NZZ Folio 11/02 - Thema: Humor   Inhaltsverzeichnis

Ha! Ha! Ha!

© Gerhard Glück, Kassel
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Was die Wissenschaft über das Lachen herausgefunden hat, ist überraschend: Lachen hat wenig mit Humor zu tun.

Von Robert R. Provine

Lustig ist gut. Wir suchen und schätzen die Gesellschaft lustiger Menschen, die uns lachen machen. Lustig (oder witzig) ist, was uns zum Lachen oder zumindest zum Lächeln oder Schmunzeln bringt. Lustiges reicht von witzigen Bemerkungen über Slapstick bis hin zum Clown, der sich vornüberbeugt und seinen Hintern zeigt. Aber unser Lachen als Reaktion auf ein lustiges Ereignis zu erklären, wäre ungefähr so erhellend wie festzustellen, dass wir über Dinge lachen, die uns zum Lachen bringen. Es würde rein gar nichts erklären.

Die Einschätzungen, was lustig ist und was nicht, sind höchst subjektiv, sie variieren von Mensch zu Mensch und von Kultur zu Kultur und führen eher zu Streit als zu grösserem Verständnis. Auch die grossen Denker der Geistesgeschichte bemühten sich immer wieder um eine Erklärung des Lustigen und brachten dabei keinerlei Einvernehmen zustande. Schopenhauer hielt das Lachen für die Antwort auf eine plötzlich wahrgenommene Inkongruenz, Kant führte es auf das Verschwinden einer Erwartung zurück, Freud auf den Wegfall einer Nervenspannung, Hobbes sah darin den Ausdruck eines Überlegenheitsgefühls und Platon das Ergebnis mangelhafter Selbsterkenntnis.

Obschon diese Autoren uns heute noch nützliche Einsichten vermitteln können, bleiben sie doch einem vorwissenschaftlichen Zeitalter verhaftet, in dem Logik und Anekdote mehr zählten als empirische Daten. Es empfiehlt sich daher, sich all seines Vorwissens darüber zu entledigen, warum manche Dinge lustig sind, und ganz einfach mit der Beobachtung dessen zu beginnen, was die Menschen im täglichen Leben zum Lachen bringt. So naheliegend und einfach ein solches Vorgehen auch anmutet, so sehr überrascht es, dass in der über zweitausendjährigen Geschichte des Nachdenkens über Lachen und Humor noch niemand darauf gekommen ist. Vielleicht werden manche in der vorliegenden Darstellung eine gewisse Vernachlässigung des Geistigen beklagen, aber die intellektuellen Hilfsmittel der Beobachtung und der wissenschaftlichen Methode führen uns zu Entdeckungen, die weit über den Rahmen philosophischer Untersuchungen hinausreichen, so brillant deren Urheber auch gewesen sein mögen.

Um zu begreifen, was in meiner Heimatstadt Baltimore im Staate Maryland (USA) für lustig gehalten wird, begann ich mit Unterstützung von drei Studenten, Situationen festzuhalten, in denen gelacht wurde. Wir beobachteten 1200 Fälle, in denen uns unbekannte Personen in der Öffentlichkeit zu lachen anfingen, war es nun in einem Einkaufszentrum, auf offener Strasse oder in der Mensa der Universität. Wann immer wir ein Lachen als lautstarke Bestätigung eines lustigen Ereignisses vernahmen, notierten wir das Geschlecht des Sprechers (der Person, die unmittelbar vor dem Gelächter gesprochen hatte) und des Publikums (derjenigen Personen, die der sprechenden Person zuhörten), wir hielten fest, ob die sprechende Person oder das Publikum lachte und was die sprechende Person unmittelbar vor dem Lachen gesagt hatte.

Zunächst trauten wir unseren Daten kaum. Das weitverbreitete Stereotyp vom Bühnenkomiker, der das Publikum mit unbewegtem Gesicht und trockenen Witzen zum Lachen bringt, ist weit von der Alltagssituation entfernt. Das Gegenteil ist der Fall, Sprecher und Sprecherinnen lachten selbst anderthalbmal so oft wie ihr Publikum. Die Untersuchung zeigte zudem, dass dem Lachen mit grosser Wahrscheinlichkeit völlig banale Sätze wie «Ich muss jetzt gehen» oder «War nett, Sie kennenzulernen» vorausgehen, die man nicht gerade als humoristische Bravourstücke bezeichnen kann. Nur 10 bis 20 Prozent aller beobachteten Lachvorkommen waren die Folge eines im engeren Sinn witzigen Ereignisses. Aber selbst die humorvollsten unter den 1200 Bemerkungen, die einen Lacher ernteten, waren nicht unbedingt Brüller: «Du brauchst nichts zu trinken, Hauptsache, du zahlst die Rechnung!» und «War das, bevor oder nachdem ich mich ausgezogen habe?» sind schwerlich der Stoff, aus dem man grosse Komödien webt. Wir müssen mit dem Vorurteil aufräumen, dass Lachen immer etwas mit Humor zu tun habe. In der Regel spielt sich etwas ganz anderes ab.

