NZZ Folio 01/08 - Thema: Jung und jüdisch   Inhaltsverzeichnis

Die Auflösung des Folio-Rätsels

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Frage 5: Es waren die Vignetten. Linktext
Sie fanden «das schwierigste Rätsel der Schweiz» aus dem Dezember-Folio unlösbar? Aber das war es nicht. Auch das schwierigste Rätsel hat eine Lösung. Hier ist sie.

Von CUS

1. Hochmut kommt vor dem Niedergang

Lösung: Obergurgl

Der Schweizer, der «über Nacht der bekannteste Mensch auf dieser Erde» wurde, brauchte zunächst Hoch-Mut, um mit seinem Ballon als erster Mensch in die Stratosphäre aufzusteigen, und dann Glück beim «Niedergang», also bei der Landung auf dem Gurgler Ferner in Tirol: Professor Auguste Piccard gelang die Weltsensation am 27. Mai 1931. Das kleine Kirchdorf Obergurgl, im hintersten Winkel des Ötztals gelegen, wurde durch die Landung mit einem Schlag berühmt. Ein Ballon war im Rätsel abgebildet.

2. Cisalpino

Lösung: Rossini

Tü-ta-taa – wer kennt es nicht, das Signal der Postbusse auf kurvigen Bergstrecken. Es handelt sich um die Töne cis-e-a aus der Ouvertüre zu Rossinis Oper «Guillaume Tell» (Wilhelm Tell). In unserem Ausschnitt aus der Partitur bilden der dritte, vierte und fünfte Ton diesen berühmten Dreiklang für Englischhorn. Auf der Website der Post erfährt man hierzu, dass die Tonfolge aus dem Andante der Ouvertüre stamme, und zwar in der Tonart A-Dur. Wer in der Partitur nachsieht, findet den Dreiklang im zweiten Andante-Stück der Ouvertüre, aber in der Tonart G-Dur. Für das Posthorn wurde die Tonart also geändert. Der in der Frage erwähnte Spion war DDR-Agent Günter Guillaume.

3. Grüss Gott!

Lösung: Bern

Erinnern Sie sich an «Im Geheimdienst Ihrer Majestät»? James Bond jagt Bösewicht Blofeld eine Bobbahn hinunter, rutscht aus der Bahn, bleibt im Schnee liegen. Wer kommt ihm entgegen? Ein Bernhardiner. Bond sagt «Grüss Gott!» und: «Geh und besorg mir ’n doppelten Cognac!» Als eine Art Prototyp der Bernhardiner gilt Barry, der im Jahr 1800 im Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard geboren wurde und 40 Menschen aus Lawinen gerettet haben soll, bevor der 41., ein Soldat, auf ihn einstach. Als sein Führer selbst in eine Lawine geriet, konnte ihn Barry angeblich nicht befreien. Ein Bernhardiner war im Rätsel abgebildet. Barry steht ausgestopft im Berner Naturhistorischen Museum.

4. Die coolste Stätte der Welt

Lösung: Genève

«The coolest place in the universe» beschreibt sich das Forschungszentrum Cern bei Genf, wegen des riesigen Teilchenbeschleunigers, der dort Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (–273 Grad Celsius) erfordert. In Dan Browns «Illuminati» wird der fiktive Cern-Leiter Maximilian Kohler als «König» in der gläsernen Kathedrale des Cern gehandelt. Wer nicht über das Cern zur Lösung kam, dem half vielleicht der Hinweis mit dem Wasser als dem möglicherweise höchsten Punkt des Kantons: Zwar gilt ein Punkt auf einer Wiese nahe dem Weiler Monniaz als höchste Erhebung des Kantons Genf. Der Berner Alpinschriftsteller Daniel Anker führt jedoch den Jet d’eau im Genfersee ins Feld, der vom Seespiegel auf 373 Metern Höhe bis zu – laut Anker – 145 Meter in die Luft schiesst und damit die Wiese gerade schlägt. Und der Name des Kantons: auf deutsch besteht er nur aus vier Buchstaben. Damit musste der Kantonsname auf französisch gemeint sein.

