NZZ Folio 05/04 - Thema: Das Eigenheim   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Luxus zum Anstreichen

© Tobias Madörin
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Von Lilli Binzegger

Ein Haus mit Garten gibt mehr Arbeit als eine Wohnung, und ein Eigentümer hat administrativ mit seiner Behausung mehr zu tun als ein Mieter mit seiner. Urbanität und Mobilität, die den Mieter auszeichnen, sind hochangesehene Eigenschaften. Dennoch steht am Ziel allen Strebens das eigene Haus, denn nur in ihm kann man frei schalten und walten. Man kann die Wände dort hinstellen, wo man sie will, man muss die Kinder nicht dauernd zur Ruhe mahnen, man ist nicht von oben und unten und von links und rechts fremder Unterhaltungselektronik ausgesetzt, und selbst, wenn das Haus noch mehr der Bank gehört als einem selbst, hockt die doch wenigstens nicht auf dem Waschküchenschlüssel.

Das Einfamilienhaus bedient so viele legitime Bedürfnisse, dass ihm mit Vernunft nicht beizukommen ist, die da lauten müsste: Es frisst unmässig Boden, lässt Dörfer ausfransen und verschandelt auch in der besten Architektur die Landschaft stärker, als es vor dreissig Jahren die Orgien aus Wohnblöcken taten, weil es vorzugsweise an guter, sprich weitherum sichtbarer Hanglage steht und zusammen mit Gleichartigen eine Art neuen Vegetationsgürtel bildet. Und es steht noch seltener als eine Mietwohnung dort, wo der Eigentümer arbeitet, und erzeugt damit Umwelt- und Infrastrukturkosten, die die Allgemeinheit bezahlt.

Das Eigenheim ist Backstein gewordener Egoismus. Gestaltungsfreiheit und Bewegungsfreiheit sind die stärksten Triebe beim Entschluss zum Hauskauf, stärker jedenfalls als der Wunsch nach einer (ja sowieso nicht garantierten) sicheren Geldanlage. Wir haben uns unter Eigentümern da etwas umgehört. Das Konzentrat aus den Antworten: Ein eigenes Haus ist ein Stück Luxus, das man anstreichen und um das man herumgehen kann.


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