BENJAMIN DISRAELI, britischer Premier im 19. Jahrhundert, soll gesagt haben: «Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.» Und Winston Churchill wird das Bonmot zugeschrieben: «Ich traue einer Statistik nur, wenn ich sie selber gefälscht habe.» Man muss aber nicht einmal lügen, um mit Statistiken zu täuschen.
Die Sportberichterstattung scheint für Statistikspielereien ganz besonders anfällig zu sein. Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund, konstruiert in seinem Buch «So lügt man mit Statistik» ein fiktives Beispiel, wie es die Praxis durchaus liefern könnte.
Der Tennisspieler B erzielt in den ersten zehn Spielen der Saison folgende Bilanz:
| 1 | 1 (Australien, Rasen) | verloren | | |
| 2 | 2 (Amerika, Hartplatz) | verloren | | |
| 3 | 3 (Europa, Rasen) | gewonnen | | |
| 6 | 4 (Europa, Hartplatz) | verloren | | |
| 7 | 5 (Europa, Rasen) | gewonnen | | |
Je nach Sympathie kann der Sportreporter verschiedene Schlagzeilen produzieren, die alle faktisch richtig sind. «B im Aufwärtstrend! Mehr als 85 Prozent der letzten 8 Spiele gewonnen.» Oder: «B im Abwärtstrend! In mehr als der Hälfte seiner Turniere schon in der ersten Runde ausgeschieden.» Und: «Phänomenal! B in Europa auf Rasen noch ohne Niederlage.» Aber auch: «Traurige Bilanz. B bisher auf Hartplatz ohne Sieg.»
Der dabei verwendete Trick ist den Statistikakrobaten wohlbekannt: Man suche sich einfach jene Bezugsmenge aus, die einem am besten in den Kram passt.
Die Sache auf die Spitze treiben lässt sich mit der Bezugsmenge Null. Tennisspieler B hat noch nie gegen einen Linkshänder gespielt und erhält jetzt die Schlagzeile: «Super! B gegen Linkshänder noch ohne Satzverlust.» Oder halt: «Schwacher B. Noch nie einen Linkshänder besiegt.»