NZZ Folio 08/99 - Thema: Kiosk   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Vor der Gebrauchsanweisung wird gewarnt

Von Joni Müller

SELBST WER BEREITS mit allen Gerätschaften des täglichen Lebens versehen ist, kann hin und wieder nicht umhin, sich etwas anzuschaffen. Sei es, dass der alte Fernseher keine 40 Programme in die Stube zaubern kann, sei es, dass die Kinder laut nach einer multifunktionellen Gartenschaukel schreien. Das neue Regal, die Musikanlage oder der Gasgrill - alles muss zuerst einmal richtig montiert werden, bevor es verwendet werden kann und darf.

Wider besseres Wissen macht man sich also nach dem Kauf fröhlich und erwartungsvoll auf den Heimweg. Doch bald schon ist die aufgeräumte Stimmung verflogen und das aufgeräumte Wohnzimmer im Chaos versunken. Füllmaterial in der Form von Apéro-Snacks bedeckt den Boden, zahllose Styroporgebilde, Schachteln und Beutel lassen die wichtigsten Kleinteile rasch und für immer verschwinden. Trost und Zuversicht sollte jetzt eigentlich die Bedienungsanleitung spenden, aber das tut sie nicht. Sie gratuliert zwar zur richtigen Wahl, relativiert aber das schmierige Kompliment sogleich mit einem Trommelfeuer von Warnungen, deren Spitzfindigkeit durch schlaue Anwälte im Solde paranoider Product Manager in groteske Sphären gesteigert wurde.

Staunend liest man, dass es sich beim vermeintlich harmlosen Toaster um eine Art Zeitbombe handelt, die bei falscher Bedienung ganze Familien dahinraffen kann, wofür der Hersteller natürlich jede Haftung ablehnt. Oder dass der Heizlüfter unter Einhaltung aller Vorschriften höchstens auf freiem Feld betrieben werden könnte und dass Kinder unter 18 Jahren ihre Wippe nur unter Aufsicht benützen dürfen.

Weil der Teufel aus Gründen der Globalisierung und der Produktehaftpflicht stets in mindestens zwölf Sprachen an die Wand gemalt wird, bleibt für die Gebrauchsanweisung kaum mehr Platz. Drum gibt's statt Text nur Abbildungen von A bis Q. Die Piktogramme und kryptischen Symbole erinnern fatal an die rührenden Kommunikationssysteme, mit welchen die Nasa sich in den sechziger Jahren auf den nonverbalen intergalaktischen Small talk mit Ausserirdischen vorbereitete. Weshalb diese seither unser Sonnensystem bekanntlich grossräumig umfahren.


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