NZZ Folio 11/04 - Thema: Marken   Inhaltsverzeichnis

Nur für Spezialisten

Accord, Ferlacher, Sage, Naim, Da Vinci, Sutter, House of Harlot – wir stellen Ihnen sieben Spitzenmarken vor, von denen Sie garantiert noch nie gehört haben. Es sei denn, Sie sind Fliegenfischer oder Cellistin, Jäger oder Hi-Fi-Fan, Fetischliebhaber, Weinmacher oder Malerin.


Abseits von Nike und Louis Vuitton tun sich erstaunliche Welten auf. Wer hätte gedacht, dass sich Cellisten ebenso sehr für die Marke ihres Cellokastens interessieren wie für den Namen ihres Instruments. Wer hätte vermutet, dass der Rolls-Royce unter den Weinpressen in St. Gallen gebaut wird, dass ein guter Aquarellpinsel 2000 Franken kosten kann, ein Jagdgewehr 40 000 und die beste Stereoanlage 200 000. Jede Berufstätigkeit und jede Freizeitbeschäftigung kennt ihre eigenen Marken, denen nicht weniger gehuldigt wird als den ganz grossen.

DA VINCI, DER PINSEL. Pinsel hatte schon der Grossvater hergestellt, die Pinselmacherei Defet gab es seit 1880 in Nürnberg, der Stadt Albrecht Dürers, die im 17. Jahrhundert zum Zentrum der deutschen Pinselmacherei wurde und bis heute in ihrer Umgebung noch rund 20 Pinselmachereien zählt. Anfang der fünfziger Jahre suchte der Geschäftsinhaber in dritter Generation, Hans-Friedrich Defet, für die Produkte nach einem Namen, der international gut verwendbar war. Defet ist nicht so leicht merkbar, und womöglich hielt man so kurz nach dem Krieg auch seine Klangnähe zu defeat für nicht wünschbar, zumal für ein Erzeugnis aus Nürnberg.

Hans-Friedrich Defet, unterdessen gegen achtzig, traf ins Schwarze, als er 1950 für seine Künstlerpinsel den Namen da Vinci eintragen und schützen liess. Die Defet GmbH hat heute Kunden in 60 Ländern und ist mit der Max Sauer SA im französischen St-Brieuc branchenführend in Europa. Als besonders zugkräftig erwies sich der Name da Vinci nicht ganz unerwartet in Italien, das heute einer der grössten Abnehmer ist.

Defet stellt Pinsel in etwa 500 Serien her, die es wiederum in je etwa 20 Grössen gibt, im Ganzen also rund 10 000 verschiedene: vom maschinengefertigten Schulmalpinsel zu 30 Rappen bis hin zum Traum jedes Aquarellisten, dem Kolinsky-Pinsel da Vinci Maestro der Grösse 50 mit seiner 3 cm dicken Quaste, die sich vorne zur allerfeinsten Spitze ausdünnt. Von diesem Prachtpinsel werden nur etwa fünf Exemplare jährlich hergestellt. Zum einen hält sich bei einem Preis von 2000 Franken pro Stück naturgemäss die Nachfrage in Grenzen, zum andern ist gar nicht mehr genügend langes Kolinsky-Haar zu bekommen. Für diese Pinsel wird das Schweifhaar des Kolinsky verwendet, einer in der Kälte Sibiriens und Nordchinas lebenden Rotmarderart, das pro Kilogramm etwa 12 000 Euro kostet und damit teurer ist als Gold. Für die hochklassige Maestro-Linie nimmt man das besonders dichte und kräftige Haar des männlichen Winterschweifs und für den grosskalibrigen 50er-Maestro-Pinsel davon nur die besten.

Die teuren Naturhaarpinsel werden bis heute von Hand hergestellt, Pinselmacher ist in Deutschland noch immer ein Lehrberuf mit dreijähriger Ausbildungszeit. Es braucht grosses Geschick zur Ausformung der Pinsel und ein sehr gutes Fingerspitzengefühl; schneiden darf man die Haare an ihren gewachsenen, ausdünnenden Enden keinesfalls. Stimmt die Form, knotet der Pinselmacher mit einem Faden, den er im Mund führt (der Mund ist des Pinselmachers «dritte Hand»), das Haar fest zusammen und steckt es in eine Metallfassung.

