NZZ Folio 12/03 - Thema: Kitsch und Kult   Inhaltsverzeichnis

Mit bebenden Lippen

Der Gute, der Böse, die Schöne und Chefarzt Dr. Mertens. In zehn Schritten zum Happy End.

Von Andrea Strässle

«Wenn ich dich doch auch glücklich machen könnte», flüsterte sie, während grosse Tränen über ihre Wangen rannen. «Du kannst es, Annegret.» Seine Lippen legten sich leicht an ihre Schläfe, aber dann überwältigte ihn ein Gefühl heisser Sehnsucht. Seine Lippen suchten ihren Mund, und eine unendliche Zärtlichkeit war in diesem Kuss, der endlos gewährt hätte, wenn jetzt nicht ein Räuspern zu vernehmen gewesen wäre.

Wunderschön, nicht wahr? Zeilen aus der Feder von Patricia Vandenberg, Autorin der meistverkauften deutschsprachigen Arztromanreihe aller Zeiten. Über 120 Millionen Exemplare von «Dr. Norden» hat der deutsche Kelter-Verlag bis heute verkauft. Angesichts dieser Zahl fragt man sich doch, wie viel Können hinter solchen Weisskittelromanen steckt. Könnte vielleicht auch ich …? Versuchen Sie’s. Schreiben Sie einen Schundroman! Der folgende Grundkurs vermittelt in zehn Lektionen ein gesundes Basiswissen. Nur Mut!


LEKTION 1: DIE IDEE
Fehlt Ihnen die Idee zum genialen Plot, lassen Sie sich nicht entmutigen. Tun Sie es den Profis gleich. Nicole Amrein ist mit den Serien «Dr. Katja König» und «Diät-Schloss Steinberg» die erfolgreichste Schweizer Arztromanautorin. Ihr Tipp: «Lesen Sie aufmerksam Zeitung. Es gibt immer wieder kleine Notizen, die man in die Geschichte einweben oder als Hauptstrang verwenden kann.» Schnappen Sie sich also die erstbeste Kurzmeldung aus der Tageszeitung:

Winterthur. (sda) Ein 57-jähriger Autolenker hat am Freitagmorgen in Winterthur einen 49-jährigen Fussgänger im Bereich eines Zebrastreifens angefahren und schwer verletzt. Laut Polizeiangaben ist der Unfallhergang nicht geklärt, deshalb suche man Zeugen.

Es bedarf weniger Kunstgriffe, um diese Polizeimeldung romantauglich zu machen. Stocken Sie das Romanpotential auf, und würzen Sie das Ganze mit einer Prise Crime: Aus dem 49-jährigen Fussgänger wird eine junge, hübsche und erst noch schwangere Frau, der Lenker begeht Fahrerflucht und bleibt vorerst unerkannt.


LEKTION 2: DER EINSTIEG
Wie fange ich bloss an? Lesen Sie sich durch die ersten Seiten von einem halben Dutzend Heftromanen, und Sie werden selbst sehen: Der Arztroman startet mit Vertrautem. Pflegen Sie eingefahrene Vorstellungen vom Klinikalltag, hätscheln Sie die Klischees. Ersparen Sie sich und Ihren Leserinnen langatmige Einführungen.

Das Zimmer war zweckmässig eingerichtet: zwei Spitalbetten, zwei Schränke, zwei Beistelltischchen, ein Waschbecken, drei Stühle. Es roch nach Desinfektionsmittel und Kräutertee. In einem der grossen Betten lag ein Knabe von acht Jahren. Auf der Bettkante sass Dr. Mertens. Er trug einen weissen Kittel, und an seinem Hals baumelte ein Stethoskop.

