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NZZ Folio 08/08 - Thema: Was wäre wenn . . . Inhaltsverzeichnis
Was wäre wenn ein Atomkrieg ausgebrochen wäre
© Sibylle Heusser und Marcus Mos...
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| Paris, 14. Juli 1989. Blick von der Notre-Dame Richtung Eiffelturm. |
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Von Vojtech Mastny
Wann war die Menschheit einem Atomkrieg am nächsten, Herr Mastny?
Man nimmt an, während der Kubakrise 1962, als die Sowjets auf Kuba Raketen stationierten.
Die Amerikaner fühlten sich bedroht, die Sowjets reagierten gereizt. Was wäre geschehen, wenn eine Seite die Nerven verloren hätte?
Es gibt Experten, die glauben, die Detonation einer ersten Atombombe in diesem Konflikt wäre ein solcher Schock gewesen, dass alle sofort aufgehört hätten. Andere sind der Meinung, es wäre zu einem unkontrollierbaren Atomkrieg gekommen.
Man weiss also nicht, was geschehen wäre. Gab es denn keinen Krisenplan?
Doch natürlich, aber es gab nicht nur einen Plan, es gab viele Krisenpläne. Welchem davon man gefolgt wäre, hätte die Führung eines Landes bei jeder Krise neu und oft unter Zeitdruck entscheiden müssen.
Was stand denn in diesen Plänen?
Zuerst muss man wissen, dass damals eine Übergangszeit war. Im Westen setzte sich die Überzeugung durch, dass ein Atomkrieg nicht zu gewinnen war, dass eine solche Auseinandersetzung nur Verlierer kennen würde. Die Sowjets hingegen waren der Meinung, dass ihre Atombomben durchaus zum Einsatz kämen, sollte es zum Äussersten kommen. Sie sahen lange nicht ein, dass die Folgen völlig unvorhersehbar waren. Es gibt einen detaillierten Schlachtplan der Sowjetunion aus dem Jahre 1964, bei dem 131 Atombomben zum Einsatz kommen. Er sah vor, dass die Truppen des Warschauer Paktes durch Gebiete marschieren, in denen nur Stunden zuvor eine Atombombe explodierte. Es war völlig absurd.
Wissen wir heute, auf welche Ziele Atomraketen gerichtet waren?
Die primären Ziele waren natürlich militärische Einrichtungen. Die taktischen Waffen hätte man auf dem Schlachtfeld gebraucht.
Was war mit Städten wie Paris oder London?
Aus ungarischen Quellen wissen wir, dass München, Wien und Verona zu den Zielen gehörten. Wenn Raketen auf diese sekundären Orte gerichtet waren, zeigten sie zweifellos auch auf wichtigere Städte.
Und die Schweiz? Bern? Zürich?
Dazu haben wir keine Angaben. Aber ich vermute nicht. Die wichtigere Frage im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg ist allerdings: Was wäre geschehen, wenn die Amerikaner 1945 die beiden Atombomben in Hiroshima und Nagasaki nicht abgeworfen hätten?
Was hat das mit dem Verlauf des Kalten Krieges zu tun?
Die beiden Atombomben – ob ihr Einsatz nun richtig war oder falsch – zeigten anschaulich, welche Zerstörungskraft in dieser Waffe liegt. Danach überlegte jeder lange, ob er es wirklich zu einer Eskalation kommen lassen wollte.
Ohne Hiroshima und Nagasaki wäre ein späterer Atomkrieg also wahrscheinlicher geworden?
Davon bin ich überzeugt.
Der Historiker Vojtech Mastny arbeitet am Woodrow Wilson International Center in Washington DC. Im Rahmen des Parallel History Project erforscht er den Kalten Krieg. (Interview: Reto U. Schneider)
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