NZZ Folio 04/01 - Thema: Pillen   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Kaffee kochen ist kalter Kaffee

Von Joni Müller

EINE ALTE VOLKSWEISHEIT besagt, dass Küchenmaschinen nur gebraucht werden, wenn sie gebraucht werden. In typischer pseudokryptischer Verkürzung und in ebenso typischer Verbindung des Banalen mit dem Transzendentalen will uns dieses populäre Diktum nichts anderes sagen, als dass die elektrische Aufschnittmaschine, das Brezeleisen oder die Saftpresse so gut wie gar nie zum Einsatz kommen, die Kaffeemaschine dagegen täglich, weil man sie täglich braucht. Die meisten anderen Helferlein verschwinden sehr schnell im Keller, wo sie der Vergessenheit anheim fallen und bis zur Übersiedlung ihrer Besitzerin ins Altersheim den vorzeitigen Ruhestand geniessen.

Ganz anders jedoch die Kaffeemaschine, die in jeder Küche prominent placiert ist. Wobei es allerdings die Kaffeemaschine als solche nicht gibt, sondern nur allerlei mehr oder weniger taugliche Systeme zum Brauen von Kaffee. Da dies zum Beispiel mit dem Papierfilter weder anstrengend noch zeitraubend ist, besteht der Zweck einer Kaffeemaschine weder in der Erleichterung der Arbeit noch in der Zeitersparnis, sondern allein in der vermeintlichen Verbesserung der Qualität. Wobei dies etwa beim früher sehr beliebten Überlaufmodell, das einem lediglich das Eingiessen des kochenden Wassers in den Filter abnahm, schwer vorstellbar ist.

Abgelöst wurde dieser Klassiker von den Kolbenmodellen, die theoretisch ein wenig Italianità in die Küche zaubern, aber praktisch unbrauchbar sind. Wird das Pulver zu wenig gepresst, gibt's eine dünne Brühe, ist es zu kompakt, geht rein gar nichts mehr oder höchstens die Maschine kaputt. Und das anschliessende Leeren des Kolbens beziehungsweise das mühsame Heraussuchen seines Siebes aus den Tiefen des Kehrichtsacks ist ebenso unappetitlich wie erniedrigend. Dagegen gäbe es zwar das probate Mittel der Portiönchen, aber die sind halt auch nicht so richtig wie beim Italiener. Deshalb also beginnen sich jetzt die küchenfüllenden Vollautomaten durchzusetzen, die alles ganz von selbst tun und obendrauf sogar ein Schäumchen setzen. Denn schliesslich ist dieses heute zum alleinigen Qualitätsmerkmal avanciert, Aroma, Duft und Farbe darf man getrost vergessen.


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