KAUM WERDEN die Weihnachtskerzen per Kilo abgestossen und der Christbaumschmuck aus Schokolade zum halben Preis, sind auch schon die Fasnachtschüechli zur Stelle. Und spätestens wenn diese das Feld räumen, marschieren Heerscharen von Osterhasen in Gefechtsformation auf und verwandeln den Supermarkt für Eltern mit Kleinkindern wenn nicht gerade in ein Schlachtfeld, so doch zumindest in ein akutes Krisengebiet.
Ob sie, wie oft behauptet wird, tatsächlich aus eingeschmolzenen Schoggichläusen und -kugeln bestehen und die nicht verkauften ihrerseits als Maikäfer reinkarniert werden, wissen nur ihre Hersteller, die diese Praxis natürlich entrüstet dementieren. Gesichert ist jedoch, dass die Osterhasen im Laufe der Jahre immer grösser, schwerer und zahlreicher geworden sind. Exemplare, die früher ein Kind lange glücklich gemacht hätten, taugen heute knapp als Tischdekoration, und wo ein Kind nur einen einzigen müden Hasen bekommt, geht die Vormundschaftsbehörde bereits in Lauerstellung.
Lauerstellung nimmt übrigens auch der requisitenlose klassische sogenannte Sitzhase ein, der einst neben dem Stehhasen mit Rückentragkorb süsser Normalfall war. Was dagegen heute an degeneriert-dekadenten Formen des Schokoladehasen angeboten wird, ist aus kulturhistorischen, diätetischen und pädagogischen Gründen strikte abzulehnen.
Noch schlimmer sind nur die fetten, unsympathischen, mit Croquant verunstalteten Enten mit einer Wandstärke von bis zu einem Zentimeter, die mit dem Hammer geschlachtet und mit dem Brotmesser zerteilt werden müssen. Wo soll denn bei solchen Opfergaben die frohe Osterbotschaft noch Platz haben? Und wie sollen die Kleinen so noch wissen, was an Ostern überhaupt gefeiert wird?
Letztlich sind solche Auswüchse eine Spätfolge der schlitzohrigen Christianisierung, die den Germanen seinerzeit ihr Frühlingsfest samt Eiern und Ostara liess. Ein fragwürdiger Kuh- bzw. Hasenhandel, den das orthodoxe Christentum nicht nötig hatte. Weshalb es nur gerecht ist, dass seine Anhänger ihre Osterartikel hierzulande bis heute stets zum halben Preis einkaufen können.