DER IM 17. JAHRHUNDERT in Toulouse als Jurist und Friedensrichter wirkende Pierre de Fermat interessierte sich in der Freizeit für Mathematik. Besonders angetan hatten es ihm die ganzen Zahlen. Häufig teilte er seine Erkenntnisse Mathematikern mit und forderte die Profis zum geistigen Wettstreit heraus. Dabei machte Fermat sich nicht nur Freunde, denn er setzte Ergebnisse in die Welt, ohne die eigene Beweisführung preiszugeben. Descartes nannte ihn sogar einen Prahlhans. Das wohl frechste Stück leistete sich Fermat mit der Behauptung, für die Gleichung an + bn = cn gebe es keine ganzzahligen Lösungen, wenn n grösser als 2 sei. Er hatte die Behauptung als Randbemerkung in ein Mathematikbuch gekritzelt und scheinheilig daruntergesetzt: «Für diese Behauptung habe ich einen wahrhaft wunderbaren Beweis gefunden, aber dieser Rand ist zu schmal, ihn zu fassen.» Es sollte mehr als dreihundert Jahre dauern, bis die frustrierte Gilde die als «Fermats letzter Satz» berüchtigt gewordene Behauptung beweisen konnte.
Diverse Mathematiker fanden für einzelne Werte von n den gesuchten Beweis, so Leonhard Euler im 18. Jahrhundert für n=3. Und Fermat selber hatte in einer andern Randbemerkung immerhin die Sache für n=4 erledigt. Im Laufe der Jahrhunderte folgten sich laufend verzwicktere Argumente, die aber immer nur einen bestimmten Bereich der ganzzahligen n betrafen und den umfassenden Beweis schuldig blieben. Endlich, nachdem er sieben Jahre lang heimlich daran gearbeitet hatte, ein letztes fehlendes Glied in einer mittlerweile zum gigantischen Gebäude gewachsenen Beweiskette zu schliessen, verkündete der amerikanische Mathematikprofessor Andrew Wiles im Juni 1993: «Fermats letzter Satz ist bewiesen.» Nur um bald darauf von Fachkollegen zu erfahren, dass ihm ein Fehlschluss unterlaufen sei. Wiles liess indes nicht locker. Und am 19. September 1994 liefert er schliesslich den jetzt hieb- und stichfesten Beweis. Die Experten sind sich aber einig, dass Fermat einen so komplizierten und modernen Beweis nicht gekannt haben konnte. Vielleicht wartet ein recht einfacher und scharfsinniger Beweis nach wie vor auf seine Entdeckung.