Gähn. Um Ihren Leserinnen die Gewissheit zu geben, dass sie nicht versehentlich einen «Jerry Cotton» oder einen Heimatroman vom Kioskregal gepflückt haben, brauchen Sie kein Krankenzimmer zu beschreiben. Erzählen Sie, was in diesem Zimmer gerade passiert. Mitten hinein, Handlung anstelle von Beschreibung, möglichst viel Dialog. Also, ein zweiter Versuch:

Dr. Georg Mertens kontrollierte ein letztes Mal Patricks Operationsnarbe und nickte zufrieden. «Na, was meinst du, sollen wir dich heute springen lassen?» fragte er seinen kleinen Patienten lächelnd. Wildes Freudengeheul war die Antwort. Da ertönte die Stimme einer Schwester über die Lautsprecheranlage: «Dr. Mertens, bitte in die Notaufnahme!»

Machen Sie den Arzt jetzt nicht etwa zum Konkurrenten des Helden, der in Lektion 4 auftreten wird.

Der alte Chefarzt versetzte dem Buben zum Abschied einen freundschaftlichen Nasenstüber: «Ich werde dich vermissen, kleiner Pirat.» Dann eilte er mit wehendem Mantel aus der Tür. «Tschüss, Herr Doktor!» tönte es hinter ihm her.


LEKTION 3: DAS SCHICKSAL
Nach diesem harmonisch-sonnigen Einstieg sollten Sie rasch in Phase zwei übergehen: die Abweichung vom Gewohnten. Diese besteht laut dem deutschen Literaturwissenschafter Peter Nusser «in der an das Mitleid des Lesers appellierenden Darstellung des Unglücks, das der Identifikationsfigur widerfährt». Im Klartext: Jetzt muss eine Protagonistin her, und der muss gefälligst etwas Übles zugestossen sein.

In der Notaufnahme wurde der Chefarzt schon dringend erwartet. Assistenzarzt Hendriks informierte ihn: «Eine junge Frau, bewusstlos, Platzwunde am Kopf, Verdacht auf innere Blutungen.»

Greifen Sie nun nicht zu einem unpassenden Namen. Nennen Sie nur eine schwarzhaarige Schönheit Mirjam und nur eine starke Frau Vanessa, rät Marte Cormann, deutsche Liebesroman- und Drehbuchautorin. Unsere Heldin ist schwach und blond.

«Ihr Ausweis lautet auf Julia Bucher, 24-jährig. Sie ist schwanger, Dr. Mertens. Deshalb habe ich nach Ihnen rufen lassen.» – «Wie ist es passiert?» fragte Dr. Mertens, während er sich eilig Handschuhe überstreifte. «Sie wurde von einem Auto angefahren.»


LEKTION 4: DER HELD
Es ist einfach. Sie brauchen Gute, und Sie brauchen Böse. Und beide müssen klar angeschrieben sein. Da Ihre Arztromanwelt eine heile ist, genügt ein Böser im Allgemeinen vollauf.

Hochgewachsene Gestalt, dichtes Haar, klare Gesichtszüge, in denen ein warmes Lächeln die sensiblen Lippen umspielt – das sind Signale, die der Leserin bedeuten: «Achtung, Held!» Sind Sie unsicher, ob Ihr persönlicher Geschmack massentauglich ist, dann folgen Sie Marte Cormanns Rat: Schauen Sie sich die Fotomodelle in den Versandhauskatalogen an, dort finden Sie, was gefällt .

Dr. Mertens begleitete Inspektor Lohner ins Krankenzimmer. «Frau Bucher verträgt aber keine Aufregung», erklärte er. «Ich verstehe.» Martin Lohner nickte. Er überragte den Arzt um einen halben Kopf. In seinem offenen, sonnengebräunten Gesicht unter dem dichten, blonden Haar suchten tiefblaue Augen den Blick des Arzts. «Ich fürchte, es war kein Unfall, wir haben da Indizien, die auf ein Verbrechen hinweisen.» Dr. Mertens hob erstaunt die buschigen Augenbrauen.