Die Stiele der Aquarellpinsel werden fünfmal lackiert, damit das Holz beim Malen keinen Schaden nimmt. Jener des 50er-Maestro ist aus Erlenholz und wird Stück für Stück gedrechselt, so wie auch seine Metallfassung Stück für Stück hergestellt wird, weil es dafür keine Standards gibt. Ein Kolinsky-Pinsel hält – wobei es drauf ankommt, ob man eher temperamentvoll oder eher doucement mit ihm malt und ob auf glattem oder rauhem Papier – bei pfleglicher Behandlung viele Jahre.

Zu den Wunderwerken, die man besitzen möchte, ohne ihnen gewachsen zu sein, wäre auch der Pinsel zu zählen, mit dem man Blattgold auf den Rahmen legt oder was man denn eben vergolden will. Der breite, sehr flache Anschlägerpinsel ist aus russischem Fehhaar, Eichhörnchenhaar. Dieses besonders feine Haar hinterlässt keine Kratzspuren und lädt sich statisch nicht so stark auf wie andere Pinsel; denn sonst würde sich das Blattgold, das so dünn ist, dass man hindurchsehen kann, wie ein Knäuel zusammenziehen. Lilli Binzegger

HOUSE OF HARLOT, DIE LATEXKLEIDUNG. Gleissend rote Korsetts, hautenge Tigerkleidchen, futuristische Rennfahrer-T-Shirts, Generalsuniformen aus fiktiven Bananenrepubliken – alles aus Latex! Mit knalligen, humorvollen Designs hat sich das Londoner House of Harlot in der Haute-Fetisch-Couture einen Namen geschaffen. Projekte mit Louis Vuitton, Thierry Mugler und Dior haben die Latexästhetik auch auf den konventionellen Laufsteg befördert. «Wir haben mit der Modeindustrie nichts zu tun», erklärt Robin Archer, der die Firma vor zehn Jahren gegründet hat, «aber die Mode flirtet gern mit uns. Wir bringen ihr, was sie braucht – Innovation, Sex-Appeal und Schockeffekt.»

Die Geschichte von House of Harlot beginnt 1991. Archer hatte an der St. Martin’s School studiert, bekannt für ihren abenteuerlichen Umgang mit Mode. Nach einem nicht geglückten Versuch mit einem eigenen Label wurde er Skimode-Designer. Freunde überredeten ihn und seine Frau zu einem Besuch im «Torture Garden», einem Club, der im Schnittfeld von Fetisch und Kunst operierte. «Es machte Spass», erinnert sich Archer, «aber alle trugen nur Schwarz. Ich dachte mir: Die können Hilfe gebrauchen.»

Zuerst leimte er farbige Latexanzüge für sich und seine Frau, dann für Freunde – und schliesslich für House of Harlot. Dieses Jahr hofft er auf einen Umsatz von 500 000 Franken. Der Engrosverkauf spielt heute eine geringere Rolle als am Anfang. Wichtiger ist der Verkauf im eigenen Laden sowie eine Privatkundenliste mit 4000 Namen. Billigstes Stück im Katalog ist eine Krawatte für 70 Franken, teuerstes ein Korsett für 900 Franken – Spezialanfertigungen können wesentlich teurer werden. Selbst die populärsten Stücke werden nur in kleiner Zahl angefertigt, mehr als hundertmal pro Jahr werden auch die Bestseller nicht verkauft.

«Noch vor zehn Jahren haftete dem Wort Fetisch etwas Anrüchiges an. Die Boulevardpresse stürzte sich darauf. Heute ist das kein Thema mehr», sagt Archer. Die Kostüme von House of Harlot waren denn auch schon oft in Werbespots und Fernsehfilmen zu sehen. Ihren nächsten Auftritt haben sie in «Charlie & The Chocolate Factory» – der Verfilmung einer Kindergeschichte von Roald Dahl. Hanspeter Künzler

ACCORD, DER CELLOKASTEN. Was haben der Starcellist Mstislav Rostropovich und der Hardrocker Eddie Van Halen gemeinsam? Beide verstauen ihre Instru mente in einem Koffer der Marke Accord, der sichersten, schönsten und vor allem teuersten Art, ein Instrument zu transportieren.

