Ein Blick auf die Titel wissenschaftlicher Arbeiten zeugt vom tiefen Wunsch der Forscher, die Leser zu schonen. Wer sich mit unerfreulichen Phänomenen des Daseins beschäftigt, kommt dabei nicht um eine gewisse sprachliche Beschönigung herum.
Am einfachsten geht das über das Einstreuen von Fremdwörtern: «Frostbeulen in der Glutealregion» (Burns, Vol. 29, S. 739–44). Wer sich wundert, wo die Glutealregion ist, sitzt wahrscheinlich gerade darauf: Die Studie dreht sich um Erfrierungen am Hintern, die sich Teilnehmer eines Lokalradiowettbewerbs zuzogen, bei dem sie sich auf Trockeneis setzen mussten.
Wenn sich mit Fremdwörtern nicht verschleiern lässt, worum es eigentlich geht, versuchen es die Autoren oft mit einer fanatischen Sachlichkeit: «Die Folgen von auf Kleinkinder stürzendenFernsehapparaten» (Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, Vol. 155, S. 145–48). Der Titel lässt offen, ob die Folgen von 20 Kilogramm Elektroschrott auf einem Säugling nicht auch positiv sein können. (Sie sind es nicht.)
Die nüchterne Umschreibung dramatischer Vorgänge zur Meisterschaft gebracht hat der Autor der Arbeit «Die Verwesung von Pavianen und ihre Relevanz für die Untersuchung von der Grosskatzenbeteiligung an forensischen Fällen beim Menschen» (Forensic Science International, Vol. 144, S. 37–44). Beim Lesen der Studie entpuppt sich die Beteiligung der Grosskatzen an forensischen Fällen beim Menschen als nichts anderes als das Fressen desselben.