LEKTION 5: DIE HELDIN
Nach Hedwig Courths-Mahler, der alten Dame des Heftromans, offenbart sich die Heldin durch ihre «liebliche, schlichte Natürlichkeit und Anmut». Sie stattet die weiblichen Wesen wahlweise mit strahlenden, bernsteinfarbenen oder mit grossen, blauen Augen aus, dazu kommen ein Teint von zarter Frische und bei Bedarf schelmische Grübchen in den Wangen. Ihre zierlichen Figuren steckt sie in geschmackvolle, aber schlichte Kleider. Nehmen Sie sich ein Beispiel. Vor allem aber vergessen Sie nicht die eine, unerlässliche Charaktereigenschaft jeder Heldin: die Meisterschaft im Erdulden. Das Leben meint es selten gut mit unseren Heldinnen – zumindest noch nicht. Verfallen Sie nicht auf die tollkühne Idee, Ihre Heldin gegen das Schicksal aufbegehren zu lassen. Jede Eigeninitiative, die über ein tapferes Lächeln hinausgeht, ist verboten. Ihre Leserinnen wollen beruhigt werden: «Die Zeit wird’s schon richten.»

Ein schwerer Verband umrahmte ihr blasses, feines Gesicht. Julia Buchers rehbraune Augen musterten scheu die beiden Männer an ihrem Bett. «Ich glaube, ich habe ziemliches Glück gehabt, nicht wahr, Herr Doktor?» meinte sie und versuchte ein tapferes Lächeln. «Ja», bestätigte Dr. Mertens. «Sie und Ihr Baby haben uns ganz schön auf Trab gehalten. Nun möchte Ihnen Inspektor Lohner noch ein paar Fragen stellen. Fühlen Sie sich dazu stark genug?»


LEKTION 6: DIE ROMANZE
«Ein Arztroman ist ein Liebesroman, gespickt mit Schicksal und Krankheit», sagt die Artzromanautorin Amrein. Nutzen wir die Gunst der Stunde:

Martin Lohner suchte nach einem Grund, noch etwas länger an Julias Bett zu verweilen. «Sie konnten den Fahrer also nicht erkennen», wiederholte er ihre Aussage. Er konnte seinen Blick nicht von ihrem zarten Gesicht abwenden. Zu gern hätte er gewusst, was für Haare sich unter dem schweren Verband verbargen. Sie sah nach blonden Locken aus. Eine ungewohnte Verlegenheit ergriff ihn.

Aber zwischen zwei Verliebten oder Liebenden muss immer ein Hindernis stehen. Wenn wir den 49-jährigen Fussgänger aus Winterthur schon geschwängert haben, wollen wir das auch ausnutzen. Julia ist also auch nach dem Unfall noch in froher Erwartung. Jedes Kind hat einen Vater, und was ein redlicher Held ist, der wird bestimmt kein junges Familienglück zerstören.


LEKTION 7: DIE SPRACHE
Laut Peter Nusser finden wir im Heftroman vor allem häufig benutzte und kurze Wörter, viele gängige Redewendungen und kurze Sätze. Vermeiden Sie Fremdwörter und umständliche Satzgefüge. «Die Leser sind vom Fernsehen ein rasantes Tempo gewohnt. Da kann ich mir keine langen, schweren Sätze leisten», sagt Nicole Amrein. Hier und dort einige medizinische Fachausdrücke einstreuen, um die Krankenhausatmosphäre zu verstärken oder die Kompetenz des Arztes herauszustreichen – o. k., aber bitte mit Mass.

«Ist ihr Zustand wirklich so stabil, Dr. Mertens?» fragte Lohner besorgt, als sie leise die Türe hinter sich zugezogen hatten. «Ich bin zufrieden. Sie ist mit Prellungen, einer äusseren Kopfverletzung und einer Gehirnerschütterung davongekommen. Wir hatten innere Blutungen befürchtet. Zusammen mit dem Schock hätte das zum Verlust des Babys führen können.» – «Ich möchte dem Vater des Kindes ein paar Fragen stellen. Wissen Sie, wann er jeweils vorbeikommt?» Dr. Mertens schüttelte seufzend den Kopf: «Bis jetzt war er noch nie da. Das arme Kind scheint sowieso nur selten Besuch zu bekommen.»


