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NZZ Folio 03/09 - Thema: Entscheidungen Inhaltsverzeichnis
Zerlegt -- Dieses Kleid braucht keine Begleitmusik
© Patrick Rohner
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| Sommerkleid, Seidengeorgette und Tüll, Akris, 4500 Franken. |
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Fünfeinhalb Meter Seide, viel technisches Know-how und Handarbeit: Gegen solche Designermode kommen Massenartikler nicht an – aber sie hat ihren Preis.
Von Jeroen van Rooijen
Wenn es heute noch Gründe geben soll, sein Geld in Designermode zu investieren, dann müssen es Qualität und Verarbeitung sein. In diesen Disziplinen machen die Massenartikler zwar Boden gut, doch werden sie niemals mit den Besten gleichziehen können. Designermarken wie das traditionsreiche Schweizer Familienunternehmen Akris sind darum auch in Zukunft die Innovationsmotoren dieser Branche – Kreativlabors, in denen Dinge ausprobiert und realisiert werden, an die sich knallhart rechnende Unternehmen nicht heranwagen.
Das «Step Pleat Dress» des Designers Albert Kriemler ist ein Stück Handwerkskunst, das nie als Budgetvariante zu haben sein wird – weil darin eine Menge exklusives Material, gestalterische Detailverliebtheit, technisches Know-how und Handarbeit stecken. Das beginnt beim Material, das Akris zusammen mit dem St. Galler Nouveauté-Spezialisten Jakob Schlaepfer entwickelt hat. Der Druck zeigt die digital veränderte Fotografie eines Gartenteichs. Am Computer wurde das Bild so lange verfremdet, bis es den Vorstellungen des Designers entsprach und in die aktuelle Frühlingskollektion passte, die eine Hommage an den schottischen Gartenkünstler Ian Hamilton Finlay ist.
Von dem hauchfeinen, grossflächig im Inkjet-Verfahren bedruckten Seidengeorgette werden fünfeinhalb Meter für ein Exemplar des hier zerlegten Kleides verbraucht. Jede der Längsfalten wird einzeln gelegt, abgenäht und gebügelt. Dabei wird im Vorderteil durch eine minime Veränderung der Faltentiefe auch subtil die Körperform nachgezeichnet.
Der aufwendigste Arbeitsschritt ist das Verarbeiten der über der Brust zusammenlaufenden horizontalen und vertikalen Falten durch behutsames Einfassen der rechtwinkligen Kanten. Ist dies bewerkstelligt, wird das Paneel von Hand auf ein fast unsichtbares Bruststück aus hautfarbenem Seidentüll (aus Ostschweizer Produktion) genäht. Die Kanten dieses Stoffes werden mit Hilfe eines speziell bei Akris modifizierten Overlockgerätes scheinbar unsichtbar eingefasst.
All dies bewerkstelligt Akris nicht in Rumänien, Marokko oder China, sondern in eigenen, höchst modernen Ateliers im Appenzellerland, in St. Gallen und im Tessin. Zugeschnitten wird diesseits, genäht jenseits der Alpen. Wo genau, muss an dieser Stelle ungenannt bleiben, so sehr ist die Familie Kriemler auf Diskretion bedacht. Die mit keinem Logo beschrifteten Produktionsgebäude sind unscheinbar und nicht dazu angetan, Neugierige anzulocken.
Natürlich hat eine solche textile Delikatesse, die im Rücken mit einem federleichten Reissverschluss und einem Knöpfchen geschlossen wird, ihren Preis. Getragen wird das «Step Pleat Dress» für 4500 Franken am besten zu einer gepflegten Cocktail- oder Gartenparty. Oder am Wochenende für einen graziösen Auftritt in der Stadt, mit einem schlichten Trenchcoat drüber und hautfarbenen Schuhen, wie Kriemler empfiehlt. Schliesslich braucht ein solches Kleid keine grosse Begleitmusik.
Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.
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