ES GAB EINE ZEIT, da waren Winter noch Winter mit Schnee und Eis und Rumpunsch und allem Drum und Dran, und Schneemänner, die etwas auf sich hielten, trugen Knöpfe aus echter Steinkohle. Beim Gehen durch den Wald knirschte der Schnee unter den Sohlen, und die Tannenzweige bogen sich unter ihrer Last, wie sie es heute nur noch in den billigsten Prospekten der teuersten Winterkurorte tun. Liebe Förster stellten dem Wild in eigens dafür gezimmerten Krippen kostenlos Heu zur Verfügung, damit es ihm etwas weniger dreckig ging, und dieses verdankte die freundliche Geste mit glänzendem Fell und possierlichen Sprüngen.
Es war in dieser alten Zeit, als das Skifahren zum Volkssport wurde, der Stemmbogen den Telemark ablöste und die Sicherheitsbindung ebenso zum Allgemeingut wurde wie der schwere Metallski. Das Wirtschaftswunder überzog die Alpen mit Bahnen und Liften und Pisten von blau bis schwarz, und das Snowboard war noch ebenso wenig erfunden wie die Schneekanone. Dafür gab es noch Skikanonen. So hiessen damals die Männer, die besonders gut fahren konnten und bei den Frauen ebenso viel Erfolg hatten wie die sogenannten Skihäschen bei den Männern.
Bald schon wurden an Bergbahnen und Skiliften die Schlangen derart lang, dass das Murren der Wartenden durch die Beschallung mit Ländlern und volksdümmlichen Schlagern übertönt werden musste. Ein besonders populäres Lied wurde zur Schweizer Landeshymne des Winterhalbjahres und verkündete lauthals: «Alles fahrt Ski, Ski fahrt die ganzi Nation.» Die zu Restaurants mutierten Alphütten vermochten den Ansturm nicht mehr zu schlucken und wurden ersetzt durch Jumbochalets mit eingebauten Selfservice-Raststätten, wo höchstens noch die obligaten Älplermagronen sowie die Sennenkitteli des Personals aus Sri Lanka an die Bergwelt erinnerten. Und der Weg mit klobigem Schuhwerk über glitschige Treppen zum halbwegs geordneten Harnlassen im Soussol war die schwärzeste aller Pisten. Kaum erstaunlich, dass die Jungen heute nicht mehr Ski fahren wollen. Sehr erstaunlich dagegen, dass sie mit der gleichen Hingabe dem Snowboarden frönen wie ihre Eltern früher dem Skifahren.