Menschen sind lustig. Der für das Auftreten von Lachen notwendige Reiz ist eine andere Person und nicht etwa, dass ein Witz gerissen wird oder dass ein sichtbar witziges Ereignis, eine komische Geste oder ein anderer visueller Reiz eintritt. (So wird zum Beispiel im Verlauf eines Telefongesprächs, also einer rein auditiven Kommunikation, sehr häufig gelacht.) Diese soziale Bedingtheit des Lachens wurde durch eine Gruppe von Studenten bestätigt, die ein Tagebuch über ihr eigenes Lachverhalten führten. Wenn man die mittelbar soziale Wirkung der Medien (Fernsehen, Radio, Bücher usw.) ausschliesst, wird der soziale Charakter des Lachens unübersehbar: Es wurde dreissigmal so häufig in Gesellschaft anderer Leute gelacht wie allein. Meine Studenten redeten mit sich selbst, sie schmunzelten in sich hinein, aber alleine lachen taten sie so gut wie nie. Ganz gleich, wie glücklich wir uns fühlen oder wie lustig uns etwas erscheint, Lachen ist ein Signal an andere, und es verschwindet fast ganz, wenn man keine Zuhörer hat. Selbst eine Videokomödie wirkt lustiger und bringt uns häufiger zum Lachen, wenn wir sie mit Freunden ansehen.

Lachen lässt sich bewusst kaum beherrschen, was uns wieder einmal daran erinnert, dass wir einen viel kleineren Teil unseres Verhaltens kontrollieren, als wir meinen. Bitten Sie mal einen ihrer Freunde darum zu lachen. Die meisten werden Ihnen zu verstehen geben, dass sie nicht auf Befehl lachen können. Diese Beobachtung ist ebenso korrekt wie zentral für unser Verständnis des Lachens. Lachen ist wie Weinen nur schwer zu simulieren – Versuche, auf Befehl zu lachen, klingen meist künstlich und gezwungen. Lachen ist eine Art «in Zungen reden», das nicht durch religiöse Leidenschaft, sondern durch eine unbewusste Reaktion auf soziale und sprachliche Reize ausgelöst wird. So ungern wir es zugeben, unter bestimmten Umständen «überkommt» es uns einfach, und unser Intellekt läuft eilends hinterher und versucht, der Sache einen Sinn abzugewinnen.

In Anbetracht der Tatsache, dass Lachen automatisch und quasi programmiert abläuft, sollten wir allen Erklärungen, warum etwas lustig ist, misstrauen – die meisten Leute wissen im Grunde nicht, warum sie lachen. Die nachträglichen Erklärungen, die dafür gegeben werden, sind lediglich Versuche, eine irrationale, unbewusst gesteuerte Instinkthandlung zu rationalisieren. Hüten Sie sich vor Behauptungen wie, jemand habe gelacht, weil er oder sie «nervös» oder «peinlich berührt» gewesen sei oder weil jemand «etwas Lustiges getan» habe. Man lacht nicht, weil man will. Man entscheidet sich nicht für ein Lachen, wie man sich für die Wortwahl einer Rede entscheidet, dennoch geht ein Grossteil der Literatur über Witze und ihre Funktionsweise von einer solchen irrtümlich unterstellten Absicht aus.

Lachen ist lustig. Wenn wir Gelächter hören, fangen wir selbst an zu lachen und produzieren eine Verhaltenskettenreaktion aus Lachen und Belustigung. Oft schliessen wir uns, sobald Gelächter an unser Ohr dringt, ohne zu überlegen, dem urtümlichen Chor dieses Hahaha an. Am ansteckenden Gelächter zeigt sich besonders eindrücklich die soziale Natur des Homo sapiens. Es kratzt am Lack von Kultur und Sprache und straft die fragwürdige Annahme, wir seien rationale Wesen mit bewusster Verfügungsgewalt über unser Verhalten, einmal mehr Lügen.

