Dass Olten einen Eisenbahnknotenpunkt hat, gehört zum frühsten Schulwissen der Schweizerinnen und Schweizer. Der Eisenbahnknotenpunkt fand ungefähr zusammen mit der Dufourspitze Eingang in unsere Kindergehirne, noch vor 1291 und der Schlacht am Morgarten. Man hatte keine Ahnung, was ein Eisenbahnknotenpunkt war, dafür womöglich eine im Wortsinn wirre Vorstellung davon. Der Eisenbahnknotenpunkt verselbständigte sich zum abstrakten Wissen. Gab es ihn überhaupt? Ob es ihn nun gab oder nicht, fest stand, er war in Olten, das zusammen mit dem Eisenbahnknotenpunkt ebenfalls etwas unwirklich wurde. Gab es Olten?
Wir haben uns nun – viele Jahre waren ins Land gezogen – auf nach Olten gemacht, im Reisegepäck jede Menge Unwissen und die paar Vorurteile, die wahrscheinlich jeder immer vom anderen hat. Und die sich sofort um jene mehrten, die wir gar nicht gehabt hatten, bevor man sie uns ausreden wollte. Zum Beispiel, dass es gar nicht so viel Nebel habe in Olten, wie alle immer sagen würden, dass es vielmehr gerade eben fast ein wenig zu wenig Nebel habe in Olten. Wir haben ganz vieles falsch gemacht, haben (wenn auch wirklich nur ein paar wenige Male ganz zu Beginn, Ehrenwort!) Oltener statt Oltner gesagt und uns damit zu Zürichern gemacht. Wir haben aber auch ganz vieles richtig gemacht. Zum Beispiel sind wir allesamt nicht zum Mosimann gegangen, dafür aber natürlich ins Bahnhofbuffet. Und vor allem sind wir in Olten aus dem Zug gestiegen und nicht wie fast alle anderen bloss daran vorbeigefahren.
Wie jede gründliche Recherche hat aber auch diese bloss unser Unwissen vermehrt: hinter jeder Antwort taten sich fünf neue Fragen auf. Wir wissen jetzt, dass wir über Olten nichts wissen. Aber wir vermuten: Oltner sind Leute wie du und ich. Oder sagen wir: beinahe wie du und ich.