfähigkeit zu demonstrieren. «Viele Journalisten unterschätzen die Einflussnahme dieser Art der Reiseleitung», sagt Tilgner. Das Embedding, also das Eingebettetsein, gefährde die Unabhängigkeit, egal in wessen Bett man schlüpfe.
Das deutsche Verteidigungsministerium teile Sitzplätze in Militärflugzeugen nicht zu, damit die Medien billiger berichten könnten, sondern damit ein Stab aus Presseoffizieren alles vorbereiten könne, worüber berichtet werden soll. «Und so werden die Soldaten in den Medien zu Aufbauhelfern.» Diese fehlende Distanz zur Politik der Bundesregierung war der Hauptgrund, warum Ulrich Tilgner das ZDF verliess, für das er fast 30 Jahre über den Mittleren und Nahen Osten berichtet hatte. Heute arbeitet er für das Schweizer Fernsehen, wo die Neutralität des Landes ihn vor politischer Einflussnahme schützt, wie er sagt. «Mir kommt es darauf an, das zu zeigen, was man von zu Hause aus nicht sieht, die Andersartigkeit von Kultur und Gesellschaft. Nur dadurch entsteht Verständnis.» Und er fügt hinzu: «Die Fronten zwischen arabischer und westlicher Welt haben sich auch deshalb verhärtet, weil es den Medien nicht gelungen ist, Wissen übereinander zu vermitteln.»
Vor kurzem musste er drei Schafe kaufen, erzählt Ulrich Tilgner. Er hatte sein Filmteam in den Südirak geschickt, um Aufnahmen zu machen, dabei seien die drei Männer festgenommen worden. Zum Glück aber war einer Mitglied eines wichtigen Clans und erhielt dank seinem Namen Amtshilfe von einem anderen Clan. Als die Angelegenheit geregelt war und die Männer auf freiem Fuss, verstand es sich von selbst, dass drei Schafe geschlachtet und gemeinsam gegessen werden mussten. «Wenn Sie da im Tross von Politikern auftauchen, wird Sie zwar niemand festnehmen», sagt Tilgner, «aber es wird auch niemand mit Ihnen reden.» Genau daran kranke die Auslandsberichterstattung.
Journalismus ist keine Unterhaltungsindustrie, sondern die vierte Gewalt. Wenn Journalisten versagen, richten sie Schaden an. Dass die Bush-Regierung nur deshalb in den Krieg ziehen konnte, weil die amerikanische Öffentlichkeit davon überzeugt war, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze und bei 9/11 seine Hand im Spiel gehabt habe, ist wesentlich der Presse zu verdanken. Die «New York Times» hat sich später bei ihren Lesern offiziell für ihr Scheitern entschuldigt. Auch in Europa sind Journalisten nicht unschuldig an dem Bombardement Belgrads durch die Nato. Ihre durch Propaganda gestützte Berichterstattung über angebliche Massaker der Serben schuf in der Öffentlichkeit die Bereitschaft für einen Krieg, obwohl UN-Berichte sehr widersprüchliche Informationen über die Schuld an den Blutbädern enthielten. In «Operation Balkan. Werbung für Krieg und Tod» belegen Jörg Becker und Mira Behan akribisch, wie massiv von PR-Agenturen erarbeitete Kampagnen die Medien und somit die Kriegsführung beeinflussten.
Der Bürgerjournalismus im Internet verspricht nun eine neue Authentizität und Vielfalt, die etablierte Medien verloren zu haben scheinen. Ist sie also endlich da, die vielbesungene Demokratisierung der Medien? «In Iran hat die Internetgläubigkeit während der Krise schnell nachgelassen», sagt Tilgner. Zwar habe fast jeder Iraner Internetanschluss, und das Knacken der Zensurfilter sei Volkssport, doch während der Unruhen sei für niemanden mehr durchschaubar gewesen, wer welche Informationen in welcher Absicht placiert hatte. Schliesslich surfte auch das Regime.
Glaubwürdigkeit ist die kostbarste Währung. Sämtliche Foren, Blogs und Sites greifen noch immer auf dieselben Quellen zurück, wie Untersuchungen zeigen. Nämlich: die grossen Tageszeitungen. Aus gutem Grund. Keine drei Monate nach den Unruhen in Iran ist das Gezwitscher so gut wie verstummt.
Anja Jardine ist NZZ-Folio-Redaktorin.
Teilen
Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.
Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.
|
|
|