NZZ Folio 03/09 - Thema: Entscheidungen   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben?

© Florian Bayer, Berlin
Der Illustrator Florian Bayer aus Berlin hat für dieses Heft mit Pinsel und Tusche Entscheidungen gezeichnet. Linktext
Hirnforscher schätzen, dass wir täglich hunderttausend Entscheidungen fällen – glücklicherweise nur hundert davon bewusst.

Von Reto U. Schneider

Aufstehen oder liegen bleiben? Liegen bleiben. – Aufstehen oder liegen bleiben? Liegen bleiben. – Aufstehen oder auf die Uhr schauen? Auf die Uhr schauen. – Aufstehen oder liegen bleiben? Aufstehen. – Hemd oder Pullover? Pullover. – Wollsocken oder Baumwollsocken? Wollsocken. – Velo oder Tram? Velo. – Treppe oder Lift? Lift. – Editorial schreiben oder mit den Kollegen plaudern? Mit den Kollegen plaudern. – Editorial schreiben oder Pult aufräumen? Pult aufräumen. – Editorial schreiben oder nach weiteren Ausflüchten suchen? Editorial schreiben. – Editorial mit «Aufstehen oder liegen bleiben» beginnen oder mit «Hemd oder Pullover»? Editorial mit «Aufstehen oder liegen bleiben» beginnen. – Editorial weiterschreiben oder Zeitung lesen? Zeitung lesen. – Editorial weiterschreiben oder die neue Digitalkamera des Chefs bewundern? Die neue Digitalkamera des Chefs bewundern. – Editorial weiterschreiben oder im Internet nach der Digitalkamara des Chefs suchen? Im Internet nach der Digitalkamara des Chefs suchen. – Kamera bestellen oder essen gehen? Essen gehen. – Kronenhalle oder Kantine? Kantine. – Rindsvoressen oder Kalbsvoressen? Kronenhalle. – Chateaubriand grillé oder Carré d’agneau provençale? Carré d’agneau provençale. – Mousse au chocolat oder Crème brûlée parisienne? Mousse au chocolat. – Treppe oder Lift? Treppe. – Kollegen fragen, ob dieses Editorial wohl eine gute Idee sei, oder weiterschreiben? Weiterschreiben. – Editorial noch einmal durchlesen oder an den Korrektor weitergeben? An den Korrektor weitergeben. – Länger arbeiten oder früher Schluss machen? Früher Schluss machen. – Treppe oder Lift? Lift. – Mit Tim spielen oder aufs Sofa liegen? Aufs Sofa liegen. – Das Betteln von Tim ignorieren oder aufstehen? Das Betteln von Tim ignorieren. – Das Weinen von Tim ignorieren oder aufstehen? Aufstehen. – Lego oder Playmobil? Lego. – Legohaus oder Legoturm? Legohaus. – Weiterspielen oder aufhören? Aufhören. – Selber aufräumen oder Tim dazu auffordern? Tim dazu auffordern. – Selber aufräumen oder Tim drohen? Tim drohen. – Selber aufräumen oder Drohung wahrmachen? Selber aufräumen. – Steuererklärung ausfüllen oder Buch lesen? Film schauen. – Schlafen gehen oder Buch lesen? Die Digitalkamera des Chefs im Internet anschauen. – Schlafen gehen oder Buch lesen? Schlafen gehen.

Reto U. Schneider ist stellvertretender Redaktionsleiter von NZZ Folio.