Betrachten wir zum Beispiel jene bemerkenswerte Lachepidemie, die 1962 in einer Mädchenschule in Tanganjika (heute Tansania) ausbrach. Die ersten Symptome traten am 30. Januar auf, als drei Mädchen einen Kicheranfall bekamen und nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Die Symptome griffen bald auf alle 95 Schülerinnen über, bis die Schule am 18. März schliesslich den Unterricht einstellen musste. Die Mädchen wurden nach Hause geschickt, von wo sich die Epidemie weiter ausbreitete. In anderen Schulen Zentralafrikas kam es zu weiteren Ausbrüchen, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiteten, und als die Epidemie zwei Jahre später verebbte, hatte sie etwa 1000 Menschen, zumeist Frauen und Mädchen, ereilt.

Bevor Sie die afrikanische Epidemie als Anomalie abtun, denken Sie bitte an unsere eigenen technisch hervorgerufenen Miniepidemien, die durch das Hintergrundgelächter im Fernsehen ausgelöst werden. Seit dem 9. September 1950, 19 Uhr (Eastern Standard Time) hat dieses Hintergrundlachen die meisten amerikanischen Fernsehkomödien begleitet. An jenem Abend wurde in «The Hank McCune Show» zum ersten Mal eine Lachspur verwendet, um die Abwesenheit eines realen Publikums zu kompensieren. Der Rest ist bekannt. Das Gelächter aus der Dose mag sich künstlich anhören, aber es lässt die Zuschauer lachen, als sässen sie selbst im Publikum, und es verstärkt bei ihnen den Eindruck, die Sendung sei besonders komisch.

Die Unwiderstehlichkeit des Lachens anderer Leute hat ihre Wurzeln vermutlich in dem neurologischen Mechanismus der Lachrezeption. Die Tatsache, dass Lachen ansteckend wirkt, eröffnet die faszinierende Möglichkeit, dass Menschen über auditive Lachrezeptoren verfügen – einen neuronalen Schaltkreis in unserem Gehirn, der ausschliesslich auf Lachen reagiert. (Das ansteckende Gähnen könnte einen ähnlichen Prozess im Bereich der visuellen Wahrnehmung auslösen.) Sobald diese Lachrezeptoren gereizt werden, werfen sie einen neuronalen Lachgenerator an, der seinerseits dann das Hahaha produziert.

Dabei gibt es grosse Geschlechterunterschiede. In den 1200 von uns untersuchten Fällen lachten zwar beide Geschlechter viel, aber Frauen lachten doch noch etwas häufiger, vor allem wenn sie sich mit Männern unterhielten. Im Gegensatz dazu lachten Männer eher mit ihresgleichen, wohingegen sie in Anwesenheit von Frauen erstaunlich lachkarg wurden, ja das Duo sprechender Mann und zuhörende Frau war sogar die einzige Geschlechterkombination, in der die sprechende Person weniger lachte als ihr Publikum. Generell lässt sich sagen, dass Frauen beim Lachen den Ton angeben, während Männer eher Lacher hervorrufen (lustiger sind). Dieses Verhaltensmuster wird schon früh im Leben eingeübt und lässt sich kulturübergreifend beobachten. Versuchen Sie sich an den Klassenclown Ihrer Schulzeit zu erinnern – es dürfte mit ziemlicher Sicherheit ein Junge gewesen sein.

Angesichts der Unterschiede im männlichen und weiblichen Lachverhalten stellt sich natürlich die Frage, welche Rolle das Lachen beim Kennenlernen, Werben und Paaren spielt. Ich suchte die Antwort auf diese Frage auf dem menschlichen Marktplatz der Kontaktanzeigen und wertete insgesamt 3745 Anzeigen aus, die am 28 . April 1996 in acht amerikanischen Zeitungen erschienen. In den Annoncen von Frauen tauchte «Sinn für Humor» häufiger als eine gesuchte Eigenschaft des künftigen Partners auf als in den Anzeigen der Männer, die sich diese Eigenschaft eher selbst zuschrieben. Offensichtlich wünschen sich Frauen lustige Männer, die sie zum Lachen bringen, während sich die Männer bemühen, diese Nachfrage zu bedienen.

Als Karl Grammer und Irenäus Eibl-Eibesfeldt in Deutschland Unterhaltungen zwischen Paaren gemischtgeschlechtlicher junger Erwachsener untersuchten, die sich zum ersten Mal trafen, stellten sie fest, dass je häufiger eine Frau während dieser Begegnungen laut auflachte, desto grösser nach eigenem Bekunden auch ihr Interesse an ihrem Gesprächspartner war. Umgekehrt zeigten Männer ein besonders starkes Interesse an den Frauen, die in ihrer Gegenwart herzlich lachten. Die Daten aus den Anzeigen und aus der deutschen Untersuchung ergänzen die Erkenntnisse aus meiner Feldstudie: Das Lachen der Frau, nicht des Mannes, ist das entscheidende Merkmal einer positiven Beziehung. Die Jungs können lachen oder auch nicht, entscheidend bleibt, ob die Frauen Gelegenheit zum Kichern bekommen.

