Chris Sollberger, Sie sind Präsident der Turicum Toastmasters. Worum geht es in Ihrem Verein?
In erster Linie darum, dass man lernt, vor Publikum zu sprechen. Wir treffen uns alle zwei Wochen, im Schnitt 15 bis 25 Mitglieder, dann hält jeder eine Rede aus dem Stegreif, dazu kommen vorbereitete Reden und Bewertungen.
In der Schweiz gibt es mehrere Toastmaster-Vereine …
… das sind alles englischsprachige. Wir haben vor gut einem Jahr angefangen und sind bisher der einzige deutschsprechende in der Schweiz.
Ein «Toast» ist ja ursprünglich ein Trinkspruch. Geht es bei Ihnen mehr ums Reden oder mehr ums Trinken?
Eindeutig ums Reden. Klar trinken wir an den Zusammenkünften auch etwas, meist aber ist das Mineralwasser.
Wie beurteilen Sie das Niveau der Redekunst in der Schweiz?
Es gibt alles: gute Redner, schlechte Redner, furchtbare Redner. Aber auch die furchtbaren erzielen oft eine Wirkung, so dass man zugeben muss, dass die trotzdem etwas richtig machen.
Wer zum Beispiel ist furchtbar?
Viele Politiker, aber auf eine bestimmte Person will ich mich nicht festlegen. In der Schweiz trauen sich die Leute ja nicht, schön zu reden. Ein Politiker, der sauberes, elegantes Hochdeutsch spricht, ist meist nicht beliebt. Das Paradebeispiel ist alt Bundesrat Furgler: Er war einer der wenigen, die die Sprache beherrschen – beliebt aber war er nicht. Die meisten Politiker reden dem Volk nach dem Mund, was im klassischen Sinn nicht gut geredet ist.
Wir würden gern einen Toast von Ihnen hören. Sagen wir: auf den Winter.
Gern. Winter also – ein Thema, das mich sehr interessiert. Ich gehe gern Langlaufen, und da wünschte ich mir, dass diesen Winter sehr, sehr viel Schnee fällt. Winter macht auf der andern Seite aber auch vielen Menschen Angst, so dass sie lieber an die Sonne fliegen, in die Karibik …
Sehr dialektisch, der Anfang.
Genau. Aber sehen Sie: Stegreifreden sind nicht unbedingt meine Stärke.
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