IN GEWISSER WEISE sind Andy Stutz und sein Zürcher Seidensalon Fabric Frontline mitverantwortlich für die ästhetische Umweltverschmutzung, die die Hälse der Männer in den letzten zwanzig Jahren heimgesucht hat. Denn seit Mitte der achtziger Jahre geistert die lustig gemusterte Krawatte mit Tierchen oder Früchten oder ähnlichem Unfug durch die Mode. Und Andy Stutz war einer, der diese Accessoires vermarktete. Er tat es viel besser als die Konkurrenz und wurde damit zu einer weltweit respektieren Instanz in Sachen bedruckter Seide.
Die lustigen Motive sind inzwischen passé, auch bei Fabric Frontline. Schon lange exportiert Stutz mehr als kunterbunte Foulards und Krawatten. Seine unifarbenen Seiden gehören zu den exklusivsten, die es gibt, Couturiers und Designer in ganz Europa arbeiten damit. Und auch ein Grossteil der Druckmotive hat sich angenehm dem unaufgeregten Lifestyle des neuen Jahrtausends angepasst. Auch wer eine unifarbene, dezent gestreifte oder karierte Krawatte will, wird heute bei Andy Stutz fündig.
Das entscheidende Qualitätsmerkmal einer Krawatte ist die Seide. Zwar gibt es auch Binder aus Wolle, Kaschmir oder Strickwaren, sie haben aber nie den Glanz und die Ausstrahlung von Seide, die Licht am besten reflektiert. In der sogenannten Seven-Fold-Technik wird der Stoff siebenmal gefaltet – dadurch kann auf die Einlage verzichtet werden. Eine solche Krawatte ist aber voluminös und für einen modernen Look etwas zu barock. Es gibt einen weiteren Grund, der für die schlankere Technik mit der lose gewobenen Wolleinlage spricht: die Krawatte hat damit einen Träger, der verhindert, dass der gebundene Schlips sich verdreht.
Der Stoff einer guten Krawatte wird immer im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, weil er dadurch weicher fällt. Die Krawatte lässt sich auch leich ter knoten. Die drei Stoffstücke, also Vorderteil, Mittelteil und das schmale Ende, werden maschinell zusammengenäht – in jedem Fall. Die Spitze am breiten Ende wird wiederum maschinell mit einem Stück derselben Seide gefertigt. Der Rest der Arbeit muss von Hand geschehen: das Einlegen der schräg geschnittenen Einlage, das Einfalten der Seide auf die richtige Breite sowie das lockere Zunähen der innenliegenden Naht. Nur so wird erreicht, dass die Kanten rund fallen und die Innennaht flexibel genug ist, um beim Binden nicht zu reissen.
Gebunden wird die Krawatte so, dass die Spitze auf Höhe des Hosenbundes zu liegen kommt und die Gurtschnalle berührt. Länger gebundene Krawatten sehen genauso komisch aus wie zu kurz geknotete. Der einfache Four-in-Hand-Knoten ist schlank und zeitgemäss, Half-Windsor oder Full-Windsor sind komplizierter und voluminöser. Vorsicht ist beim Ablegen der Krawatte geboten: Statt an einem Ende zu ziehen, sollte man den Knoten behutsam lösen, den Hemdkragen hochklappen und den Schlips über den Kopf heben. Niemals sollte eine Krawatte gebügelt werden: Man rollt sie besser auf, um Knitter zu beseitigen.