NZZ Folio 06/99 - Thema: Krieg um Kosovo   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Das Beste im Mann

Von Joni Müller

Aus hormonellen und anderen Gründen haben Männer Haare im Gesicht, obwohl die für gar nichts gut sind. Sie schützen nicht vor Kälte, schüchtern keine Gegner ein und locken kaum Weibchen an; sie sind weder schön noch nützlich, sondern schlicht überflüssig. Drum weg damit, und möglichst schnell, hat sich der rational empfindende Mann von jeher gesagt.

Zwar gab es im Laufe der männlichen Entwicklung immer wieder Epochen und Gruppen, in welchen es schick oder schicklich war, sich das Gesichtshaar wachsen und der Natur ihren Lauf zu lassen. Neben dem orthodoxen Vollbart verschiedenster Konfession gibt es diverse Spielarten des Teilbartes, die vom Schnurr- über den Kinn- und den Dreitage- bis zum Backenbart reichen.

Rasiert jedoch haben sich die Männer in den letzten paar tausend Jahren immer mit dem Rasiermesser, das sich von den Sumerern bis zu den Appenzellern nur in Details verändert hat. Erst dank Mr. Gillettes Erfindung der Urrasierklinge und später durch den elektrischen Rasierapparat nahm eine rasante Entwicklung ihren Lauf, deren Ende kaum absehbar ist.

Lange Zeit schien es, als ob die Jahre der schaumgeborenen Rasur gezählt wären und sich die maschinelle definitiv durchsetzen würde. Immer schneller drehten sich die Scherköpfe, immer hautnäher rückten sie dem Bart zu Leibe. Die Nassrasur wurde zum Markenzeichen fortschrittsfeindlicher Kulturpessimisten, und der alltägliche Aderlass des gepflegten Mannes drohte endgültig Geschichte zu werden.

Doch dann geschah Unerwartetes: wie Phönix aus der Asche oder wie Excalibur aus dem Fels meldete sich die Klinge zurück und nahm das Duell gegen die Elektrischen an; zuerst als starre Doppelklinge, dann als flexible. Doch es brauchte die unternehmerische Vision, das bloss Denkbare auch machbar zu machen, um daraus schliesslich «Mach 3» zu entwickeln. Erst dieser Tripelklinge mit dem Macho-Namen und dem radikalfeministischen Slogan «Für das Beste im Mann» ist es gelungen, den Elektrorasierer in die Defensive zu drängen. Und die absehbare Erfindung von «Mach 4» wird mit anderen Methoden wohl endgültig Tabula rasa machen.


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