«ZAHLEN, BITTE.» Diesen Ruf kennt jeder. Er zählt mit «Grüss Gott» und «Gute Nacht» zu den Urlauten unserer Kultur. Selbst Kindergärtler finden die Kette von Ereignissen, die beim Zahlen wie geölt in Gang kommt, bald nicht mehr aufregend. Eine Börse wird gezückt, Geld gezählt, Danke gesagt – fertig. Der Moment des Zahlens ist so unscheinbar, durch tagtägliche Übung so abgenützt, dass seine Grandiosität keinem mehr auffallen will. Und doch bestimmt er die Nationalökonomie wie Atome die Materie: Wo es keine gibt, ist das Nichts oder ein Loch in der Bilanz.
Die New Economy wird erst dann ihren Namen verdienen, wenn das Zahlen in Digitalien kein Wunder mehr ist. Einstweilen geht es nämlich so: «Wo sind die Tacs?» – «Die was?» – «Die Tacs, die Transactioncodes. Die Dinger fürs Online-Banking!» – «Tacs sind unsicher, nimm eine Transaktionsnummer!» – «Eine was?» – «Eine Tan.» – «Wo sind die Tans?» – «Halt, das ist jetzt die Einstiegsmaske! Da brauchst du einen Pin!»
Es gibt Regentage des Lebens, da möchte man die Schar der Merkflöhe, die durch die Maschen unseres Gedächtnisses turnt, ein für allemal abschütteln und alle Codes, die man vergessen hat, für immer vergessen. Erst wieder zahlen, wenn dem Computer ein Blick in die singuläre Unergründlichkeit unserer Augen als Bonitätsnachweis genügt. Oder das Karte-in-den-Schlitz-Verfahren von der Strasse auch am Schreibtisch zu haben ist.
Doch der Weg zurück ist verbaut: Die Bank des 21. Jahrhunderts kombiniert Sammelsurien rätselhafter Geräte mit Ensembles prospektbedeckter Schreibtische zu futuristischen Designs gehobener Geschäftsprozesse. Bei den Geräten weiss man auf den ersten Blick nie, ob sie Geld brauchen oder hergeben. Und die Schreibtische machen den Eindruck, als seien ihre Hüter für simples Zahlen hoffnungslos überqualifiziert.
Deshalb sind moderne Menschen immer auch dilettierende Bankbeamte: «Und jetzt klickst du den Bezahlen-Knopf.» – «Es tut sich aber nichts.» – «Warte ein bisschen.» – «Es tut sich nichts.» – «Geh zurück.» – «Nochmal drücken?» – «Warte!» – «Jetzt haben wir aber zweimal überwiesen!» Macht nichts. Der Empfänger wird per E-Mail aufgerufen, das Geld wieder herauszurücken. Wenn möglich in bar.