NZZ Folio 02/05 - Thema: Normen   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Mein Thai

Von Mikael Krogerus

Frau Sumitra Salzmann, Sie sind Vorsitzende der Thailändisch-Schweizerischen Gemeinschaft, was macht Ihr Verein?

Wir sind eine Interessengemeinschaft für Thailänder in der Schweiz. Wir helfen unseren Mitgliedern mit der Sprache und der kulturellen Eingewöhnung. Ausserdem feiern wir Feste, zu denen wir auch Nichtmitglieder einladen, damit sie unsere Kultur kennenlernen. Meistens sind die Schweizer, wenn sie uns erst mal kennen, sehr begeistert.

Ihr Heimatland wurde Opfer einer schrecklichen Naturkatastrophe – wie kann hier Ihr Verein helfen?

Wir haben einen Spendenaufruf von der thailändischen Botschaft bekommen und geben das weiter. Aber wir wollen nicht einfach nur spenden. Ich reise demnächst nach Thailand und suche ein Projekt aus, dem wir helfen wollen. Dann wissen wir genau, wie unser Geld verwendet wird.

Wie bewerten Sie die enorme internationale Spendenfreude?

Die Menschen sind mitfühlend und sehr freundlich. Aber es gibt viele Probleme in dieser Welt, die jahrelang vergessen wurden: Hunger, Aids, Armut. Wir müssen aufpassen, dass das Spendengeld nicht nur dorthin geht, wo die Medien präsent sind, sondern auch in die armen Regionen abseits der Tourismuszentren.

Immer noch wird Thailand von grossen Teilen der Schweizer Bevölkerung mit dem Sexgewerbe assoziiert. Wie steht Ihr Verein zu dieser Frage?

Prostitution ist eine Arbeit, für die es eine grosse Nachfrage gibt. Deshalb ist sie auch in Thailand weit verbreitet. Es ist aber ein Vorurteil, dass Thailand nur vom Sextourismus lebt. Die meisten Touristen reisen aus anderen Gründen nach Thailand.

Und welche Vorurteile haben Thailänder gegenüber Schweizern?

Schweizer kümmern sich nicht um ihre Familien. Wer seine Verwandten besuchen will, muss vorher anrufen! Und angeblich ist die Schweiz ja das Musterland der Demokratie und Freiheit, aber nach 22 Uhr darf man nicht mehr duschen, das finden wir sehr komisch.

www.thaiverein.ch


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