Wer nach einer prononcierten Handreichung in Sprachangelegenheiten sucht, ist mit Theodor W. Adornos Text «Satzzeichen» (1956) bestens beraten. So macht Adorno gleich eingangs deutlich, dass jeder Schriftsteller sich an die Regel zu halten habe: «Besser zu wenig als zu viel.»
In der Folge unterscheidet Adorno zwischen Satzzeichen, die es zu pflegen, und solchen, die es zu meiden gelte. Zu ersteren gehört das Semikolon; sein Verschwinden zeige, dass niemand mehr in der Lage sei, lange, kunstvolle Sätze zu schreiben. So werde der Gedanke kurzatmig, die Prosa auf den Protokollsatz reduziert: «Mit dem Verlust des Semikolons fängt es an», so Adornos Verdikt, «mit der Ratifizierung des Schwachsinns durch die von aller Zutat gereinigte Vernünftigkeit hört es auf.»
Auch der Gedankenstrich zählt laut Adorno zu den beherzigenswerten Satzzeichen: «Erst wer eines Ganzen mächtig ist, weiss um Zäsuren. Die aber lassen sich vom Gedankenstrich lernen.» Durch ihn verdeutliche man den «Fragmentcharakter» eines Gedankens; der Strich trenne, «was Verbundenheit vortäuscht».
Hart ins Gericht geht Adorno mit den drei Punkten. Wer mit ihrer Hilfe Sätze bedeutungsvoll offenlasse, suggeriere «die Unendlichkeit von Gedanken», die er nicht habe und die er durchs Schriftbild vorspiegeln müsse. Völlig inakzeptabel schliesslich ist das Ausrufezeichen: Es sei «unerträglich geworden als Gebärde der Autorität, mit der der Schriftsteller von aussen her einen Nachdruck zu setzen versucht, den die Sache nicht selbst ausübt».