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Rätsel -- Die verlegten Toten
© Anna-Lina Balke
Die letzte Predigt kam zu spät. Die Verstorbenen wurden ausgegraben und in Kindersärge umgebettet – wo war das? Raten Sie mit – und gewinnen Sie!
Von CUS
So lang dauerte die ewige Ruhe nicht. Dann kamen Bagger und Sprengmeister, rissen die Kirche weg. Den Friedhof hätte man lassen können, wo er war, aber vielleicht wären dann die Grabsteine wegplaniert worden? Und was wäre mit den Gebeinen der Vorfahren geschehen? Eine Betonplatte über den Friedhof legen, lautete ein Vorschlag aus der grossen Stadt. Nein, das wollten die Lebenden nicht.
Viel böses Blut hat es damals wegen der umstrittenen Abstimmung im Dorf gegeben. Wegen der vielen, die Ja stimmten, und den wenigen Unbeugsamen. Haben nicht die Herren aus der Stadt dem Wahlergebnis mit geradezu schein-baren Argumenten nachgeholfen? Erst die allerletzte Predigt in der alten Kirche soll auch den Ja-Sagern das Herz geöffnet haben. Zu spät.
Die Lebenden verlegten den Friedhof an einen sicheren Ort. Gruben ihre Vorfahren aus, betteten sie in kleine Kindersärge um, denn das reichte für die Handvoll Knochen, begruben sie wieder und diesmal endgültig, so hoffte man, auf dem neuen Friedhof.
Jahrzehnte später kam nochmals Unruhe auf, als ein Filmteam gerade hier auf dem Friedhof drehte, inmitten der idyllischen Schweizer Bergwelt. Heute ist der Friedhof der letzte Treffpunkt der vielen Menschen, die fortgezogen sind, und der Menschen, die dageblieben sind, und ihrer Ahnen. Weit geht der Blick von hier über Berge und Wasser, das hätten sich die Vorfahren nun wirklich nicht träumen lassen. Die Nachbargemeinde bergan gilt als italienischsprachig, obwohl – Sprachen hat’s hier viele. Allein der Name des Ortes! Klingt wie eine der verwunschenen Inseln aus «Gullivers Reisen». Er gab dann auch dem bereits erwähnten Film seinen Titel. Bis heute wirkt die ganze Gegend verwunschen, und der Film setzte noch eins drauf. Wie heisst dieser Ort?
Auflösung des Rätsels aus Folio 12/09
Die Lösung unseres letzten Rätsels fanden fast alle Einsender heraus, auch wenn manchen die Personen durcheinandergerieten: Gesucht war das Jahr 1938, geschildert die Erstbesteigung der Eigernordwand. Das berühmteste Mitglied der Seilschaft wurde später Heinrich Harrer («Sieben Jahre in Tibet»), er bekam den Anzug des Hoteldirektors auf der Kleinen Scheidegg. Doch Harrer war 1938 nicht der Seilchef – das war der Heckmair Anderl, ein bayrisch-anarchisches Urviech. Nach dem Eiger-Erfolg mussten die vier bei Hitler antreten, ihrer maladen Zehen wegen in Filzpantoffeln.
CUS ist Rätselmacher, auch für NZZ Folio; er lebt in München.
Einsenden und gewinnen: Wer das Rätsel gelöst hat, kann die Antwort an folioraetsel@nzz.ch schicken (oder per Post an Verlag NZZ Folio, Rätsel, 8021 Zürich). Aus den Einsendern der richtigen Lösung wird ein Gewinner ausgelost, der eine exklusive Folio-Bleistiftbox und ein Folio-Notizbuch erhält. Einsendeschluss ist der 11. Januar 2010; der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ende 2010 werden alle Monatsgewinner überdies zu einem Nachtessen mit dem Rätselmeister CUS eingeladen. Gewinnerin des Dezemberrätsels war Margrit Bass-Mahler aus Tamins GR.
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