Wenn Sie das nächste Mal auf einer Party sind, untersuchen Sie doch einmal die weiblichen Lachmuster nach Fingerzeigen auf ein soziales und sexuelles Interesse an den männlichen Gesprächsteilnehmern. Solche Lachmuster sind gute Anhaltspunkte, weil sie weitgehend unzensiert ablaufen – denn es ist schwer, ein Lachen zu steuern oder vorzutäuschen. Wir schnattern und schmunzeln vor uns hin, ohne uns der damit ausgesandten Botschaften bewusst zu sein. Dem Wunsch der Frauen nach lustigen Männern könnte eine verschleierte Suche nach Alphamännchen zugrunde liegen, und das Faible der Männer für Frauen, die in ihrer Gegenwart lachen, könnte Ausdruck einer Präferenz für Weibchen sein, die die männliche Vorherrschaft anerkennen. Weder Männern noch Frauen ist in der Regel bewusst, welche Rolle das Lachen als verkannte Komponente des Charismas in ihrem Leben spielt.

In vielen Gesellschaften, von den Tamilen in Südindien bis zu den Tzeltal im Südosten Mexikos, dient das Lachen sowohl Männern wie Frauen zur Selbsterniedrigung, als unbewusstes stimmliches Signal ihrer Zustimmung oder Solidarität mit einem dominanteren Mitglied der Gruppe. Die Soziologin Rose Coser hat solche Dominanzeffekte auf den Personalversammlungen eines Psychiatriekrankenhauses beobachtet. Der Humor verlief immer von oben nach unten. Der Abteilungsleiter war stets ein Ausbund an Witz, während die rangniedrigsten Untergebenen zwar fleissig mitlachten, aber sich nie selbst einen Scherz erlaubten. Die Muster von Lachverhalten und Humor verändern sich aber in Abhängigkeit von Dominanz und sozialen Umständen. Der Generaldirektor eines Konzerns kann im Sitzungssaal ein unerbittlicher Chef sein, aber im Umgang mit alten Schulkollegen der reinste Lachsack. So wie ein Angestellter, der vor seinem Chef kuscht, zu Hause bei Frau und Kindern als strenger Zuchtmeister auftreten kann.

Kitzeln ist der zuverlässigste Lachreiz und findet stets in jenem sozialen Zusammenhang statt, der die notwendige Bedingung allen Lachens ist – man kann sich nämlich nicht selber kitzeln. Der neuronale Mechanismus, der dem Kitzeln zugrunde liegt, entwickelte sich wahrscheinlich aus einer reflexartigen Verteidigungsreaktion heraus, mit der die Körperoberfläche vor beweglichen äusseren Reizen wie Raubtieren oder Parasiten geschützt wurde. Stellen Sie sich vor, dass Sie eine Spinne wegwischen, die Ihren Hals hochkrabbelt. Aber neben dieser Herkunft aus der Selbstverteidigung ist das Kitzeln ein weiterer Hinweis auf den sozialen Charakter des Lachens. Kitzeln ist Kommunikation.

Eine meiner Erhebungen brachte zutage, dass Kitzeln vor allem zwischen Freunden, innerhalb der Familie und zwischen Liebenden stattfindet, und als häufigste Begründung dafür wurde angegeben, man wolle dem anderen seine Zuneigung zeigen. In der Tat, wann sind Sie zuletzt von einem Fremden gekitzelt worden oder haben eine Ihnen fremde Person gekitzelt?
Schon Charles Darwin hat auf diesen Beziehungsaspekt im Kitzeln hingewiesen, ist allerdings ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, als er weiter feststellte, dass Humor durch geistiges Kitzeln hervorgerufen werde. Warum ist Kitzeln lustig? Das Wettkitzeln, die freundlichste Form menschlicher Auseinandersetzung, wirkt in seinem lachenerfüllten Geben und Nehmen sehr verbindend. Die gekitzelte Person wehrt sich gegen die kitzelnde Hand, rennt vielleicht sogar fort, nur um bald darauf zurückzukehren und die Interaktion sehr wahrscheinlich mit einer Kitzelgegenattacke von neuem zu beginnen. Für Kleinkinder, die noch nicht sprechen können, sind Kitzeln und das dazugehörige Lachen eine gelungene Einführung in soziale Beziehungen. (Kinder beginnen etwa vier Monate nach der Geburt zu lachen.) Lachen signalisiert «Das mag ich, mehr davon bitte!», während man an aufkommendem Ärger erkennt, dass man das Kitzelspiel zu weit getrieben hat. Gekitzelt wird bis ins Erwachsenenalter, wo es beim Balgen mit Kindern und in den Sexualspielen unter Erwachsenen eine Rolle spielt. Wenn Erwachsene sich kitzeln, besteht eine überwältigende Wahrscheinlichkeit, dass Personen unterschiedlichen Geschlechts daran beteiligt sind.