5. Jetzt wieder neu

Lösung: Zwei

Wir zeigten die Farben aller Vignetten von der Einführung 1985 bis 2007. Alle Vignetten tragen zwei Ziffern als Jahresangabe, z. B. 08 für das Jahr 2008. Nur die Vignette 00 gab es nicht – damals stand die ganze Jahreszahl 2000 darauf.

6. Acht Augen

Lösung: Under

Acht Augen haben die vier Gestalten, und je zwei Augen zählt ein Under auch. Wir zeigten die Gesichter der vier Under in den Deutschschweizer Jasskarten.

7. Schaltgreis

Lösung: G anderen Datum

Wer am 29. Februar geboren ist, wird mit Ablauf des ersten Lebensjahres, also am 1. März, ein Jahr alt. Darum ging es aber gar nicht. Das Vreneli wäre am 29. Februar 1996 (ein Schaltjahr) mündig geworden, an ihrem 20. Geburtstag – wenn nicht kurz zuvor das Mündigkeitsalter auf 18 Jahre gesenkt worden wäre. Das geschah mit Wirkung zum 1. Januar 1996. An diesem Tag wurde das Vreneli mündig.

8. Scheinbar korrekt

Lösung: Zehn

Die gezeigten Symbole befinden sich auf der Vorderseite der Frankenscheine.

10 × 50 + 100 + 200 = 1000 – 20 × ?
? = 10. Unsere Überschrift enthielt in dem Wort «Scheinbar» mit «Schein» und «bar» gleich zwei Hinweise zur Lösung.

9. Das A _ _ _ _ _ _ _

Lösung: Adelheid

Heidi wurde auf den Namen Adelheid getauft. Im Buch «Heidis Lehr- und Wanderjahre» und in «Heidi kann brauchen, was es gelernt hat» von Johanna Spyri erfahren wir, dass Heidi einem Erdbeerapfel gleicht und dass der Alpöhi Soldat in Sizilien war. Aus Paris reiste Herr Sesemann an, der Vater von Heidis Freundin Klara. Aus Holstein kam Klaras Grossmutter, aus Frankfurt Klaras Doktor.

10. Zum Schiessen!

Lösung: Wilhelm Tell

WIL und ein Helm waren auf unserer Abbildung zu sehen, dazwischen stand ein Bruchstrich. Auf den ersten Blick schien also Wilhelm die gesuchte Persönlichkeit. Das war aber nicht der Weisheit letzter Schluss, denn was bedeutet der Bruchstrich? Bei ¼ bedeutet er zum Beispiel, dass die Zahl unter dem Bruchstrich nicht als «vier», sondern als «Viertel» zu lesen ist. Der Bruchstrich besagt also, dass man die Silbe «tel» an den Ausdruck im Nenner anhängt. Machen wir das auch mit «Helm», dann ergibt sich Wil Helmtel, alias – der kleine Rechtschreibfehler war noch zu korrigieren – Wilhelm Tell.

11. Das Böse in Person

Lösung: Arae Et Foci

James Bond tarnt sich als Wappenforscher und dringt so in die Alpenfestung des Bösewichts Blofeld auf dem Piz Gloria ein – das wissen wir schon von Frage 3. In Wahrheit ist der Piz Gloria das Schilthorn, auf das vom Lauterbrunnental eine Seilbahn fährt. Dort wurde für den James-Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» gedreht, dort prangt Blofelds gräfliches Wappen bis heute in der Gipfelstation, direkt über der Rolltreppe, die Richtung Restaurant führt.

