WAS LESEN WIR denn so an Zeitungen und Zeitschriften? Natürlich zuvörderst unser Haus-, Leib- und Weltblatt (die «Neue Züricher» für unsere deutschen Freunde), dann «Financial Times», «Le Monde», «Economist», «The New Yorker», «Foreign Affairs» und was sonst noch alles an Royces durch die Medienlandschaft rollt.
Aber was lesen wir denn wirklich gern? Die «Tierwelt». Wo sonst, wenn nicht in der - so die Unterzeile - «Schweizerischen Zeitschrift für Vogelhaltung, Vogelzucht und Artenschutz, Geflügel-, Kaninchen- und Taubenzucht, Kleintier- und Haustierhaltung, Gartenbau und Freizeitgestaltung» - wo sonst erfahren wir alles über Rammlerschauen spalterbiger Madagaskarschecken oder Flugtaubenmeetings mit Kunstflugtauben, als da sind Sturzflugtauben, Roller, Purzler und Klatschtümmler? Wo anders können wir über technischen Rätseln brüten wie dem «Sellett mit Eisentragöse und Bogenlande»? Nebst «ledernen Tragaugen»?
Haben wir bisher geglaubt, uns fehlen zum Glück nur die Rolex, der Mercedes und das brutal trockene Aftershave von Casanova Forte, so fühlen wir nun, beim Blättern im Anzeigenteil der «Tierwelt», woran uns wirklich mangelt. Besitzen wir etwa einen Gössel oder eine FW-Zibbe? Wie konnten wir ohne Vielseitigkeitssattel, «Kreiselschwader Fella gezogen» und Gotthelf-Tracht leben? Wie Europäer sein ohne Europawachteln? Männlich ohne Wichser Waffen? Und wie glücklich ohne Wurstspritze, Aufreisszähne und Sandra, 25 J. («Ein Leben ohne Liebe ist wie Fernsehen schwarzweiss»)?
Ach, Schimpf und Schande über so viel Ignoranz. Längst müssten wir uns hinter den Bio-Fix-Schneckenzaun verkrochen haben, tröstete uns das Blatt nicht mit dem Tip, den wir hiermit zur Beherzigung weiter empfehlen: «Wohl dem, der einen guten Dropper hat!»