NZZ Folio 10/99 - Thema: Panama   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Pipa mirabilis

Von Thomas Brunnschweiler

PFEIFENPURISTEN lieben die klassischen Formen: Apple, Bent, Billard, Cad oder Pot. Es gibt aber auch Raucher, die das Sonderbare suchen. Als tabakistische Schatzjäger sind sie stets dem Aussergewöhnlichen auf der Spur: der ganz speziellen Pfeife, der Pipa mirabilis. Natürlich gibt es in der historischen Pfeifenkunde viele Beispiele ungewöhnlicher Schnitzereien in Holz oder Meerschaum. Darum geht es hier nicht, vielmehr um Pfeifenspezialitäten unserer Tage.

Mauro Armellini gehört zu jenen Pfeifenmachern, die immer wieder mit originellen Formen aufwarten. Da ist etwa eine Pfeife mit Kubuskopf, welche den Bauhaus-Fan ebenso ziert wie den Sammler von Mondrian. Die Doppelkopf-Pfeifen von Armellini - in Tandem- oder Paarform - ermöglichen es, zwei verschiedene Füllungen nacheinander oder auch synchron zu rauchen: gleichsam ein sensorischer Stereo-Effekt für Raucher, die das mono-aromatische Einerlei satt haben.

Der deutsche Pfeifenmacher Ingo Garbe ist den umgekehrten Weg gegangen. Er hat ein Einzelstück geschaffen, das sich als Friedenspfeife für zwei verfeindete Konzernchefs eignet: eine Pfeife mit zwei gegenüberliegenden Mundstücken, die es zwei Personen ermöglichen, denselben Kopf gleichzeitig zu benutzen.

Wer ein Rauchinstrument möchte, das sich ohne Ständer abstellen lässt, kommt mit Amorellis Bent auf die Rechnung, deren Mundstück zu einem anmutigen Einbein verlängert ist. Allen, die sich nicht zwischen Cigarre und Pfeife entscheiden können, sei die deutsche Zeppelin-Pfeife empfohlen, die zwar von weitem wie eine Cigarre aussieht, sich in der Nähe jedoch als zeppelinförmige Pfeife entpuppt. Zum eleganten Bruyère-Torpedo mit der Metallkappe gibt es einen ebenso formschönen Stopfer. Die rötlichbraunen Rauchstangen knüpfen im Grunde an die indianischen Rauchrohre (chamal) an, die schon im Buch des Jaguarpriesters von Chumayel vorkommen. Hier lässt sich wahrhaft sagen: Pipa mirabilis!


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.