12. Ansteckungsgefahr

Lösung: Fasnacht

Anstecken sollte man die Plaketten zur Basler Fasnacht. Wir zeigten Ausschnitte von Plaketten aus verschiedenen Jahren. Auf den Plaketten «Fasnacht», früher auch «Basler Fasnacht», was für die Lösung keinen Unterschied macht.

13. 9001 St.Gallen

Lösung: (NZZ) Folio

Das Folio kennen Sie. Es wird in Zürich mit Leben erfüllt und in 9001 St. Gallen gedruckt (siehe Impressum). Der Name «Folio» steht auf der Titelseite. Haben Sie auch das Kreuzworträtsel auf der Titelseite geknackt, stand da ein weiteres Mal «Folio». Ein anderes Lösungswort in diesem Kreuzworträtsel lautete «Stift» – der kann schreiben und ist ein Lehrling. Daneben war ein Kugelschreiber der Marke Schneider abgebildet.

14. Schwarzenegge!

Lösung: Terminato

Zwischen «Scylla» und «Charybdis» müssen die tollkühnen Männer und Frauen hindurch, und zwar mit dem Skeleton auf dem Cresta Run von Celerina bei St. Moritz. Wir zeigten den Plan der Bahn («Plan and Profile»). Englisch ist bis heute die einzige anerkannte Sprache am Cresta Run. Als einziges offizielles Wort in einer Schweizer Landessprache wird angeblich «terminato» verwendet. Es ertönt im Winter zur Mittagszeit über Lautsprecher als Zeichen für die italienischsprachigen Spezialisten, die Bahn freizugeben. «Terminato» fehlt nur ein r zum Terminator – und deshalb auch der Titel der Frage: «Schwarzenegge» fehlt nur ein r zu Arnold Schwarzenegger. Und was hat das Ganze mit James Bond zu tun? Dem Piz Gloria sind wir oben schon mehrfach begegnet (Fragen 3 und 11). In der Romanvorlage von Ian Fleming schlittert Bond dem Bösewicht Blofeld hinterher, und bevor er auch hier aus der Bahn fliegt, erinnert Bond sich an die Schlussgerade des Cresta Run.

15. Schwingertreff

Lösung B: Die Schokoladenhersteller

Die Schweizer Schokoladenindustrie stiftete das riesige Glockenspiel mit seinen schwingenden Klöppeln – und zwar nahe der Tellsplatte am Vierwaldstättersee.

16. Artstermin

Lösung: Reinhold Messner

Ausnahmebergsteiger Reinhold Messner wurde Opfer eines Scherzes: Kurt Felix und sein «Verstehen Sie Spass?»-Team stellten unter dem Gipfel des Matterhorns einen Kiosk auf, wohlwissend, dass Bergführer Messner mit einer Touristin des Wegs kommen würde. Kioskbetreiber Art Furrer wollte ihm eine Knallbombe und Messners eigene Bücher verkaufen. Der fand das nicht lustig. Nachzuschauen auf Youtube (Suchbegriffe «Messner», «Matterhorn»).

17. 118, venez vite!

Lösung: Montreux

Die Nummer der Feuerwehr im Waadtland sollte inzwischen jeder kennen. 1971, beim Brand des Casinos von Montreux, kam die Feuerwehr zu spät, das Gebäude wurde zerstört. Die Rockgruppe Deep Purple wollte im Casino ihr Album «Machine Head» aufnehmen. Die Musiker wurden Zeugen des Brands und zügelten in das damals leer stehende Grand Hotel von Montreux-Territet. Auf der Eingangstür steht: «Grand Hotel Residence», in der Scheibe spiegeln sich die Dents du Midi.

18. Die Schweizer 4000er

Lösung: Fletschhorn

Karl Blodig hat als erster alle Viertausender der Alpen bestiegen. Eine Fleissaufgabe war die Ersteigung des Fletschhorns, aber nicht in Blodigs Augen – denn damals galt der Berg noch als Viertausender. Das Fletschhorn wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Dreitausender degradiert, dem sieben Meter zur magischen Grenze fehlen.