Die Geschichte von Accord beginnt 1991 in Holland. Wie alle Cellisten schleppt der 24-jährige kroatische Musikstudent Robert Schenk sein Instrument jeden Tag durch die Stadt – in einem Koffer, der doppelt so schwer ist wie das Instrument selbst. Dann hört er von Kohlenfasern, einem sehr leichten und doch starken Material, das im Flugzeugbau verwendet wird. Ideal für einen Cellokoffer. Schenk findet das teure Hightechmaterial bei einem Armeezulieferer und baut sich einen ersten Koffer. «Es hätte mein eigener sein sollen, doch als er fertig war, hatte ich kein Geld mehr.» Er verkauft den Koffer an einen Freund. Mit dem Geld baut er drei weitere Koffer und verkauft auch diese.

Langes Sitzen und das Tragen des Instruments machen Cellisten zu regelmässigen Besuchern beim Chiropraktiker. So dauert es nicht lange, bis sich die Kunde vom leichten Cellokoffer herumspricht. Ein Cello wiegt etwa 4 Kilo, ein normaler Koffer zwischen 4 und 7 Kilo. Schenks leichteste Konstruktion bringt es auf knapp 2,5 Kilo. Bald bekommt er Bestellungen aus aller Welt. «Die Musiker waren richtig gierig nach einem leichteren Koffer.» 1994 gründet er eine Firma und lässt die Koffer in seinem Heimatland Kroatien fertigen. Das genaue Verfahren ist Berufsgeheimnis.

Die Produktion hat sich seither jedes Jahr verdoppelt. Heute fertigen 35 Mitarbeiter – die meisten ehemalige Musiker – pro Jahr etwa 2000 Koffer. Immer noch alles in Handarbeit. 30 Modelle sind im Angebot, nicht nur für Cellos, sondern auch für Kontrabässe, Geigen und Tubas. Nächstes Jahr will Schenk in den Markt der Reisekoffer einsteigen.

Die Stradivari unter den Cellokoffern kostet über 3000 Franken. Eine eingearbeitete Unterschrift aus Gold, wie Sting und Lenny Kravitz sie in ihren Koffern wünschten, gibt es gegen Aufpreis. Sie wird von einem ehemaligen Mönch ausgeführt, der im Kloster sieben Jahre Kalligraphie studiert hat. Reto U. Schneider

FERLACHER, DAS GEWEHR. Den Gegenwert eines Audi oder Volvo trägt an der Schulter, wer mit einer Bockbüchsflinte oder einem Bergstutzen aus Ferlach zur Jagd geht. Bei hochgestochener Gravur mit Gold- oder Platineinlagen kann’s ohne weiteres ein Jaguar werden. Auf ein Ferlacher Gewehr wartet man derzeit bis drei Jahre.

Nicht dass eine solche Kostbarkeit besser schösse! Aber wer eine Ferlacher führt, fasst die Jagd als Lebensstil auf. Ausserdem zählt namentlich im Gebirge jedes Pfund, und Ferlacher Waffen sind unerreicht leicht und elegant, «führig», wie die Jäger sagen. Jedes dieser Gewehre ist eine Massanfertigung. Der Kunde, seine jagdlichen Prioritäten und seine Körpermasse bestimmen Kaliber, Verschlusssystem und Schäftung. Das Schaftholz ist meist Nussbaum aus der Türkei und wird nach dem Schlagen bis zu zwanzig Jahre gelagert.

Um den Rohling mit der passenden Maserung zu wählen, fährt der Kunde nach Ferlach in Kärnten. Dort gibt es ein gutes Dutzend Büchsenmacherbetriebe. Sie heissen Just, Hofmann, Scheiring, Borovnik, Winkler, Hambrusch. Manche dieser Familien sind Büchsenmacher in der zehnten, elften Generation.

Dass die Ferlacher Büchsenmacher stolz und eigenmächtig geblieben, aber ein bisschen aus der Zeit gefallen sind, hat mit dem Aufkommen der industriellen Präzisionsmechanik zu tun und mit der Erfindung von Gewehrsystemen wie dem Repetierer Blaser R 93, die man je nach Jagd- und Wildart wie eine Kamera neu zusammenstecken kann und die es schon für den Preis eines Motorrads gibt.

