NZZ Folio 06/98 - Thema: Das Mittelmeer   Inhaltsverzeichnis

Wunderblock -- Der Grand Prix der Rasenmäher

Von Andreas Heller

WIE DAS KIRCHENGELÄUT zum Sonntagmorgen gehört das Konzert der Rasenmäher zum sommerlichen Samstagnachmittag. Da heulen, in der Vorstadt und auf dem Lande, gleich mehrstimmig die Viertakt- und Elektromotoren, dass es eine Freude ist. Ein Samstagnachmittag im Garten - das ist ein bisschen wie Grand Prix von Monaco. In der Pole-position: Nachbar S. mit seiner feuerroten Go-Kart-Version des «Wolf-Garten» mit Dreigangschaltung, verstellbarer Schneidhöhe, 6 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 10 km/h. Nicht schlecht im Rennen auch Herr B. mit seiner Honda HF 1211 mit 11 PS, fünf Gängen und einer Spitzengeschwindigkeit von 7,5 km/h. Es folgt das breite Feld der Luftkissen-, Spindel- und Mulchmäher, bei denen das Schritttempo die Gangart bestimmt, die jedoch, gerade was die Schnittqualität betrifft, ihre eigenen Vorzüge haben. Die Wahl des Rasenmähers will mit Bedacht getroffen werden. Es gilt, das Gefährt auf Gelände, Rasen und sozialen Status abzustimmen. Nur lautlos darf das Ding auf keinen Fall sein. Denn das Rasenmähen ist nun einmal eine Domäne der Männer, die Pferdestärken und Motorengebrüll über alles lieben - und das Jäten grosszügig den Frauen überlassen.




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