Sepp Geser, Sie sind der Präsident des Trabantclubs Schweiz. Was machen Sie da?
Wir vertreten die Interessen rund um den Trabi und kümmern uns um die Bedürfnisse, die sich aus dem Halten dieses speziellen Fahrzeugs ergeben.
Was ist speziell daran?
Er ist hübsch und schnuckelig. Vor allem fasziniert die einfache, währschafte Technik aus den 50er Jahren.
Stimmt es, dass die Karosserie aus Kunststoff ist?
Nur halb. Es ist in Kunstharzbinder getränktes Baumwollvlies. Unter der kunststoffartigen Verkleidung ist dann Eisen – das leider auch rostet.
Kann man Trabis heute noch kaufen?
Das ist einfach. Extrem schwierig aber ist es, ihn durch die Zulassung zu bringen. Im einen Kanton haben sie Freude am Kultauto, anderswo sehen sie im Trabi nur eine Stinkrochel.
Was ist der Knackpunkt?
Vor allem die Abgase. Dabei ist der Ausstoss gar nicht so gross. Der Zweitaktmotor verbraucht bloss sechs bis sieben Liter, dasselbe Öl-Benzin-Gemisch wie für Mofas. Und nur wenige unserer 31 Mitglieder benutzen den Trabi als Hauptverkehrsmittel.
Gibt es verschiedene Modelle?
Limousine und Kombi sind die zwei Hauptvertreter. Dann gibt es den «Kübel» als DDR-Version des Militärjeeps und seine zivile Variante, den «Tramp».
Woraus besteht das Vereinsleben?
Im Vordergrund stehen Informationsaustausch und Ersatzteilbeschaffung. Dann organisiert man auch mal einen Grillnachmittag, fährt gemeinsam aus oder besucht in spontan zusammengewürfelten Gruppen eines der etwa dreissig Trabi-Treffen in Deutschland.
Geht’s auch um DDR-Verherrlichung?
Überhaupt nicht. Ich pflege viele Freundschaften zu Menschen, die in diesem System lebten. Der Ostdeutsche ist ein bescheidener, aufrichtiger, sympathischer Typ, der nichts beschönigt, aber auch nicht alles von damals schlecht findet. Das ist nicht der Deutsche, der mit dem grossen BMW oder Mercedes in der Schweiz herumklotzt.