LEKTION 8: DIE ZÄRTLICHKEIT
«Arztromane decken heute ein breites Spektrum ab. Die Abstufungen der Sinnlichkeit reichen von sanfter Zärtlichkeit bis zu glühend heissem Sex», informiert der amerikanische Verlag Harlequin potentielle Autorinnen. Ein Blick durch den Türspalt ins Schlafzimmer darf also, muss aber nicht sein. Sexszenen sind langweilig, fasst Nicole Amrein es kurz. Gleiten Sie vor allem nicht in eine Anatomiestunde ab, auch wenn der Liebhaber ein Medizinstudium hinter sich hat und folglich ein Experte sein dürfte. Überlassen Sie es im Zweifelsfall lieber der Phantasie der Leserin, die Lücke zu füllen, und legen Sie das Schwergewicht auf romantische Liebe, grosse Gefühle und unschuldige Zärtlichkeit.

«Wer der Vater des Kindes ist, spielt keine Rolle, Herr Inspektor», flüsterte Julia. «Wir müssen in jede Richtung ermitteln», versuchte Martin Lohner zu erklären. Julia schluchzte auf. «Es gibt nur mich und mein Kind, verstehen Sie doch!» Ihr Anblick brach ihm fast das Herz. Schüchtern nahm er, der sonst so zupackend war, ihre schmale Hand. Sie zitterte. «Alles wird gut», sagte er weich. Wie gerne hätte er Julia jetzt in seine Arme geschlossen! Mitleid und brennende Sehnsucht erfüllten ihn. Mit einem Ruck erhob er sich und verliess hastig das Zimmer. Julia fiel in die Kissen zurück und drückte die Hand, die eben noch in seiner war, an ihre Brust. Das Lächeln, das sich um ihre zitternden Lippen formen wollte, erstarb. Nein, sie hatte sich nach dem tiefen Leid, das sie erlebt hatte, geschworen: Nie wieder würde sie einem Mann vertrauen.


LEKTION 9: DIE LOGIK
Der Arztroman hat so zu verlaufen, wie die Leserin es erwartet. Führen Sie sie nie in die Irre. Da des Inspektors Gefühle in der gebeutelten Julia Nachhall finden, muss ihr (Ex-)Freund Frank sich als Fiesling herausstellen. Also jubeln wir ihm den Unfall mit Fahrerflucht unter.

Frank Lutz schaute Inspektor Lohner kalt ins Gesicht. «Julia Bucher? Kenne ich nur flüchtig. Ist das dieses blasse Geschöpf mit dem romantischen Tick? Und jetzt entschuldigen Sie, ich habe zu tun.» Martin Lohner musste zugeben: Lutz war ein gutaussehender Mann, grossgewachsen, mit tiefschwarzem Haar, kantigem Gesicht, hellen Augen. «Wir haben da aber ganz andere Informationen», sagte er, «und es gab Zeugen, deren Aussagen Ihnen nicht gefallen werden.»

Wir alle wissen, dass Frank Lutz Julia Bucher nie wirklich geliebt hatte. Sie war eine von vielen gewesen und als sie ihm eröffnete, dass sie schwanger sei, sah er rot. Nicht zuletzt aufgrund von Lohners gründlichen Ermittlungen wird Frank des Mordversuchs überführt.

Dass Frank sie nicht nur verlassen hatte, sondern sie und sein Kind hatte töten wollen, hatte Julia sehr mitgenommen. Dr. Mertens war ernsthaft in Sorge um die junge Frau und behielt sie länger in der Klinik, als es die Verletzungen erfordert hätten. Das Leid band Julia noch stärker an ihr ungeborenes Baby. Gleichzeitig begann sich das Bild eines liebevollen Gesichts vor das kantige von Frank Lutz zu schieben. Mit welchem Zartgefühl Martin Lohner sie behandelt und immer wieder einen Vorwand gefunden hatte, bei ihr vorbeizuschauen und sie aufzumuntern!

Jetzt aber auf die Bremse! Schliesslich haben wir noch fünfzehn Seiten zu füllen. Zögern Sie hinaus, worauf die Leserin sehnlichst wartet.

