KLEINKINDER sind bekanntlich, jedenfalls die jeweils eigenen, überaus süss und schnuckelig. Das hat mit ihrem Aussehen zu tun, mit ihrer Tapsigkeit sowie mit der Mutter Natur, welche dies in weiser Voraussicht so trefflich eingerichtet hat. Denn nur deshalb sind Kinder überhaupt auszuhalten. All die unappetitlichen Verrichtungen, die ihre Inkontinenz so mit sich bringt, das Gesabber bei Tisch und das Geplärr bei Nacht, ihre unglaubliche Rücksichtslosigkeit und ihr unverhohlener Egoismus würden wir unseren Kleinen niemals verzeihen, wenn sie nicht so herzig wären sowie aus unserem eigenen Fleisch und Blut.
Um so unverständlicher ist es, dass viele Eltern alles daransetzen, ihren Nachwuchs mit hässlichen Kleidern und Accessoires derart zu verunstalten, dass sie zu Zerrbildern ihrer selbst verkommen.
Was den Kindern an Scheusslichkeiten übergezogen wird, mit welchen Geschmacklosigkeiten ihre Zimmer angefüllt werden - es ist kaum zu fassen. Die weltschlechtesten Illustratoren werden zum Bärenzeichnen eingeladen, und ihr übelstes Werk wird millionenfach auf Pullover, Nachttöpfe und Gegenstände aller Art gestickt, geklebt, gedruckt. Neben Bären werden vor allem Clowns und Elefäntchen zur Verunstaltung von Kinderartikeln eingesetzt, aber auch grinsende Affen und Käfer sind häufig. Ob die Hersteller schuld sind, die solchen Schrott produzieren, oder die Eltern, die ihn kaufen, ist schwer zu sagen. Sicher ist nur, dass läppische Hässlichkeit die Regel ist.
Es gibt zwar ein Entrinnen oder zwei, aber beide sind fragwürdig. Erstens kann man die Kinder in kunstgewerblich korrekte Kleider aus Naturfasern in Pastell- und Erdfarben stecken. Allerdings sehen sie dann aus wie frühreife Handarbeitslehrerinnen bzw. wie Mini-Anthroposophen.
Oder man kauft in einschlägigen Boutiquen zu exorbitanten Preisen Designermode in Kindergrössen, was die Boys und Girls zu affigen Modepüppchen macht. Wer weder das eine noch das andere will, kann nur resignieren und geduldig warten, bis die Kleinen gross sind.