NZZ Folio 07/03 - Thema: Olten Einfach   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Chüngelfell

Von Andreas Dietrich

Liliane Rietberger, Sie sind Präsidentin der Vereinigung Schweizerischer Fellnähgruppen …

… die zum Schweizerischen Rassenkaninchenzuchtverband gehört. Die Vereinigung zählt 127 Gruppen mit 1750 Mitgliedern im ganzen Land.

Tendenz abnehmend?

Leider ja, wie bei den meisten Vereinen. Die Mitglieder werden älter, und die Jungen haben ein riesiges Freizeitangebot. Aber wir versuchen, sie für unsere Sache zu gewinnen.

Woraus besteht die genau?

Wir verarbeiten die Felle, die als Nebenprodukt aus der Kaninchenzucht anfallen. Es wäre schade, diesen wertvollen Rohstoff ungenutzt zu lassen.

Und was nähen Sie daraus?

Schlüsselanhänger, Schmusetierchen, Kissen, Mäntel, Wandbehänge – alles mögliche. Alles liebevoll in Handarbeit gefertigt! Die Produkte werden vorwiegend an Kleintierausstellungen und auf Märkten verkauft.

Näht man gemeinsam in der Gruppe?

In der Regel trifft man sich alle ein bis zwei Wochen in der Freizeit zum Fellnähen und Gedankenaustausch. Vorwiegend sind es Frauen, Männer machen leider nur wenige mit.

Wie viele Kaninchenfelle braucht es zum Beispiel für einen Mantel?

Das ist sehr unterschiedlich. Massgebend sind Konfektionsgrösse, Grösse der Kaninchenrasse und Art der Verarbeitung. Ein Gilet für ein zehnjähriges Kind besteht aus 12 bis 15 mittelgrossen Fellen.

Gibt es besonders beliebte Felle?

Die Kurzhaarrassen sind sehr gefragt, namentlich die verschiedenen Farbenschläge aus den Rex-Zuchten. Die Favoriten sind die eher raren Gold-, Chin-, Blau- und Weissrex-Kaninchen.

«Pelztragen ist Gewissensfrage» – wurden Sie je angepöbelt?

Ich selber noch nie. Die Mode hat ja glücklicherweise wieder einen Schritt in unsere Richtung getan. Heute ist es modern, Pullover und Jacken mit Fell-kragen und -manschetten zu tragen. Der gegenwärtige Modetrend kommt uns sehr entgegen.


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