19. Weitere Aussichten

Lösung: Riederalp

«SF Meteo» zeigt das Panorama von einem unbenannten Seenauge ob Riederalp im Walliser Rhonetal. Im Hintergrund das Matterhorn, links die Mischabelgruppe mit dem Dom und rechts das Weisshorn. Wer das Seelein mit dem bekannten Blausee verwechselte, kam zur gleichen Lösung. Von der benachbarten Bettmeralp sieht das Panorama etwas anders aus. Die Gemeinde Riederalp gibt es seit 2003.

20. Quasigalaktischer Fussball

Lösung: JungfraujochI

m Sommer 2007 spielte Österreich 5:5 gegen die Schweiz. Mit dabei: Altstar Andy Herzog, der nicht bei den «Galaktischen» von Real Madrid gespielt hat, sondern bei Los Angeles Galaxy. Wo stieg das Spiel? Kurz vor dem Weltraum, auf dem Jungfraujoch. Die Spieler befürchteten Schneeblindheit und japsten in der dünnen Luft.

21. Schwiizli

Lösung: B Lago Maggiore

Die Gerade vom Turm des Berner Münsters zum Bundeshaus schneidet auf der Landkarte den Lago Maggiore. Aber nur, wenn man nicht das reale Bundeshaus in Bern als einen Punkt der Geraden ansieht, sondern die abgebildete Sehenswürdigkeit – das Bundeshaus vom «Schwiizli» alias Swissminiatur in Melide bei Lugano. Es sieht dem Vorbild täuschend ähnlich, doch nur in Melide steigt hinterm Bundeshaus grüner Bergwald auf. Auch die beiden Schweizer Flaggen auf dem Foto flattern nicht «echt» im Wind. Das Berner Münster ist in Melide auch nachgebaut, wir zeigten aber den richtigen Turm in Bern und stellten es mit dem Hinweis auf das «riesige» Bauwerk klar.

22. Rembrandt und Emil

Lösung: Bugatti

Eine Statue des Wunderläufers Emil Zatopek und eine von Rembrandt Bugatti zieren den Park des Olympischen Museums von Lausanne. Hier brennt auch eine Art olympische Flamme. Unser Bild zeigt die Anlage.

23. Frauenmörder am Genfersee

Lösung: Victor Frankenstein

Gestatten, ich bin das namenlose Monster. Viele verwechseln mich mit meinem Schöpfer Victor Frankenstein. Der war Student an der Universität von Ingolstadt. Dort erschuf er mich. Aus Rache brachte ich am Genfersee seine Gattin um. Nachzulesen in Mary Shelleys «Frankenstein».

Die Gesamtlösung

Insgesamt waren 25 Buchstaben zu notieren. In den oben angegebenen Lösungen sind sie jeweils unterstrichen. Alphabetisch geordnet sieht das so aus:

A A A B B B F G G G L N N O S S S S T T U V V Z Z

Ein Buchstabe fehlte noch, macht zusammen 26 Buchstaben. Was bedeuten die 26 Buchstaben? Bei einem Schweiz-Rätsel kann man auf die Idee kommen, dass die 26 Buchstaben für die 26 Kantone der Schweiz stehen. Und so war es auch: Jeder Buchstabe stand für den ersten Buchstaben eines der Kantonsnamen. Dabei verwendeten wir die ersten Buchstaben der offiziellen Kürzel, wie sie auch auf den Autokennzeichen erscheinen. Für das Wallis steht somit V wie Valais und für das Waadtland V wie Vaud. Fehlte nur noch ein Buchstabe (oder ein Kanton): Unsere Gesamt­lösung lautete J (wie Jura).

War’s so schwierig? Sicher nicht für die fünf Teilnehmer, die am Final in Zürich teilnehmen. Wer sich den Goldbarren sicherte, erfahren Sie im Februar-Folio.

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