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NZZ Folio 06/00 - Thema: Roboter   Inhaltsverzeichnis

Zum Thema -- Sind wir wie sie?

Von Reto U. Schneider

Roboter haben es schwer. Was die Leute über sie wissen, haben sie aus Weltraummärchen und Spielzeugläden: dubios die Quellen, halb das Wissen. Das war schon immer so. Nicht ein Ingenieur hat das Wort in die Welt gesetzt, sondern ein Schriftsteller. Karel Capek nannte die Maschinensklaven in seinem 1921 uraufgeführten Theaterstück «Rossum's Universal Robots» nach dem tschechischen Wort für Fronarbeit: robota. Für die Menschen in Capeks Stück geht die Sache übel aus: Die Roboter revoltieren - nur ein Mensch bleibt übrig. Mensch baut Roboter, Roboter tötet Mensch: schlechte Voraussetzungen für eine tragfähige Beziehung. Die literarische Erbschuld lastet bis heute auf jeder Aluminiumschulter.

Wer den Robotern trotzdem nicht misstraut, der überschätzt sie: In Buch und Film sind sie kräftig wie Bulldozer, intelligent wie Einstein oder wenigstens depressiv wie Woody Allen. Was aber aus den Forschungslabors wankt, braucht neun Zehntel des elektronischen Hirns, um den nächsten Schritt zu berechnen. Und mit dem verbleibenden Zehntel schafft es ein Roboter noch nicht einmal, so richtig böse zu werden, wenn sein Kniegelenk wieder nicht geölt wurde. Die Entwickler sind bescheiden geworden. An einer englischen Universität baut einer einen Roboter, der Schnecken jagt, «weil die nicht davonrennen können». Doch die Bilanz ist nur aus der Sicht der Laien mager. Viele Wissenschafter sehen das goldene Zeitalter der Roboter anbrechen. Der Mensch hat Maschinen und Computer geschaffen und damit die Welt verändert. Die beiden zu verheiraten ist der nächste zwingende Schritt. Nach dem Personal Computer der Personal Robot.

Ob, und vor allem wann, Roboter aus Blech und Chips ihre Vettern in «Star Wars» einholen werden, ist ungewiss. Das tut der Hassliebe des Menschen zu den Maschinenwesen keinen Abbruch, denn ihre Anziehungskraft beziehen sie nicht daraus, dass es sie wirklich gibt, sondern daraus, dass es sie geben könnte. Der Gedanke an einen mechanischen Zwilling bündelt die grossen Fragen, die der Mensch sich je über den Menschen stellte: Sind wir mehr als seelenlose chemische Automaten? In jedem Spielzeugroboter steckt die kühne Vermutung: Wir sind wie sie! Robotik ist experimentelle Philosophie über unsere nächsten Verwandten.  




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