NZZ Folio 10/08 - Thema: Gratis   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Rosskur für den Hintern

© Patrick Rohner
Two-Tone-Reiterhose, Baumwolle, Equi-Thème, 98 Franken (bei Qualipet). Linktext
Von Jeroen van Rooijen
Es gibt einigen Bekleidungsbedarf, den man nicht in konventionellen Boutiquen und Warenhäusern decken kann. Reiter zum Beispiel finden die für ihren Sport notwendigen Artikel nur über spezialisierte Kataloge, im Internet oder beim Tierfachhandel – zum Beispiel bei Qualipet im zürcherischen Dietlikon. Dort allerdings gibt es dann gleich das volle Programm: 20 verschiedene Reiterhosen zwischen 69 und 169 Franken stehen zur Auswahl.

Wir entschieden uns für die «Two-Tone-Ganzbesatzhose» von Equi-­Thème, nicht zuletzt des angepriesenen «Coup dernier cri» wegen. Der letzte Schrei: Das ist für Reitsportler vielleicht ein etwas doppeldeutiges Versprechen, aber nun gut, man wird ja nicht gleich mit einem letalen Abwurf rechnen müssen.

Damit man beim Aufsteigen nicht auf der anderen Seite des Pferdes wieder runterfällt, ist die enganliegende Reithose am Gesäss und an den Innenschenkeln aus einem rutschfesten Velourslederimitat gearbeitet, das im Sattel optimalen Halt bietet. Das nicht gewobene Material ist dem Möbelstoff Alcantara ähnlich und besteht aus Nylon und Polyurethan. Die beiden dunkleren Teile sind am Hintern mit einer doppelt gekettelten Naht verbunden, deren einzelne Fäden von Hand nicht zu zerreissen sind. Diese Naht dürfte also auch bei einem rauhen Galopp nicht so bald den Geist aufgeben. Hinten reicht dieser Einsatz bis zum Steissbein, am Innenbein bis unters Knie.

Die übrigen Teile der Hose, also Vorderbeine, Front und Bund, sind aus einem dichten, in zwei Richtungen dehnbaren Baumwollgestrick genäht, das vier Prozent der superdehnbaren Komfort­faser Lycra enthält. Der Bund ist innen mit einem weichen Gummiband gearbeitet und wird mit einem stabilen Haken der deutschen Firma Gutos geschlossen. Die Gurtschlaufen sind wohl eher Dekoration, denn welcher Reiter würde mit einem Gürtel die Bequemlichkeit dieser Bundkonstruktion wieder aufheben?

Die Equi-Thème-Hose hat keine Hosentaschen, dafür ein kleines Beutelchen für den Hausschlüssel, das rechts vorne im Bund eingearbeitet ist. Phänomenal stabil ist die Front verarbeitet: Der feine Reissverschluss ist mit mehreren Naht­reihen befestigt und ganz unten mit einer doppelten Stofflage gesichert. Dieses Detail macht den Hosenlatz, der beim Reiten stark belastet wird, zur absoluten Hochsicherheitszone. Am Saum hat die dreiviertellange Reithose einen kleinen Schlitz mit Klettverschluss. Dies erleichtert das Anziehen des engen Kleidungsstücks. Der Schlitz ist beim Reiten aber nicht sichtbar, weil darüber ja traditionell der Reitstiefel getragen wird.

Der Markenname Equi-Thème ist dem lateinischen Wort für Pferd (equus) entliehen. Das Label ist eine Kreation der französischen Reitsportspezialistin Ekkia (vormals Ukal), welche die französische ­Reitsport-Nationalmannschaft ausstattet. Standort der Firma ist das elsässische ­Hagenau, wo auch Sébastien Loeb herkommt, den in Frankreich jedes Kind kennt, weil er beruflich mit über 300 Pferdestärken unterwegs ist. Allerdings nicht hoch zu Ross, sondern als Rallyfahrer.

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.



Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.