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Vom Fach -- Neulich in der Internistenkantine
Von Mikael Krogerus
«Wie war der Dienst?»
«Ich bin nonstop als ‹Arschloch› tituliert worden.»
«Von einem Kollegen?»
«Nein, von einem Patienten. Ethylisch-enzephalopathisch. Ich dachte erst: Entzug, aber er war chronisch geschädigt.»
«Apropos Alkoholismus, kennst du den: Wann ist man ein Alkoholiker? – Wenn der Patient mehr trinkt als sein Arzt!»
«Hehe.»
«Dabei ist Alkoholismus ja eine der vielfältigsten Erkrankungen: Elektrolytverschiebung, die Hoden werden kleiner, der Bauch gross, die Haare fallen aus, Wasser überall, Aldosteron. Anhand von Alkohol kann man viel erklären. Ein perfektes Lehrbeispiel für Studenten.»
«Ich sag nur: Blutwerte! Thrombozytopenie, Gamma-GT, Zieve-Syndrom – alles, die ganze Palette. Und am Ende steigt die Leber aus.»
«Wobei, anfangs wächst die Leber ja an ihren Aufgaben.»
«Und dann brennt sie aus!»
«Das Problem mit Alkoholismus ist ja letztlich – die Therapie ist eher frustran.»
Ethylisch-enzephalopathisch: Schädigung des Gehirns durch Alkoholmissbrauch. Elektrolytverschiebung: veränderte Konzentration von Elektrolyten. Aldosteron: Hormon der Nebennierenrinde, wird bei Leberschädigung vermindert abgebaut. Thrombozytopenie: abnorm niedrige Konzentration von Blutplättchen. Gamma-GT: Gamma-Glutamyl-Transferase. Enzym, das bei Lebererkrankungen in erhöhter Konzentration im Blut gefunden wird. Zieve-Syndrom: erhöhte Blutfettwerte, Gelbverfärbung der Haut, Auflösen roter Blutkörperchen durch Alkoholmissbrauch. Frustrane Therapie: Therapie mit wenig Erfolgsaussichten.
Mikael Krogerus ist NZZ-Folio-Redaktor.
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