Das Kitzeln sollte jedoch nicht nur als Fussnote zur Geschichte des Lachens betrachtet werden, sondern als ein zentraler Bestandteil. Das Lachen löst die Ambivalenz auf, die in jeder Balgerei steckt, es signalisiert, dass es nicht um körperlichen Angriff geht, sondern nur um Spiel. Lachen ist eine spielerische Lautbildung, die selbst während völlig unkörperlicher Interaktionen wie bei einem Gespräch potentielle Konflikte entschärft. Auf einer anderen Ebene lässt sich der Klang des Lachens durch Kitzeln erklären.

Schimpansen und andere Menschenaffen bringen beim Spiel oder wenn sie gekitzelt werden ein dem Lachen ähnliches Geräusch hervor, wie bereits Charles Darwin in seinem Buch über den Ausdruck von Gefühlen bei Mensch und Tier von 1872 beobachtete. Aber das Schimpansenlachen unterscheidet sich in einigen bemerkenswerten Details vom menschlichen Lachen. Menschen lachen beim Ausatmen und stückeln dabei den Luftstrom in kurze ( 1 / 15 Sekunde lange) stimmhafte Stösse ( «ha » , «ho » , «he » ), die sich alle 1 / 5 Sekunde wiederholen. Das Lachen der Schimpansen dagegen gleicht eher einem Keuchen, bei dem abwechslungsweise Luft eingesogen und ausgestossen wird. (Wir andere Primaten können Klang und Art dieses Lachens leicht imitieren, indem wir schnell hecheln.)

Das Hecheln der Schimpansen bildet jenes Atemgeräusch nach, das bei heftigem Spiel entsteht. Lachen ist buchstäblich das Begleitgeräusch zum Spiel. Im Verlauf der Evolution hat sich das Schimpansengehechel unserer Vorfahren dann in das menschliche Hahaha verwandelt, eine symbolhafte Vokalisierung des Spielerischen, die einen Schritt über ihre Wurzeln im blossen Atmungsvorgang hinausgeht.

Schimpansen lachen gerne und viel, vor allem, wenn sie sich balgen oder einander jagen, wobei das gejagte Individuum wie bei den Menschenkindern am meisten lacht. Aber Schimpansen zeigen keinen menschlichen Sinn für Humor, etwa indem sie ohne jeden Körperkontakt durch absichtlich witziges Verhalten andere zum Lachen brächten. Schimpansen, die sich mit ihren menschlichen Pflegern in Gebärdensprache unterhalten, lassen vermuten, dass sie über die Fähigkeit zu symbolischem Spiel verfügen, etwa indem sie wie junge Menschenkinder absichtlich einen Gegenstand falsch benennen oder benutzen. Der Forscher Roger Fout berichtete, dass die Schimpansin Moja ein Portemonnaie auf Zeichensprache als «Schuh» bezeichnete und es sich dann über den Fuss stülpte und damit umherspazierte, während der Schimpanse Washoe eine Zahnbürste als Haarbürste gebrauchte.

Aber in keinem dieser Fälle hat dieses Verhalten einen anderen Schimpansen zum Lachen gebracht, was unter Menschen der Lackmustest für einen gelungenen Witz wäre. Aber wie sieht denn nun die Mutter aller Witze aus? Mein Kandidat wäre das vorgetäuschte Kitzeln des Kitzelmonsters in dem unter Menschenkindern so beliebten Ich-krieg-dich-noch-Spiel. (Das Gekitzeltwerden als solches ist zu reflexhaft, um wirklich als Humor gelten zu können.) Dieser alte Trick ist der einzige Witz, mit dem man selbst einen Schimpansen garantiert zu lustvollem Gehechel bringen könnte.

Robert R. Provine ist Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of Maryland und Autor des Buches «Laughter: A Scientific Investigation» (Faber and Faber, 2000) .


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