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Leserbriefe:

Zu Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben? - NZZ-Folio Entscheidungen (03/09)

Als Mitglied von sharkproject.org möchte ich Sie auf eine Annonce auf Seite 31 in Ihrem Heft hinweisen. Dort, wie auf der Homepage der EKAS, wird ein Hai als Gefahr, die am Arbeitsplatz zuschnappen kann, dargestellt. Diese Darstellung ist weder zeitgemäss noch richtig.
Karl Hans Bauer, Burghausen (D)




Zu Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben? - NZZ-Folio Entscheidungen (03/09)

Da hätte ich mir schon etwas mehr erwartet. Nicht dass das Thema "Entscheidungen" nicht interessant wäre, aber dass die Redaktion nicht einmal Bezug nimmt auf den Entscheidungsdenker schlechthin, lässt Fragen offen. Ein Hinweis auf Schmitt wäre wohl schon angebracht gewesen! Entscheidung ist eben nicht nur eine Wahl unter vielen möglichen anderen.
Franz Halas, per E-Mail




Zu Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben? - NZZ-Folio Entscheidungen (03/09)

Nach der genüsslichen Lektüre Ihres Entscheidungshefts habe ich mich, entscheidungsfreudig gestimmt, zum Verfassen einer Lesermail entschieden. Das Thema Entscheidungen wird spannend präsentiert, das Editorial ist gelungen und die Entscheidungstipps sind Gold wert. Dennoch habe ich zwei Bemerkungen: Kann man Tätowierungen, die man nach Jahren wieder entfernen lassen will, wirklich als Fehlentscheidungen einstufen? Wie ist es dann mit einer Ehe, die zehn Jahre glücklich hielt, im fünfzehnten Jahr aber in die Brüche ging? War sie ebenfalls eine Fehlentscheidung? – Meiner Meinung nach nein, denn eine Entscheidung muss nicht immer fürs ganze Leben halten. Die zweite Bemerkung betrifft die leider wiederum auffällige Männerlastigkeit des Hefts: Mehr als ein Bericht über einen an Alzheimer leidenden Vater hätte mich beispielsweise ein Artikel über Frauen, die sich entschieden haben abzutreiben (oder es eben nicht zu tun) - eine Entscheidung über Leben und Tod - interessiert. Vielleicht sollten Sie eine oder zwei weitere Journalistinnen anstellen?
Lena Keller, Bern




Zu Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben? - NZZ-Folio Entscheidungen (03/09)

Wer beglückwünscht und gefeiert werden will, der fälle Entscheide, mache sie publik und freue sich. Dann geschieht’s: Man wird zum Held erkoren. Bei mir kam das so: Ich sollte mein Fahrzeug beim Strassenverkehrsamt zur Kontrolle vorführen. Der Fachmann von der Garage sprach von Rost am Chassis. Kein Durchkommen beim Amt. Schaden beheben oder Neuwagen? Entscheiden! Ich: weder noch. Ausstieg beim Club der Automobilisten und Freunde des Touringsports, Umstieg auf den öffentlichen Verkehr. Anonymes Mitglied beim grossen Bund der Geher, der Fussgänger, der Umweltschongemeinde, der Gutmenschensekte. Man gratulierte dem Aus- und Umsteiger von vielen Seiten zum Entscheid, krönte ihn für Mut und weise Weitsicht, für beispielhaftes Verhalten Gesellschaft und Natur gegenüber. Noch lässt der Award von öffentlicher Stelle auf sich warten. Richtig. Denn: Gesamtwirt-schaftlich gesehen war der Entscheid rezessionsfördernd. Opfer „der Tyrannei der freien Wahl“?
Erwin A. Sautter-Hewitt, Zumikon ZH




Zu Editorial -- Aufstehen oder liegen bleiben? - NZZ-Folio Entscheidungen (03/09)

Es wundert mich, dass im Folio zum Thema Entscheidungen auf den Fotos und den unsäglichen Zeichnungen von Florian Bayer (ich weiss, Geschmackssache) mindestens zehn (10) mal mehr Männer als Frauen abgebildet sind. Was hat das für eine Bedeutung? Es kann kein Zufall sein, F.Bayer hat sich dafür entschieden, und ich würde gern seine Gründe dazu kennen. (Kann er vielleicht keine Frauen zeichnen?)
Béatrice Geilinger-Dubs, per E-Mail




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