Gretna, Scunthorpe United, Ilkeston Town und Torbay – auch das sind Gegner von Manchester United. Gegen Gretna, das schottische Städtchen, bekannt für seine Instant-Hochzeiten, schaute auswärts ein 6:3-Sieg heraus. Scunthorpe wurde daheim mit 8:0 vom Platz geputzt. Ilkeston Town und Torbay waren schwieriger, 3:0 daheim respektive 2:0 auswärts. Und dann der vergangene Sonntag. Wieder ein 8:0, aber diesmal für den Gegner, Charlton Athletic. So hat die stolze Abfolge von überzeugenden Cup-Auftritten im Achtelfinal ein abruptes Ende gefunden. 8:0! Wäre das den Herren vom Club passiert, würden Köpfe rollen, und ein Team von Direktoren wäre auf dem Weg nach Spanien, um den teuersten Spieler der Welt zu kaufen.
Beim Eliteteam der Damen liegen die Dinge anders. Die einzige Folge der Schlappe ist, dass Trainer Dave Bell, wahrscheinlich der freundlichste Mann von ganz Manchester, dem Team die beiden wöchentlichen Trainings erlassen hat. Statt rennen und schwitzen müssen die Ladies jetzt stöhnen und rot anlaufen. Denn auf Video führt ihnen Dave nochmals ihre Fehler vor. «Schade, dass es so enden musste.»
Alison Hindley, 15, hat zwei Träume. Erstens möchte sie so gut sein wie David Beckham, zweitens möchte sie mit Kicken Geld verdienen. Der erste Traum ist schon ein bisschen in Erfüllung gegangen: Sie nimmt im ersten Team die Position ihres Idols am rechten Flügel ein. Dave Bell und die erfahrene Teamgenossin Donna Douglas schätzen Alisons Qualitäten hoch ein. «Sie trickst die Gegner aus wie Ryan Giggs. Und sie ist gleich wieder auf den Beinen, wenn sie hingefallen ist.» Alison sieht das mit der Pragmatik einer Anita Weyermann: «Wenn man den Ball hat, dann denkt man nur eines: Go! So habe ich das früher gemacht, so mache ich das heute.»
Mit dem zweiten Traum, dem Traum, vom Kicken leben zu können, wird es schwierig werden. Anders als bei Arsenal, Fulham und Leeds ist das Engagement für den Damenfussball bei Manchester United noch jung. Erst vor zwei Jahren ist das Damenteam, bestehend aus den vier Juniorinnenteams und der Elitemannschaft, nicht nur vom Namen her, sondern auch finanziell unter die Haube des Grossclubs gekommen. Er stellt ihm neben der alten Trainingshalle The Cliff die gesponserte Ausrüstung, die gesponserten Autobusse sowie Dave Bell – in gesponserter Uniform – zur Verfügung. Leider reicht das Sponsorengeld noch nicht aus, die Spielerinnen zu entlöhnen. Noch darben die ManU-Ladies in der drittobersten Spielklasse. Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, als Zuschauer erscheinen nur Eltern und Schwestern. Hindley, Douglas und Bell sind sich einig: «In drei Jahren halten wir in der obersten Klasse mit.» («Alison könnte schon jetzt», flüstert Donna.)
In der obersten Liga käme Prestige ins Spiel. Dann, sagt Bell hinter vorgehaltener Hand, könnte ManU bestimmt nicht mehr umhin, auch den Damen ein paar Groschen zu zahlen. Dann käme es nicht mehr vor, dass Alison Hindley sich die weissen Fussballschuhe à la Beckham zu Weihnachten wünschen müsste («Auf Knien habe ich die Mutter angefleht!»). Und dann durfte sie sie nicht einmal tragen. «Kaum hatte ich sie, hiess es, man dürfe bei ManU nur noch schwarze Boots tragen. Daran hielten wir uns. Schliesslich wollen wir uns nicht blamieren. Nur – David trägt noch heute seine weissen Schuhe.»
Alison Hindley begann sich früh für Fussball zu begeistern. Mit fünf Jahren kickte sie auf dem Bauernhof ihrer Eltern ausserhalb von Warrington ständig einen Ball herum. «Aber weil ich nicht immer allein spielen wollte, half ich der Mutter halt mit den Pferden.» Die waren schnell vergessen, als der lokale Boys-Club sie endlich mitspielen liess. Zumal eines Tages ein Talentspion von ManU erschien und ihr einen Gratistransfer offerierte.
Heute ist sie der Star im Dorf. Die Boys wollen, dass sie Erfolg haben, sie spürt keinen Neid. Und die Meinung der Mädchen ist ihr egal. «Die spielen ja noch mit ihren Barbie-Puppen! Reden kann man mit denen nicht. Da wird immer gleich gequietscht.» Wenn ihr nach dem Schulabschluss ein Premier-League-Team einen Vertrag offeriert, mit dem sie Geld verdient, wird sie ihn annehmen. Früher oder später will sie in die Nationalmannschaft kommen. «Wenn’s damit nichts wird, gehe ich nach Amerika an ein College, wo Frauenfussball gespielt wird.» Für den Fall, dass etwas schiefläuft, wegen einer Verletzung etwa, will sie sich zur Physiotherapeutin ausbilden lassen. Deswegen gibt sie sich in der Schule in den wissenschaftlichen Fächern besonders Mühe. «Die werde ich vielleicht noch brauchen.»
Leider gehört David Beckham noch nicht zu Alisons Freundeskreis. Erst ein Sätzchen hat sie bisher an ihr Idol richten können: «Darf ich ein Autogramm haben, please?» Mit Sir Alex Ferguson hingegen hat sie einmal richtig gesprochen. Sir Alex hat in der Halle etwas abholen müssen. Als er aus dem Auto stieg, fiel Alison auf, dass er Pantoffeln mit Schottenmuster trug. Sie sagte: «Ihre Pantoffeln gefallen mir aber!» Er sagte: «Mir auch, sonst hätte ich sie nicht an.»