Julia legte ihre Hände auf ihren Bauch mit der sanften Wölbung. Tränen stiegen in ihr auf. Wie könnte ein solcher Mann jemals eine Frau wollen, die ein Kind von einem anderen erwartet. Von einem Verbrecher! Seitdem Martin Lohner aus ihrem Zimmer gestürmt war, hatte er sie nicht mehr besucht. «Ich muss ihn mir aus dem Kopf schlagen.» Es gab ihr einen Stich ins Herz.

Martin Lohner wälzte sich unruhig im Bett, der Wecker würde bald läuten, und er hatte kaum Schlaf gefunden. Wie konnte er Julia zumuten, nach all dem, was sie an Schwerem erlebt hatte, sich wieder einem Mann zuzuwenden: ihm? Nach Dienstschluss fasste er sich ein Herz und fuhr zur Klinik. Vor Julias Zimmer begegnete er Dr. Mertens, der ihm schweigend die Hand auf die Schulter legte. Hatte er sich so wenig unter Kontrolle, dass selbst der Arzt etwas gemerkt hatte? Wollte er ihm bedeuten «Lassen Sie sie»? Zögernd kehrte er um.

Dabei ahnen wir alle schon seit Beginn: Alles wird gut. Aber erst die Gewissheit löst jenes wohlige Gefühl aus, das Liebesromane zur Sucht werden lässt. Die Trivialliteratur arbeitet laut Peter Nusser stets mit der Strategie der Bestätigung. «Sie hält ihre Leser genau auf dem Bewusstseinsstand, auf dem sie sich schon vor der Lektüre befunden haben.»


LEKTION 10: DAS HAPPY END
Sie haben es fast geschafft. Wie originell Ihre Einfälle zwischen Seite 3 und Seite 55 auch sein mögen, für den Schluss gelten wie für den Anfang eiserne Regeln. Wenn Sie zwischendurch Herzen brechen lassen und getrost auch einen Toten riskieren dürfen – auf den letzten Seiten sind Mätzchen tabu. Die Liebenden finden zusammen, basta. Also los: Drehen Sie den Schmalzhahn auf!

Julia Bucher war auf dem Weg zum Taxistand des Krankenhauses. «Julia!» Sie drehte sich überrascht nach der vertrauten Stimme um. «Herr Inspektor?» Sie bemühte sich, ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu verleihen: «Haben Sie wieder einen Fall hier zu untersuchen?» – «Nein, Julia, ich wollte …», er stockte, «… ich wollte Ihnen alles Gute wünschen.» Das Taxi wartete schon. «Na dann auf Wiedersehen!» sagte Julia mit fester Stimme. Doch Martin hielt sie am Arm zurück. «Warte, Julia. Ich kann nicht mehr schweigen!» stiess er hervor.

Jetzt muss es kommen.

«Ich liebe dich! Ich habe dich so schrecklich lieb gewonnen. Aber erst dachte ich, du seist schon vergeben, und dann … und dann …», er wusste nicht weiter. Julia wandte ihr Gesicht ab und sagte mit erstickter Stimme: «Versteh doch. Ich will dieses Kind bekommen. Du, du kannst jede Frau haben. Du wirst deine eigene Familie gründen.»

Da zog er sie sanft an sich und strich ihr zärtlich eine Strähne aus dem schmalen Gesicht. «Versteh du doch. Ich will dich und das Baby. Mit euch will ich eine Familie gründen und mit niemandem sonst auf der Welt.» – «Mit … uns … beiden?» flüsterte Julia. «Mit euch beiden!» wiederholte Martin. «Das heisst, wenn ihr mich wollt.» Jetzt blitzten seine Augen schalkhaft. «Ich glaube … ich glaube, wir wollen», hauchte sie.

Nun gab es für Martin Lohner kein Halten mehr. Er umfasste mit seinen kräftigen, warmen Händen Julias zierlichen blonden Kopf und verschloss ihre bebenden Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss. Sie bemerkten nicht, dass der alte Arzt unter der Tür stand und ihnen lächelnd zusah.

Wunderschön, oder?

Andrea Strässle ist Biologin und freie Journalistin. Sie lebt in Zürich.


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