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Duftnote -- Der Ferrari unter den Parfums
© Fabienne Boldt
Von Luca Turin
In Anbetracht meiner Vorliebe für Autos und Parfums war es unvermeidlich, dass ich eines Tages über die Parallelen zwischen Carrosseriebauern und Parfumherstellern nachdenken würde. Dior entspricht der raffinierten und damenhaften Carrozzeria Touring, Caron den schockierend eckigen Fratelli Zagato, Guerlain dem unendlich anmutigen Pininfarina.
Wie Farina beginnt auch Guerlain mit dem verschwommenen Filigran aller bisherigen Entwürfe. Dann dehnen sie es, entfernen Altes, fügen Neues hinzu, bis sich allmählich ein Ziel herauskristallisiert. Bei Farina ist die Kontinuität gesichert: Das Erbe wurde von «Pinin» an Sergio und nun an dessen Sohn weitergegeben. Bei Guerlain scheint nach fünf Generationen keiner mehr willens, das Erbe weiterzuführen, wenn Jean-Paul sich zur Ruhe setzt. Entweder stellt man die Parfums zum Verkauf, oder man stellt einen Parfumeur ein, wie es Cartier, Patou und neuerdings auch Hermès getan haben.
Maurice Roucel wäre der nächstliegende Kandidat. Seine Meisterwerke reichen von Lyra (Delon) über Envy (Gucci) und Tocade (Rochas) bis zu 24 Faubourg (Hermès). Mit L’Instant hat er bewiesen, dass er sich auf Guerlain einzustellen versteht. Seine zutiefst französische Art, den Frauen mit einem Duft das Gefühl hinreissender Schönheit zu geben, passt perfekt zur Tradition des Hauses.
Und nun erscheint sein Insolence. Der erste Eindruck ist Verblüffung. Roucel bricht mit der Marotte eines ansprechenden Auftakts. Die ersten Minuten sind, wie in der glorreichen alten Zeit, verquer: süssliche Veilchen in einer Wolke von Haarspray. Wenn sie die Verkäufer nicht angemessen instruieren, wird Insolence schwer an die Frau zu bringen sein. Aber wenn sich das Gewusel aus Kopfnoten zu einem gemässigten Galopp verlangsamt, merken Sie plötzlich, dass Sie durch eines der bestkomponierten Parfums seit Menschengedenken hindurchbrausen.
Der Bezug auf Guerlains Vergangenheit ist offenbar: L’Heure Bleue, das einen puderblauen Neuanstrich erhalten hat. Während der folgenden Stunden pendelt Insolence zwischen diesem Verweis und einer gespenstisch schillernden Reminiszenz an die Tuberose in Amarige hin und her. Roucels Markenzeichen, das Magnolienblatt, bewirkt wahre Wunder. Wenn L’Instant ein Peugot 406 war, dann ist Insolence der Ferrari der Familie, ein 612er-Scaglietti: aus einigen Perspektiven grossartig anzusehen, aus anderen schräg, doch in Bewegung stets eine faszinierende Erscheinung. Es ist kein 330er-GTC (das war seinerzeit Chamade) – aber würden Sie ihn als Geschenk zurückweisen?
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Wer ist Luca Turin?
"The Emperor of Scent" von Chandler Burr ist eine spannende Darstellung von Leben und Arbeit Luca Turins, der eine faszinierende Theorie entwickelt hat, wie unser Geruchssinn eigentlich funktioniert.
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