Die Ferlacher Büchsenmacher sind unbeirrt Künstler und Tüftler geblieben. Marketing haben sie nie richtig ernst genommen. Sie sind noch heute an Kunden gewöhnt, die sich höflich um eine Anfertigung bewerben und die sorgfältig jede Preisdiskussion vermeiden. Zur Zusammenarbeit hatten sich die Familien so weit durchgerungen, als sie gemeinsam Gewehrläufe zogen und es mit einer populären Gemeinschaftsmarke im vierstelligen Eurobereich versuchten. Aber ihre Genossenschaft ist diesen Sommer Pleite gegangen. Im Konkursantrag heisst es, dass die anderen schuld seien, vor allem die Behörden, die den Feuerwaffenbesitz immer stärker einschränken. Karl Lüönd

SAGE, DIE FISCHRUTE. Fliegenfischen will gelernt sein. Die Bewegungen müssen fliessen, es gilt, die verschiedenen Fangmethoden zu beherrschen, das Strecken der Schnur, den Vorschwung, den Rückschwung, den Überkopfwurf und natürlich den Rollwurf. Etwas leichter fällt das auch dem Fliegenfischermeister, wenn er das richtige Gerät zur Verfügung hat: zum Beispiel eine Xi 1290, ein Spitzenprodukt der auf Bainbridge Island in der Nähe von Seattle beheimateten Firma Sage.

Das Geheimnis der Sage-Rute ist das Material – Graphit-Fibern – sowie ihr Aufbau nach der «Generation 5»-Technologie mit dem «Modulus Positioning System (MPS)». Die Rute besteht nicht wie üblich aus einem einfachen Guss, sondern aus verschiedenartigen Kohlenfasern, die über die gesamte Rutenlänge präzise positioniert werden, womit sich für jeden Zentimeter auf der ganzen Länge das gewünschte Biegungsverhalten bestimmen lässt.

Diese Bauart sorgt während der Wurfbewegung für ein «Schnurgefühl», wie es der Fliegenfischer mit keiner anderen Rute erlebt. Der Fischer spürt, wie sich die Rute im Rückschwung auflädt, optimal kommt seine Kraft zum Einsatz, wenn er dann weiter beschleunigt, um seinen Köder, zum Beispiel die mit Bleiaugen beschwerte Trockenfliege, ins Ziel zu schiessen. Wenn die Fliege auf dem Wasser schwimmt, liegt ihm die Rute ultraleicht in der Hand. Und hat er endlich den ersehnten Biss, gibt sie ihm mit ihrer «ausgeglichenen Aktion» ein wunderbares Gefühl der Sicherheit. Bei dieser Rute geht kein Fisch mehr von der Angel, sie ist nämlich auch sehr stabil: Bei Tests auf den Christmas Islands, so verspricht der Hersteller in seinem Hochglanzprospekt, vermochte sie nicht einmal ein kräftiger Frauenfisch zu knicken. Geht trotzdem einmal etwas schief: Die Garantie für den Erstbesitzer währt 30 Jahre.

Selbstverständlich ist ein derartiges Hightechprodukt nicht ganz billig. Die Xi2-Serie für das Fliegenfischen im Meer kostet rund 1200 Franken. Wer bloss in Binnengewässern und in Flüssen fliegenfischt, ist bereits mit einem günstigeren Einsteigermodell gut bedient. Zum Beispiel einer Rute der DS2-Serie mit «Reserve Power Taper», was für eine exzellente «fishability» im Nahbereich sorgt. Andreas Heller

NAIM, DIE MUSIKANLAGE. Die Frage nach der richtigen Musikanlage ist etwa gleich verwegen wie die Frage nach der richtigen Religion. Was ist besser: Stereophonie, Quadrophonie, Surround, CD oder Langspielplatte, Röhrenverstärker oder Transistor, Hi-Fi oder Highend? In Internetforen liefern sich «Musikfreunde» der verschiedenen Fraktionen wortgewaltige Schlachten, dabei wäre alles so einfach.

«Was besser klingt, ist auch besser», sagt der Audio-Fachmann Peter Lüthi. Das Geschäft des 52-jährigen Musikliebhabers in Thun gilt als Geheimtip in der Schweizer Highend-Szene. «Stop», ärgert sich Lüthi, «Highend ist für mich ein Schimpfwort. Unter diesem Label versuchen japanische und amerikanische Hersteller übergewichtige Elektronik zu überhöhten Preisen zu verkaufen. Damit will ich nichts zu tun haben.»

