Ein kleines Eichenfass erobert die Welt. Kaum noch ein Weinproduzent, der etwas auf sich hält, der seinem Charme nicht erlegen wäre und die eine oder andere Provenienz dem exakt 225 Liter fassenden Fässchen für 12 oder 18 Monate anvertraut hätte. Zum Wohle des Weins? Eine klassische Streitfrage für Weinliebhaber. Denn nicht jedem Traubenmost bekommt das spezielle Eichenfass, das Barrique, und nicht jedes Eichenfass ist das richtige, weil ja Eiche nicht einfach Eiche ist.
Zu Barrique verarbeitet werden die edlen Eichenstämme aus Limousin, Nevers, Allier oder den Vogesen (eine etwas mindere Qualität kommt aus Jugoslawien). Eine reiche Palette, aus der der Produzent zunächst die ideale Ergänzung zu seinem Wein auszuwählen hat. Nevers- und Allier-Eichen sind von konzentrierter Beschaffenheit und passen deshalb zu kräftigen Weinen, zu Gewächsen aus Bordeaux beispielsweise. Das gröbere Limousin-Holz dagegen findet bevorzugt für die Lagerung von Weinspirituosen Verwendung.
Das Barrique ist, wie so vieles beim Wein, ein sensibel Ding. Nach höchstens fünf Jahren wird es ersetzt. Und es hat seinen Preis. Weniger als 800 Franken kostet es nur, wenn das Holz künstlich getrocknet wird. Dies hat allerdings wiederum den Nachteil, dass das Holz - aussen zwar trocken, innen aber noch grün - unerwünschte Säure abgibt. Das gute Barrique hingegen muss über ein Jahr langsam trocknen. Nur dann kann sich der Gerbstoff des Holzes mit dem Gerbstoff der Traubenbeeren im chemischen Prozess der Polymerisation (das ist die Bildung von Makromolekülen) optimal verbinden. Ganz Spitzfindige ordern schliesslich schwach, mittel oder stark getoastete Fässer, je nachdem, welcher Röstton ihrem Wein am besten ansteht.
Passt der Wein zum Barrique (und umgekehrt), ist der Anfang zu einem grossen, lagerfähigen Wein gemacht. Das kleine Fass spendet dem Rebensaft den Duft nach gerösteter Eiche, ein Aroma, das sich später auf wundersame Weise in Noten von Vanille, Caramel, Lychees oder Ananas verwandeln kann. Ist der Wein indes ein dünnes Weinchen oder das Holz zu kräftig, taugt das Ergebnis freilich noch am besten zur Gartenzaunbeize. Das Holz hat es in sich, fast so sehr wie der pure Wein.