Charles Adusei, Kumasi (GH), ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 10 und 3 Jahren. Sein Hobby ist der Kirchenchor. Er fährt einen Opel Omega, Baujahr 1991.
Kumasi hat 700 000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Region Aschanti im Süden Ghanas.
Charles Adusei verdient etwa 2 400 000 ghanaische Cedi (340 Franken) im Monat. Seine Frau führt einen kleinen Lebensmittelladen, der täglich rund 40 Franken umsetzt. Den Gewinn legen die Aduseis für den Bau eines Hauses zurück. Die Familie wohnt in einer Zweizimmerwohnung ohne Küche; die Toilette ist auf dem Hof. Die Monatsmiete beträgt 80 Franken, Adusei musste sie – wie in Ghana üblich – drei Jahre im Voraus bezahlen.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Ich arbeite täglich von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends. Nur samstags, wenn meine Kirche ihren Gottesdienst feiert, ruhe ich mich aus. Sonst mache ich nur frei, wenn in der Kirche Veranstaltungen sind, bei denen unser Chor singt.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Ich habe einen Laden, den meine Frau führt. Sobald er richtig floriert, werde ich das Auto meinen Kindern überlassen, den Laden erweitern und dort mit meiner Frau gemeinsam arbeiten. Aber bis ich 40 oder 45 bin, werde ich vermutlich Taxi fahren.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Nur die Angestellten im öffentlichen Dienst haben das Privileg, Urlaub zu machen. Wenn du hier in Ghana als Selbständiger Urlaub machst, gehst du unter. Deine Familie kollabiert. Aber manchmal gehe ich zu Beerdigungen. Die letzte war die meiner Grossmutter. Da bin ich für eine Woche in meine Heimatstadt Asante Asokore gefahren.
Warum wurden Sie Taxifahrer?
Das ist der Beruf, der mich ökonomisch weiterbringt. Ich bin gelernter Schreiner, aber meine Noten waren nicht gut genug, um Ausbilder zu werden. Und um eine eigene Werkstatt einzurichten, braucht man ein hohes Startkapital, weil die Maschinen sehr teuer sind.
Wie viele Kilometer legen Sie pro Tag zurück?
Von hier bis zum Stadtteil Atwima Techiman sind es ungefähr 5 Kilometer. Und ich schätze, dass ich am Tag 20-mal hin- und herfahre.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Die führte nach Membie in der Region Brong Ahofo. Ich brauchte 3 Stunden und verlangte dafür 50 Franken.
Wer war Ihr prominentester Gast?
Mein Freund Samuel. Er ist ein jovialer Typ. Er kennt jeden, und alle mögen ihn. Aber einen wirklichen Prominenten hatte ich noch nicht.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
1 Franken 40, aber es ist nicht üblich, Trinkgelder zu geben.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Kleingeld, Mobiltelefone, Schlüssel. Normalerweise bringe ich es zur Taxistation. Bei Mobiltelefonen lasse ich den Fund über das Radio durchgeben.
Wie reagieren Sie im Stau?
Ich übe mich in Geduld, sonst baut man einen Unfall.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ja. Manchmal diskutieren die Fahrgäste ihre Probleme mit mir. Dann gebe ich ihnen gern Ratschläge.
Was war Ihre höchste Busse?
Vor zwei Monaten haben sie mir 7 Franken abgenommen, weil meine Versicherung abgelaufen war. Hier in Ghana läuft das so: Die Polizisten steigen in dein Auto und sagen: «Du hast das und das gemacht. Damit können wir dich vor Gericht bringen. Wenn du dir aber das Hin-und-her-Gerenne auf den Ämtern ersparen willst, gib uns soundso viel und wir beenden den Fall.» Daraufhin bitte ich um einen Preisnachlass und zahle. Aber ich zahle nur, wenn sie mir wirklich etwas nachweisen können.
Welches ist der schönste Ort Ihrer Stadt, und was kostet die Fahrt vom Flughafen dorthin?
Manhyia Palace, der Palast des Aschantikönigs. Die Fahrt dorthin dauert fünfzehn Minuten und kostet 4 Franken 30.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Natürlich habe ich das. Wenn man die nicht fürchtet, verliert man sein Leben. Aber hier in Ghana werden Taxis eigentlich nicht überfallen. Es gibt hier keine Waffen.
Was war die gefährlichste Situation, in die Sie geraten sind?
Das Gefährlichste ist mein unstetes Einkommen. Schulgebühren, Arztkosten und alle anderen Kosten – das ist nicht leicht für mich.
Wie verwöhnen Sie sich?
Oh, ich freue mich, wenn meine Frau und meine Kinder in meiner Nähe sind. Und ich bin ein Sänger. Darüber freue ich mich und danke Gott. Denn nicht jeder kann singen oder ein Kind kriegen. Nicht jeder hat eine Frau.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Dann würde ich jemanden unterstützen, sein Kind zur Schule schicken zu können. Für mich möchte ich ein Haus. Aber das wird Gott schon richten.
Taxameter
Taxameter gibt es in Kumasi nicht. Eine Fahrt von 10 Kilometern kostet etwa 2 Franken. Adusei arbeitet für eine Station mit Sammeltaxis, die zu festen Preisen feste Strecken bedienen. Dem Stationsvorsteher zahlt er 60 Rappen im Monat.
Ghana
Einwohner: 25 500 000
BIP pro Kopf: CHF 360
Benzin: 1 l CHF 0.95
Milch: 1 l CHF 2.40
Coca-Cola: 1 l CHF 2.90
Brot: 1 kg CHF 1 .43
Reis: 1 kg CHF 2.65
Kinobillett: CHF 2.90
Zigaretten: CHF 1 .40