Für Lüthi gibt es in Sachen Musikwiedergabe nur eine Referenz: Naim. Die britische Firma verfolgt seit 30 Jahren ein einziges Ziel: Audioprodukte zu entwickeln, die Musikgenuss auf allerhöchstem Niveau ermöglichen. Der Schlüssel dazu heisst Evolution statt Revolution: So stehen heute noch Produkte im Angebot, deren Ursprung 20 Jahre und mehr zurückliegt. «Wir sind der Meinung, dass gute Ideen zeitlos sind», betont der Hersteller.

Dieser Gedanke wird von der Reference Series perfekt verkörpert, einer Reihe von Audiokomponenten, die weltweit für perfekte Klangqualität stehen – und für einen hohen Preis: 210 800 Franken kostet das Spitzensystem von Naim mit einem Plattenspieler von Linn – die 5000 Franken für die aufwendige Verkabelung der Lautsprecher inbegriffen.

Produziert werden die teuren Stücke von rund 110 Mitarbeitern im südenglischen Salisbury. «Wir jagen keinen optischen oder technischen Modetrends hinterher», heisst es am Sitz der Firma, die nach dem Tod des Gründers in eine Stiftung umgewandelt wurde. «Optische und technische Spielereien überlassen wir den Mitbewerbern.» Und so sieht man den puristischen Hi-Fi-Komponenten nicht an, wie teuer sie sind. Selbst wer 18 300 Franken für den CD-Spieler CDS3 bezahlt, muss die Abdeckung des Laufwerkes von Hand öffnen.Dieter Liechti

SUTTER, DIE WEINPRESSE. Bei den alten Griechen wurden die Trauben in Weidekörben gestampft. Heute ist das Pressen von Wein ein nüchternes Hightech-Procedere. Dabei vertrauen die berühmtesten Bordeauxschlösser wie Château Margaux, Château Latour oder Château Cheval-Blanc ihre Trauben einer Sutter-Presse an. Für den Bündner Winzer Daniel Gantenbein sind die in St. Gallen gefertigten Apparate, was ein Rolls-Royce für einen Autofreak ist.

Spitzenweine werden heute fast ausnahmslos mit pneumatischen Systemen gepresst. Dabei drückt ein aufgeblasener Luftsack die Trauben an einen siebartig perforierten Zylinder. Der abfliessende Saft wird in einem Tank gesammelt, der Trester (Häute, Kerne, Stiele) wird ausgeschieden. Dieses sanfte Verfahren verhindert Reibungen der festen Stoffe wie Häute und Kerne. So entstehen fruchtigere, elegantere Weine als mit den alten Pressen; sie sind früher trinkreif, ohne an Alterungspotential zu verlieren.

Im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten sind Sutter-Pressen ganz aus Edelstahl gefertigt und gelten deshalb als äusserst langlebig. Sie verfügen über eine «formkonform konfektionierte Membrane» und einen «Fluxpilot», der beim Pressvorgang die «Extraktionsfliessgeschwindigkeit» berücksichtigt. Alles gesteuert von ausgeklügelten Computerprogrammen. Die Pressen lassen sich leicht reinigen, und es gibt sie auch als Kleinstversionen mit nur gerade 1000 Litern Trommelinhalt. Das ist ideal für Spitzenbetriebe, die ihr Traubengut separieren.

Weinpressen werden nicht aufgrund ihres Markenimages gekauft. Dem Kauf geht eine monate-, ja jahrelange Evaluation voraus. Dabei spielt die Kundenbetreuung eine grosse Rolle. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn mitten in der Ernte die Presse aussteigt und kein Servicemitarbeiter verfügbar ist. Sutter bietet seinen Winzern einen 24-Stunden-Pikettdienst an. Thomas Vaterlaus

Lilli Binzegger, Andreas Heller und Reto U. Schneider sind Redaktionsmitglieder von NZZ-Folio. Karl Lüönd ist Jäger und Publizist bei Winterthur, Hanspeter Künzler ist Kulturjournalist in London, Dieter Liechti ist Journalist in Zürich, Thomas Vaterlaus ist Weinjournalist in Ermatingen.


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